Kamera für die Reise – Kaufentscheidende Faktoren

Welche Kamera nehme ich am besten auf meine nächste Reise mit? Diese Frage wird sich vermutlich nahezu jeder foto-affine Kurzurlauber, Langzeitreisende oder Tourist schon einmal gestellt haben. Wenn weder Geld, Gewicht noch andere Faktoren wie Auffälligkeit, Diebstahlgefahr oder persönliche Vorlieben eine Rolle spielen würden, wäre die Frage wahrscheinlich recht einfach zu beantworten. So ist es eben nicht ganz so einfach – und gleich vorweg – ein Patentrezept kann ich in diesem Blogbeitrag natürlich auch nicht präsentieren. Trotzdem versuche ich auf Basis meiner eigenen Erfahrungen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Kameraarten zu erörtern und Dir vielleicht eine Hilfe bei der Entscheidung zu sein, mit welcher Ausrüstung es demnächst in die Alpen, ans Meer oder um die Welt geht.

Entscheidende Faktoren beim Kamerakauf

Ganz allgemein sei gesagt – die perfekte Kamera gibt es nicht – jedes Modell, von jedem Hersteller, besitzt Vor- und Nachteile. Je nachdem, welche persönlichen Vorlieben Du hast und welche Anforderungen Du an eine Kamera stellst, kommen daher ganz unterschiedliche Modelle in Frage. Daher solltest Du Dir zunächst einmal die folgenden sieben Fragen durch den Kopf gehen lassen:

  • Welche Motive möchte ich überhaupt fotografieren (z. B. Landschaften, Städte, Portraits, wilde Tiere, Unterwasser, Nachtaufnahmen, …)?
  • Welchen Umfang soll die Fotografie auf der Reise einnehmen (z. B. nur mal nebenher ein Foto zur Dokumentation machen, etwas ambitioniertere Aufnahmen oder eine dedizierte Fotoreise)?
  • Möchte ich die Aufnahmeparameter manuell einstellen oder verlasse ich mich auf die Automatik der Kamera?
  • Wie viel Platz bzw. Gewicht darf die Fotoausrüstung maximal einnehmen? Wie (un)auffällig will ich beim Fotografieren sein?
  • Möchte ich die Fotos nachträglich am Computer bearbeiten?
  • Wie möchte ich die Fotos (während oder nach der Reise) verwerten (z. B. auf Instagram posten, am Computer vorzeigen, als Buch oder Poster drucken)?
  • Zu guter Letzt: Wie viel darf die Kamera inklusive Zubehör maximal kosten?

Persönliche Anforderungen an die Kamera

Alle Antworten notiert? Gut, dann geht es weiter mit dem nächsten Punkt, denn aus Deinen persönlichen Ansprüchen ergeben sich die Anforderungen an die Kamera, die sich in den folgenden Kategorien zusammenfassen lassen:

Bildqualität: Der wichtigste Punkt zuerst – schließlich zählt am Ende das Ergebnis, in diesem Fall das fertige Foto. Die Bildqualität setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen: Auflösung, Rauschverhalten, Dynamikbereich, Schärfe und Farbwiedergabe. Wenn Du von diesen Begriffen noch nie etwas gehört hast, kein Problem. Zumindest bei guten Lichtverhältnissen lassen sich mit allen Kameramodellen aller Hersteller „gute“ Fotos machen. Erst wenn das Licht nachlässt, trennt sich die Spreu vom Weizen. Hier gilt die Faustregel – je größer der Sensor und je lichtstärker das Objektiv, desto besser ist die Bildqualität auch noch bei schlechten Lichtverhältnissen.

Auflösung: Mehr Megapixel sind besser? Jain. Kommt ganz darauf an, was Du mit Deinen Fotos machen willst. Ja, es gibt Anwendungszwecke, bei denen eine Auflösung von 50 Megapixeln von Vorteil ist, doch für die große Mehrheit der Anwender ist die Megapixelzahl einer Kamera (auch wenn das Marketing der Hersteller etwas anderes suggeriert) aber heute nicht mehr von großer Relevanz. Alle gängigen Modelle besitzen Auflösungen, die für den täglichen Gebrauch mehr als ausreichend sind. Als Referenz: Um ein Foto in DIN A4 mit einer Auflösung von 300dpi zu drucken, braucht es gerade einmal 8,7 Megapixel.

Objektive & Brennweitenbereich: Ein ganz wichtiger Punkt, denn welche Objektive und Brennweiten Du nutzt, hängt davon ab, welche Motive Du fotografierst. Du willst hauptsächlich Landschaften fotografieren? Dann ist ein Ultraweitwinkelobjektiv sicher keine schlechte Idee. Für wilde Tiere darf es dagegen eher ein Teleobjektiv sein. Als Referenz: Ich fotografiere in erster Linie Landschaften, in Städten und seltener auch mal ein Portrait – dafür setze ich auf einen Brennweitenbereich zwischen 16mm und 100mm. Es muss also keineswegs ein 50x-Zoom sein. Je nachdem reicht Dir auch eine Festbrennweite (also ohne Zoom) für Deine Motive aus – mit dem Vorteil, dass Festbrennweiten in der Regel Zoomobjektiven auch in Sachen Abbildungsqualität überlegen sind.

Bedienung: Mein Tipp – kaufe Deine Kamera nicht im Internet, sondern vor Ort beim Händler Deines Vertrauens. Dort hast Du die Möglichkeit, die Kamera vor dem Kauf in der Hand zu halten und glaube mir, es ist ein ganz wesentlicher Faktor für den Spaß am Fotografieren, ob Dir eine Kamera von der Bedienung her liegt. Einstellräder, Positionierung von Knöpfen, Menuaufbau, Griff, Sucher – all diese Dinge tragen erheblich dazu bei, wie Dir die Kamera liegt und sind damit nicht zuletzt auch ein wichtiger Schritt zu guten Bildern.

Größe: „Eine größere Kamera sieht professioneller aus.“ Wieso das denn? Mal ganz davon abgesehen, dass beim Betrachten Deiner Fotos niemand mehr auf die Größe Deiner Ausrüstung schließen kann, ist eine etwas leichtere und diskretere Kamera oftmals von Vorteil. Sei es in einem südamerikanischen Armenviertel oder beim Bergsteigen.

Konnektivität: Nicht gerade der Faktor mit der höchsten Priorität, aber dennoch nicht ganz unwichtig. Willst Du Deine Fotos möglichst schnell mit der ganzen Welt teilen? Dann solltest Du darauf achten, dass Deine Kamera eine WLAN-Fähigkeit besitzt. GPS-Empfang ist gerade auf Reisen ebenfalls nicht von Nachteil. Für Videografen ist zudem das Vorhandensein von Mikrofon- und Kopfhörerbuchse interessant.

Emotionen / Marken: Auch wenn wir es nicht gerne zugeben, jede Kaufentscheidung wird letztlich durch subjektive Emotionen beeinflusst. Das Retro-Design der Fuji-X-Serie z. B. ist halt schon cool, ganz unabhängig von der Funktionalität der Kameras.

Sonstige Faktoren: Je nach Deinen Anforderungen können hier noch viele weitere kaufentscheidende Faktoren stehen. Laden per USB, Wetterfestigkeit, Verfügbarkeit eines Unterwassergehäuses, 4K-Videomodus – um nur einige zu nennen.

Kamera-Systeme

Aber welche Kamera soll ich mir denn jetzt fürs Reisen zulegen? Nun, wie gesagt, ein Patentrezept für die Kamerawahl gibt es nicht und ich kann auch nicht ein ganz bestimmtes Modell oder eine bestimmte Marke empfehlen. Anhand der folgenden vier Kamera-Kategorien möchte ich Dir aber zur Erleichterung Deiner Entscheidung im nächsten Beitrag die Vor- und Nachteile der verschiedenen Systeme für die Reisefotografie darlegen.

Felix ist Fotograf und Autor, spezialisiert auf Landschafts- und Reisefotografie und zu Hause im Saarland und der ganzen Welt. Wenn er nicht gerade in der Natur oder den Bergen unterwegs ist, schreibt er hier über seine Reisen, die Fotografie oder über sein liebstes Fortbewegungsmittel, die Seilbahn.

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