Crans-Montana • Der Besuch der alten Dame

Nach der langen Anreise bis ins Skigebiet am Vortag können wir es am heutigen Morgen ein wenig ruhiger angehen. Nur knappe zehn Minuten nimmt die Fahrt von unserer Schlafstätte bis ins Parkhaus von Crans-Montana in Anspruch. Wenige Minuten später stehen wir auch schon an der Kasse. Schon 2006 starteten wir im nahe gelegenen Montana zu einem etwas missglückten Skitag in Crans-Montana, war doch anfänglich gutes Wetter angekündigt, von dem aber den ganzen Tag hinweg nichts zu sehen war. Nebelverhangen präsentierte sich das Plateau. Am frühen Nachmittag begann es auch noch zu schneien, sodass ein Grossteil des Skigebiets gar nicht geöffnet war. Diesmal soll es anders sein. Denn Nebel und Schneefall erwarten uns beim prächtigen Wetter, wie wir es an der Talstation der Kabinenbahn zum Cry d’Er antreffen, nicht.

Das Skigebiet von Crans-Montana

Das Skigebiet lässt sich grob in drei Bereiche einteilen. Einmal das Zentrum rund um den Cry d’Er, welches von Crans und Montana sehr leicht durch jeweils einen Zubringer in Form einer Kabinenbahn erreichbar ist. Beide Anlagen besitzen eine Mittelstation. Die Anlage von Montana erschliesst damit ein riesiges Kinderland mit einer Vielzahl an Förderbändern, Seilliften und viel Plastik. Am Cry d’Er selbst findet man ein Eldorado für jüngere Skifahrer vor. Einerseits relativ flache Hänge Richtung Chetseron, für die etwas älteren einen „Funpark“, der von der Sesselbahn Pas du Loup bedient wird.

Eine Etage höher geht es mit der Sesselbahn Bella Lui, die einen eigenen Kessel in sanfter Hanglage erschliesst, andererseits aber auch eine von zwei Verbindungen in den mittleren Skigebietssektor erschliesst. Dieser präsentiert sich völlig konträr mit weitaus anspruchsvolleren Abfahrten und schrofferem Gelände. Allen voran die lange Abfahrt des Funitels Plaine Morte, die durch landschaftlich reizvolles Gebiet führt. Zwei kurze Skilifte, davon einer auf der Nordseite, runden das Angebot an der Plaine Morte ab.

Oberhalb von Aminona erstreckt sich mit dem dritten Gebietsteil der rustikal-ursprünglich gebliebene Sektor, der durch eine Kabinenbahn von Giovanola sowie durch zwei weitere Anlagen erschlossen ist. Das Publikum setzt sich hier vor allem aus Familien und gemütlicheren Skifahrern zusammen, die sich auf den eher flachen, aber sehr breiten Pisten austoben. Erreichbar ist der Sektor in erster Linie über die Sesselbahn Toula, die im oberen Teil die einzige echte Skiroute im gesamten Gebiet von Crans-Montana zugänglich macht.

Sonnenhänge um jeden Preis?

Generell beeindrucken die gigantischen Tiefblicke ins knapp 2000 Meter tiefer gelegene Rhônetal, die von nahezu jeder Ecke des Gebiets möglich sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten im Rhônetal liegt das Plateau von Crans-Montana etwas vorgerückt wie eine Halbinsel im Tal, was einen unvergleichbaren Rundumblick von Martigny bis weit ins Oberwallis ermöglicht. So schön die Aussicht aber ist, so suboptimal ist die Hangausrichtung. Bis auf den angesprochenen Hang an der Plaine Morte liegt das gesamte Skigebiet südseitig ausgerichtet den gesamten Tag in der Sonne. Aufgrund der überwiegend moderaten Höhenlage führt das schon ab Februar zu Sulzschneeverhältnissen.

Mit Ausnahme des Sektors Violettes-Plaine Morte sind die Pisten im Allgemeinen auch nicht als allzu speziell zu klassieren. Hier und da findet man eine nette Passage. Doch im Allgemeinen sind die Abfahrten eher durchschnittlich. Gerade im Bereich Aminona fehlt eine vernünftige Talabfahrt, aber auch die Abfahrten am Cry d’Er gehören nicht in die Premiumkategorie. Dennoch, die Pisten im Einzugsbereich des Funitels und die grandiose Landschaft lassen manch weniger schöne Passage schnell vergessen.

Eine unvergleichbare infrastruktuelle Erschliessung

Es gibt in der gesamten Schweiz wohl kein anderes Skigebiet, das sich in Sachen infrastruktureller Entwicklung mit Crans-Montana vergleichen lässt. Seit 1912 wird das Hochplateau oberhalb von Sierre durch eine Standseilbahn erschlossen. 1924 erfolgte die Einweihung der ersten Seilbahnanlage, einem Funischlitten. Als frühes Paradies für Golfer entwickelte sich der Ort ähnlich wie Sankt Moritz zu einer Hochburg der Haute Couture. Heute kann man das gesamte Gebiet rund um die einstigen Weiler Crans, Montana und Aminona mit seinen vielen Hotelbauten schon beinahe als Stadt bezeichnen.

Viele der Hotels besassen zur Zeit der Hochkonjunktur des Skisports einen hoteleigenen Skilift, was die Zahl an Dorfliften in Crans-Montana massiv in die Höhe stiegen liess. Meist erschlossen die Anlagen nur den erstbesten Hügel nahe des entsprechenden Hotels. Mit den Skiliften rund um den Golfplatz und im Bereich Plan Mayens existierten aber auch schon früh etwas ernstzunehmendere Lifte mit ansprechenden, längeren Hängen. Die Entwicklung im eigentlichen Skigebiet verlief ähnlich. Entstanden in Crans 1950 respektive 1951 die erste Zweiseil- und die erste Einseilkabinenbahn der Schweiz, so erfolgte während der folgenden Jahre ein völlig planloser Bau von einer Vielzahl an Anlagen, die teilweise nur eine Saison an Ort und Stelle standen.

Unzählige Betreibergesellschaften gründeten sich und pflasterten jeden noch so sinnlosen Hügel mit einer separaten Liftanlage zu. Dass dieses Konzept, falls man es denn als solches bezeichnen kann, nicht aufging, leuchtet ein. Die vielen stillgelegten Lifte sind daher keine Überraschung. Nicht weniger als 34 Anlagen wurden während der letzten 60 Jahre ersatzlos stillgelegt. Die Zahl der auf gleicher Trasse ersetzen Bahnen beläuft sich auf mindestens 30. Bemerkenswert ist, dass trotz der vielen Stilllegungen ohne Ersatz kaum nennenswerte Abfahrten verloren gegangen sind.

Eine Rekordzahl an ersatzlosen Stilllegungen und eine alte Dame

Zwar hat sich hier und da die Erreichbarkeit etwas verschlechtert. Doch nach wie vor sind mit Ausnahme zweier kleinerer Pisten an der Plaine Morte noch immer alle Hänge (irgendwie) erreichbar. Ausnahme stellen hier die zahllosen Dorflifte dar, von denen heute nur noch ein einziger, sehr kurzer Lift auf dem Golfplatz existiert. Die Hotelgäste verlangen nicht mehr nach einer Privatanlage. Den Rest hat man ohnehin mit Chalets zugebaut.

Inzwischen hat Crans-Montana seinen ursprünglichen Charme der planlosen Erschliessung mehr oder weniger verloren, doch optimal erreichbar sind die Pisten aus diesem Grund noch lange nicht. In seilbahntechnischer Hinsicht ist Crans-Montana allerdings immer noch ein Leckerbissen. Die wahrscheinlich spektakulärste Umlaufbahn der Schweiz, die erste und bislang einzige kuppelbare Sesselbahn von Bartholet im Land und eine noch halbwegs originale Giovanola-Kabinenbahn zählen zum Inventar.

Letztere alte Dame ist auch einer der Hauptgründe für unseren Besuch. Mit Baujahr 1969 zählte sie zwar zu den letzten vom grössten Walliser Seilbahnhersteller erbauten Bahnen, ist aber heute mit Abstand das älteste Exemplar im gesamten Skigebiet und ein liebenswerter Oldtimer. Ein Ersatz dürfte allerdings wie so oft auch hier nur noch eine Frage der Zeit sein. Es sei denn, die Bahn würde ersatzlos stillgelegt werden. Was aufgrund der Geschichte gar nicht mal so ungewöhnlich wäre.

Morgendlicher Aufbruch zum Cry d’Er

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Unterwegs auf der ersten Teilstrecke der Kabinenbahn Crans-Merbé-Cry d’Er. Die relativ moderne Anlage von Garaventa folgt dem Verlauf der 1950 erbauten Vorgängeranlage von Bell, die damals erste Kabinenbahn der Schweiz überhaupt. 1976 wurde sie durch eine Von Roll VR102 ersetzt, ehe Ende der 90er das Exemplar von Garaventa folgte.

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Im Hintergrund ist bereits die Mittelstation Merbé zu sehen, in der die Anlage eine leichte Kurve macht. Während beide Vorgänger hier eine Sektionentrennung hatten, läuft das Seil bei der heutigen Anlage durch. Beim Bau der Anlage wurde die nahegelegene Kabinenbahn zum Chetseron ersatzlos abgebaut. Zwar kann man die Pisten von der Bergstation der Garaventabahn immer noch erreichen, muss aber ein langes Flachstück in Kauf nehmen. Statt dieser Lösung hätte man die Anlage besser via Chetseron zum Cry d’Er gebaut. Die Pisten, die an der jetzigen Mittelstation enden, sind nämlich eher fad.

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Angekommen auf dem Cry d’Er mit der gerade gefahrenen Kabinenbahn von Crans kommend im Vordergrund. Dahinter erschliessen die Skilifte Merignou und Chetseron ein äusserst flaches Übungsgelände. Im Hintergrund der imposante Tiefblick ins Rhônetal.

Blick auf Anzère und den Schlepplift Chetseron

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Ein Blick ins nahe gelegene Anzère, eines der Gebiete, das uns in unserer Liste noch fehlt. Zu sehen ist die Sesselbahn Les Rousses-Combe de Serin-Le Bâté, welche noch wenige Wochen zuvor wegen eines Lawinenschadens ausser Betrieb gewesen ist. Verbindungsprojekte gab es hier bereits, bis jetzt sind sie allerdings nicht Wirklichkeit geworden.

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Der Skilift Merignou, eine klassische Garaventa-Konstruktion und eine von drei Beschäftigungsanlagen auf der Südseite des Cry d’Er. Im Hintergrund posieren die Quatre Vallées und der Mont Blanc.

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Der Schlepplift Chetseron-Cry d’Er, in der heutigen Fassung ebenfalls von Garaventa. Viele Teile, wie beispielsweise die im Vordergrund sichtbare Portalstütze, wurden allerdings vom Vorgänger, einem Bühler-Skilift von 1962, übernommen. Der Berner Konstrukteur erhielt in Crans-Montana seinen ersten Grossauftrag mit mehreren Anlagen rund um den Cry d’Er, bei welchen er in dieser frühen Phase auf Konstruktionen von Doppelmayr zurückgriff. Garaventa war zur damaligen Zeit demnach nicht der einzige Schweizer Hersteller, der sich der Lizenzen aus Österreich bediente. Bühler konstruierte jedoch bereits zwei Jahre später Skilifte nach eigenen Konstruktionsplänen.

Hatte die Anlage früher die wichtige Verbindungsfunktion von der Bergstation der Kabinenbahn Crans-Chetseron zum Cry d’Er inne, so bedient sie heute nur noch eine äusserst flache Piste. Diese muss man annähernd durchgängig in der Hocke fahren, um überhaupt einigermassen vorwärts zu kommen. Nicht verwunderlich wurde die etwas kürzere Parallelanlage bereits stillgelegt.

Vom Cry d’Er nach La Chaux

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Ebenfalls ersatzlos abgebaut wurde vor zwei Jahren einer der beiden La-Chaux-Stangenschlepplifte. Mit dem Ersatz des Schlepplifts Bella Lui durch eine Sesselbahn mit höherer Förderleistung erschien den Betreibern die Kapazität des Doppellifts nicht mehr nötig. Daher wurde der linke Lift „vorsorglich“ abgebaut. Wirklich einleuchtend ist der Entscheid nicht, da die beiden La Chaux-Lifte mit der Bella Lui überhaupt nichts zu tun haben. Trotz der Stilllegung der Pendelbahn vom Cry d’Er zur Bella Lui hat sich hier pistenmässig im Vergleich zu vorher nichts geändert. Dementsprechend ist es auch wenig verwunderlich, dass sich bereits zu dieser frühen Tageszeit eine kleine Warteschlange an der Talstation des verbliebenen Lifts bildet.

Mit Bartholet-Power zur Bella Lui

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Die Talstation und der Verlauf der angesprochenen Sesselbahn La Chaux-Bella Lui. Nach einem Bühler-Skilift und einem Garaventa-Dreieckslift ist es inzwischen die dritte Anlage auf dieser Linienführung. Und gleichzeitig die erste eigens konstruierte kuppelbare Bartholet-Sesselbahn der Schweiz. Mit ihr wurde auch die Pendelbahn vom Cry d’Er kommend obsolet. Äusserst schade, handelte es sich doch dabei um die letzte originale Bell-Pendelbahn der Schweiz für öffentliche Personentransporte. Dennoch muss man zugeben, dass die Pisten nun wesentlich besser erschlossen sind als zuvor.

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Der Talstationsbereich La Chaux mit dem gleichnamigen Skilift links. Am Gegenhang grüsst Nendaz, darunter liegt das Rhônetal.

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In faszinierender Manier führt die Sesselbahn nah am Abgrund vorbei. Bereits hier werden die landschaftlich sehr reizvollen Züge von Crans-Montana erlebbar. Rechter Hand verläuft die Abfahrt mit gehörigem Sicherheitsabstand.

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Alt und neu auf der Bella Lui. Dazwischen liegen fast 60 Jahre. Links die ehemalige Bergstation der allerersten Einseilkabinenumlaufbahn der Schweiz, die von der Firma Oehler 1951 hier erbaut wurde. Schon 1968 erfolgte der Ersatz durch die bereits angesprochene Pendelbahn von Bell auf etwas versetzter Trasse. Die neue Sesselbahn dient nun sowohl als Ersatz für Pendelbahn, als auch für den Skilift La Chaux-Bella Lui.

Ein erster Blick auf die Plaine Morte

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Von der Bella Lui aus eröffnet sich dem Betrachter ein wundervolles 360°-Panorama. Einerseits bis hinab ins Rhônetal, andererseits aber auch auf den Sektor Plaine Morte mit seiner alles überragenden Funitelanlage. Hier werden die enormen Distanzen deutlich, die man im Skigebiet zurücklegen kann.

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Ein Schild, welches durchaus seine Berechtigung hat. Die Abfahrt führt hier direkt an einem steilen Felsabgrund vorbei, der atemberaubende Tiefblicke ermöglicht und aufzeigt, dass es durchaus noch Platz für Erweiterungen gäbe. Einige Jahre lang stand entlang der Piste hier ein fix geklemmter Poma-Schlepplift, der als Rückbringer vom im Hintergrund sichtbaren Skilift Tzabona Richtung Bella Lui diente. Der Sinn und Zweck dieser nur 100 Meter langen und mehrheitlich flachen Anlage erschliesst sich mir bis heute nicht. Wenig erstaunlich ist es, dass sie auch schon seit Jahren nicht mehr existiert. Zwar kommt man nun vom Skilift Tzabona nicht mehr auf die Vorderseite der Bella Lui zurück. Da der Skilift Tzabona aber ohnehin hauptsächlich als Zubringer Richtung Les Violettes genutzt wird, vermisst den kurzen Rückbringerlift vermutlich niemand so wirklich.

Sulzschnee auf dem Weg zum Schlepplift Tzabona

Schon zu dieser frühen Tageszeit ist es auf den zu grossen Teilen südlich ausgerichteten Hängen sulzig, und das in 2500 Metern Seehöhe. Die warmen Temperaturen machen uns wahrlich Mühe, als wir über den kurzen, aber einigermassen steilen Hang zur Talstation des Skilifts Tzabona abfahren. Aufgrund der prekären Temperaturen wollen wir möglichst schnell zum ersten, sehr tiefgelegenen Tagesziel nach Aminona. Das, um im späteren Tagesverlauf dann zumindest die eine oder andere halbwegs erträgliche Abfahrt weiter oben aufzufinden.

Der Skilift Tzabona gehört nicht gerade zu den Raketen unter den Pomaliften. Dennoch ist aufgrund der geringen Länge bereits nach kurzer Zeit die Bergstation erreicht. Hier oben, am Col de Pochet, geniessen wir erstmals einen der Klassiker im Gebiet von Crans-Montana. Durch ein unberührtes Hochtal geht es zunächst entlang einer Felswand und dann über sanfte Hänge in den Sektor Violettes. Dank der geringen Kapazität des Tzabona-Lifts geniessen wir hier eine nahezu leere Piste, über 100 Meter über uns schweben die Kabinen des Funitels lautlos in Richtung Plaine Morte.

Erneut alle Mühen vergebens?

Ein völlig konträres Bild erwartet uns beim Eintreffen unterhalb der Sesselbahn Barmaz, auf der unsere Piste in eine der Hauptabfahrten des Sektors Violettes mündet. Vorbei ist es mit der Idylle. Scharen von Skifahrern machen sich über eine schmale Piste her. Es ist alles andere als ein Vergnügen, sich hier durch die inzwischen fast kniehohen Sulzbuckel zu kämpfen. Vorsichtig schwingen wir entlang des Pistenrands in Richtung der Sesselbahn Toula den Berg hinab, werden aber dennoch links und rechts von waghalsigen Rennfahrern überholt. An der Talstation angekommen erwartet uns die erste Überraschung. Die Sesselbahn Toula fährt wegen eines technischen Defekts zur Zeit nicht, sodass die scheinbar einzige Verbindung nach Aminona unterbrochen ist. Sollte es denn auch im zweiten Versuch nicht klappen, der alten Dame in Aminona einen Besuch abzustatten?

Wir beschliessen, uns dann doch zunächst einmal in Richtung Gletscher aufzumachen, als mir an der Talstation der Sesselbahn Barmaz plötzlich ein Schild ins Auge sticht. Auf diesem ist eine Abfahrt nach Aminona vermerkt. Ein Blick auf den Pistenplan bestätigt dies, auch wenn die Abfahrt als nicht präparierte Skiroute eingetragen ist. Da sie aber geöffnet zu sein scheint, umfahren wir die Warteschlange an der Sesselbahn und treffen auf einen Ziehweg, der sich bis nach Aminona erstreckt. Was dieser präparierte Weg mit einer Skiroute gemeinsam haben soll, das wissen wohl auch nur die Betreiber des Gebiets!

Verdächtige Überreste auf dem Weg nach Aminona

Einen Vorteil hat die ganze Schieberei aber, als wir nach geraumer Zeit auf ein verdächtiges Gebäude am linken Pistenrand stossen. Ohne zu zögern stapfe ich durch den Tiefschnee um das Gebäude herum. Eine schweisstreibende Angelegenheit bei den vorherrschenden Temperaturen. Und tatsächlich, auf der Vorderseite mache ich Überreste der Sesselbahn Plumachit aus, die hier bis zur Jahrtausendwende während 25 Jahren ihren Dienst verrichtete.

Waren viele ersatzlose Stilllegungen in Crans-Montana durchaus nachvollziehbar, so ist der Wegfall dieser ehemaligen fix geklemmten Poma-Sesselbahn nicht wirklich zu verstehen. Erschloss sie doch eine Vielzahl von verhältnismässig interessanten Abfahrten, zu deren Wiederholung man nun zwangsläufig auf die Kabinenbahn von Aminona angewiesen ist. Auch bei schlechter Schneelage ermöglichte diese Anlage eine Rückkehr in den oberen Teil des Skigebiets, die es nun nicht mehr gibt. Jedoch sieht die Planung vor, dass bei einem etwaigen Ersatz der Kabinenbahn von Aminona auf den Petit Mont Bonvin die neue Anlage via Plumachit geleitet wird und dort eine Mittelstation erhält.

Der Schlepplift Tzabona

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Die Talstation des Schlepplifts Tzabona, die aus den späten 70ern stammt. Ursprünglich wurde dieser Lift aber bereits 1963 als Téléski de la Cabane de Bois im Sektor Violettes gebaut, ehe er beim Ersatz durch eine Sesselbahn 1977 nach Les Faverges nahe der Plaine Morte verlegt wurde. Bereits zwei Jahre später baute man die Anlage wieder ab und stellte sie nach Tzabona, wo sie mit einigen Umbauten bis heute fährt.

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Schon nach wenigen Metern folgt die erste und einzige Kurve dieses relativ kurzen Skilifts.

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Die angesprochene wunderschön zu fahrende Piste unter dem Funitel hindurch. Das schroffe Gelände fasziniert immer wieder aufs Neue.

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Die Talstation der defekten Sesselbahn Toula. Deutlich zu sehen handelt es sich hier um Standardware aus dem Hause Doppelmayr. Im Gegensatz zum Vorgänger, einer 3er Sesselbahn von Poma und einem enorm steilen Schlepplift gleicher Marke, musste man hier eine Menge Erde bewegen, um die Talstation zu befestigen. Die Vorgängersesselbahn hatte hier am Hang eine aufgeständerte Talstation.

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Der durchwegs steile Verlauf der Sesselbahn Toula. 2004 gebaut musste man bereits ein Jahr später eine einseitige Mittelstation einfügen. Der oberste, nicht präparierte Abschnitt erwies sich für die Pendler Richtung Aminona als zu steil. Dies hat allerdings zur Folge, dass die Betreiber am oberen Teil, der nun als Skiroute klassiert ist, kaum mehr Interesse zeigt und die Bahn daher oftmals nur bis zur Mittelstation geöffnet ist.

Malerischer Weg nach Aminona

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Auf dem wenig interessanten Weg nach Aminona, die Aussicht ist dafür aber umso faszinierender. Am Gegenhang ist der östlichste Teil der Quatre Vallées mit Les Collons sichtbar. Rechts daneben ist bei genauem Hinsehen auch ein Teil der Piste de l’Ours erkennbar.

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Die Talstation der Sesselbahn Plumachit, heute nicht mehr als ein heruntergekommener Schuppen. Die Bahn datiert aus einer Zeit, als Crans-Montana bei Poma als einer der wenigen Schweizer Betreiber auch Sesselbahnen einkaufte. Diese Anlage und die Vorgänger der Sesselbahnen Barmaz sowie Toula zählten dazu. An der Talstation Plumachit stand ein weiterer kurzer Skilift als Übungsanlage. Doch auch dieser wurde – man würde es kaum vermuten – ersatzlos stillgelegt.

Die alte Dame – die Kabinenbahn zum Petit Mont Bonvin

Nach ausführlichen Foto- und Filmaufnahmen machen wir uns auf in die Talstation der Kabinenbahn zum Petit Mont Bonvin, dem eigentlichen Ziel des Besuchs. Die alte Dame ist mit Baujahr 1969 inzwischen die älteste Anlage des gesamten Gebiets und eine wahrlich wunderbar erhaltene Bahn des grossen Walliser Seilbahnherstellers Giovanola aus Monthey. Immer mehr der knuffigen Viererkabinen verschwinden aus den Schweizer Skigebieten, sieben werden es ab der kommenden Saison noch sein, wobei nur mehr gerade drei Anlagen im halbwegs originalen Aussehen daherkommen. Insgesamt sechs Giovanola-Kabinenbahnen zierten einst die Landschaft rund um Crans-Montana, wobei diese Anlage die letzte noch existente ist.

Die Bahn in Aminona zählt dabei zu den wahrlich aussergewöhnlichsten ihrer Art, nicht nur aufgrund ihrer Länge von knapp 2,5 Kilometern und einer Höhendifferenz von knapp 900 Metern. Sondern auch wegen der atemberaubenden Landschaft, die sie durchkämmt. Anfänglich steil und mit extrem niedrigen Stützen ausgestattet schliesst sich im Mittelteil eine gewohnt hohe Trassierung mit ruhiger Seilfühung an, ehe kurz vor Schluss eine Felsstufe überwunden wird und die Bergstation am Ende eines Hochplateaus in Sicht kommt. Gepaart mit der Aussicht ins Rhônetal und auf die Walliser 4000er ist Aminona einer der letzten Orte, an dem man eine derartige Bahnfahrt noch erleben kann.

Nostalgieerlebnis schon in der Talstation

War die Bahn bis 2005 sogar noch so original, dass es nicht einmal eine automatische Türöffnung gab, so änderte sich dies im besagten Jahr. Damals erhielt die Bahn einige neue Kabinen von der ehemaligen Anlage Sunnegga-Blauherd aus Zermatt. Eine automatische Türöffnung wurde eingebaut, die zweite grosse Neuerung nach dem Einbau einer automatischen Beförderungseinrichtung in den Stationen.

Rund 20 Minuten müssen wir in der Talstation anstehen, bis wir endlich an der Reihe sind. Kurioserweise befindet sich der Warteraum mitten in einem Restaurant und führt gegen Ende direkt an dessen Bar vorbei, sodass dem einten oder anderen Fahrgast bei diesen Temperaturen sicher der Gedanke kommt, für eine kurze Abkühlung einen Zwischenstopp einzulegen. In der Station wird dann auch ersichtlich, warum die Wartezeit so gross ist. Die Bahn bedient auch eine Schlittelpiste. Da es keine Möglichkeit gibt, die Schlitten an der Kabinenaussenseite zu befestigen, fährt ungefähr jede dritte Kabine vollbeladen mit Schlitten nach oben. Hinzu kommt, dass der Liftwart in der Talstation keine grosse Lust verspürt, die wenigen noch erhaltenen Kabinen mit manueller Türverriegelung zu öffnen. Diese dienen daher nur als Fotosujet.

Einmaliges Fahrterlebnis zum Petit Mont Bonvin

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Der erste, steile Abschnitt der Kabinenbahn Aminona-Petit Mont Bonvin, hier ausschliesslich mit Zermatter Kabinen, die an den roten Nummern erkennbar sind.

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Eine der originalen Kabinen in der Talstation. Deutlich zu sehen ist der Griff an der Aussenseite zum Öffnen der Tür. Untypischerweise besitzt die Kabinenbahn den Antrieb im Tal, während sich die Abspannung in der Bergstation befindet. Ebenfalls Giovanola-untypisch ist die doppelt gelegte Seilschlaufe um die Antriebsscheibe.

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Im Mittelteil stockt mir der Atem aufgrund dieser genialen Trassierung! Sogar einen der bei Giovanola seltenen Niederhalter auf der Strecke findet man an der Bahn.

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Wie so oft ist die Strecke aber auch geprägt von imposanten Spannfeldern hoch über dem Boden.

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Die Bergstation mit ihrem ausgedehnten Stationsumlauf und der Gewichtsabspannung.

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Gibt es eine bessere Kombination aus Vorder- und Hintergrund? Diese Bahn zählt spätestens seit dem Besuch zu meinen absoluten Favoriten.

Poma-Schlepplifte am Petit Mont Bonvin

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Der einzige von insgesamt sechs fix geklemmten Poma-Skiliften im Gebiet, der nicht ersatzlos stillgelegt wurde, ist dieses kurze Exemplar an der Bergstation der Kabinenbahn auf den Petit Mont Bonvin. Die Begeisterung für diese Skiliftart hält sich allerdings bei den Gästen auch hier sichtbar in Grenzen.

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Ein zweiter, etwas längerer und kuppelbarer Übungslift von Poma findet schon etwas mehr Resonanz. Untypischerweise besitzt er den Antrieb in der Bergstation, woraus eine fliegende Seilscheibe im Tal resultiert. Nur fünf Mal gibt es diese Kombination heute noch in der Schweiz, abgesehen von dieser Anlage in Saint-Luc, zwei Mal in Vercorin und am Rochers de Naye. Dahinter die bereits zu Genüge bebilderte Kabinenbahn Petit Mont Bonvin. Sowie die Sesselbahn La Tsa, die Hauptbeschäftigungsanlage im Sektor Aminona. Schwach zu erkennen ist im linken Bilddteil auch eine Stütze des Funitels.

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Die besagte Talstationskonstruktion des Schlepplifts Petit Mont Bonvin. Ein baugleicher Lift aus der Gründerzeit dieses Sektors wurde … natürlich ersatzlos stillgelegt ;) .

Die Sesselbahn La Tsa

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Unterwegs in der Sesselbahn La Tsa, die man nach einer flachen, aber sehr breiten und natürlich trassierten Piste antrifft. Die Anlage ist ideal für Anfänger, gemeinsam mit den beiden Skiliften am Petit Mont Bonvin bildet sie allem Anschein nach den familiären Sektor des Gebiets. Mit der Schneeräumung hat man es hier gut gemeint.

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Abgesehen von einer Felsstufe in der Mitte der Strecke verläuft die Sesselbahn durchgängig genauso flach wie die zugehörige Piste. Diese ist trotz der sehr weichen Verhältnisse immer noch angenehm zu fahren. Die Vorgänger, zwei parallele Poma-Stangenschlepper, umfuhren die Felsstufe links mittels einer Kurve.

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Die schlichte Bergstation der Sesselbahn La Tsa mit zwei gut eingepackten Stützen gegen die ungleichmässige Sonneneinstrahlung. Weitaus interessanter ist aber die futuristische Architektur des Betriebshäuschens, die in meinen Augen äusserst gelungen ist. Wenngleich mich aber interessieren würde, was sich im Obergeschoss dieses Gebäudes versteckt?

Aufbruch in Richtung Plaine Morte

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Auf dem Weg zurück Richtung Les Violettes, etwa auf Höhe der immer noch stillstehenden Sesselbahn Toula. Hier werden einmal mehr die gewaltigen Dimensionen dieses Gebietsteils deutlich. Zuoberst das Funitel, eine Etage darunter die Abfahrt vom Col de Pochet Richtung La Barmaz und unterhalb der zweiten Felsstufe hier nicht sichtbar die eigentliche Abfahrt von der Plaine Morte entlang des Funitels, die ebenfalls zur Sesselbahn Barmaz führt. Selbige ist im linken Bilddteil erkennbar und muss zwingend gefahren werden, wenn man zur Talstation des Funitels zurückkehren möchte.

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Die im unteren Teil enorm steile Sesselbahn Barmaz, fix geklemmt, aber dennoch eine Hochleistungsanlage mit 2400 Personen Förderleistung pro Stunde. Beim Vorgänger, einer Zweiersesselbahn von Poma waren Wartezeiten hier keine Seltenheit, als Ausweichmöglichkeit war und ist von hier aber auch die Sesselbahn Cabane de Bois erreichbar.

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Das lange Spannfeld des Funitels zwischen den Stützen zwei und drei, darüber die Bergebahn.

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Nach einer endlosen Fahrzeit kommt die Bergstation der Sesselbahn Barmaz in Sicht. Die fix geklemmte Vierersesselbahn erweist sich hier einmal mehr als zeitraubender Seilbahntyp.

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Blick hinauf zur ersten Stütze des Funitels, die genau wie alle anderen von der Vorgängerbahn, einer Von Roll-Pendelbahn, übernommen wurden.

Lawinen machen uns einen Strich durch die Rechnung

Angekommen auf Les Violettes machen wir uns am Ende der Piste auf in das massive Gebäude der Funiteltalstation, um mit selbigem die Bergfahrt zur Plaine Morte anzutreten. Wir wollen gerade in die Kabine einsteigen, als wir vom Bahnpersonal zurückgehalten werden. „Danger d’avalanches“ heisst es, die Abfahrt werde um 12 Uhr aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Während ein weiterer Liftwart ein entsprechendes Hinweisschild aufbaut, erfahren wir, dass das Funitel für etwa eine Stunde gesperrt sein würde. Dann aber wieder auch für Skifahrer öffnen würde, denn die beiden Skilifte an der Bergstation seien weiterhin in Betrieb. Lediglich die Abfahrt nach La Barmaz werde gesperrt und für die Einrichtung dieser Absperrung würde es eine Stunde brauchen. Etwas enttäuscht verlassen wir die Talstation wieder und beratschlagen, wie es nun weitergehen soll. Schliesslich entscheiden wir uns für eine Abfahrt zur Sesselbahn Cabane de Bois, ehe wir zu einer Stärkung im Restaurant Cabane des Violettes einkehren.

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Die erste Sektion im Bereich Violettes, die Städeli-Kabinenbahn Zaumiau-Marolires-Violettes, eine 6er Kabinenbahn und gleichzeitig die erste Anlage von Städeli im Heimatland, bei der die eigens entwickelte Klemme in doppelter Ausführung zum Einsatz kam. Sie ersetze zwei Sektionen Kabinenbahn von Giovanola aus den 60ern, die 1975 von Habegger modernisiert wurden.

Sonnenbad auf der Sesselbahn Cabane de Bois

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Unterwegs in der Sesselbahn Cabane de Bois, ein Garaventa-Urgestein aus einer Zeit, als man die Sessel in Österreich einkaufte und den Rest der Bahnen selbst konstruierte. Neben dem Brienzer Rothorn ist dies die letzte originale Anlage ihrer Art in der Schweiz. Ursprünglich gab es allein in Crans-Montana drei Bahnen dieses Typs.

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Die Sesselbahn Cabane de Bois mit einer der vielen, aber stets eintönigen Pistenvarianten in diesem Bereich. Der Vorgänger, ein Poma-Skilift, umfuhr die sichtbare Steilstufe mittels mehrerer Kurven und verlief schliesslich parallel zur Sesselbahn Barmaz. Beim Bau der Sesselbahn 1977 erfolgte die Versetzung nach Les Faverges, ehe der Lift 1979 als Tzabona wieder aufgebaut wurde. Etwa am Fotostandpunkt kreuzte einst eine weitere Poma-Anlage die Sesselbahn, welche – ebenfalls als Kurvenlift ausgeführt – quer zum Hang von Pépinet kommend, die sichtbare Piste erschloss. 1965 als Übungsanlage gebaut erfolgte 1976 eine Verlängerung und heute ist der Lift, wie sollte es auch anders sein, ersatzlos stillgelegt …

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Sesselbahn Cabane de Bois, links die Cabane des Violettes im Hintergrund wieder einmal der atemberaubende Tiefblick ins Rhônetal. 2013 soll diese Anlage durch eine kuppelbare Vierersesselbahn ersetzt werden.

Schweisstreibende Abfahrt nach Zaumiau

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Alles will gefahren sein, erst recht eine so schöne Städeli-Kabinenbahn wie die Anlage von Zaumiau via Marolires nach Violettes. Doch die Fahrt will erarbeitet sein. Mühsam ist der Weg durch den tiefen Sulzschnee. Unter der Bahn erkennt das geübte Auge die – richtig – ersatzlos stillgelegte Sesselbahn Pépinet-Prabé, im Volksmund auch Colorado genannt. Die zweite von drei alten Garaventa-Zweiersesselbahnen im Gebiet.

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Nach einer kurzen ersten Sektion durchfährt unsere Kabine die Mittelstation Marolires, eine reine Winkelstation, in der keine Sektionentrennung vorliegt. Nahe dieser Station existierte einige Jahre lang ein fix geklemmter Stangenschlepplift, der … ich spare es mir ;) . Im zweiten, deutlich längeren Abschnitt der Bahn wird ein wenig deutlich, warum dieser Bereich auch Colorado genannt wird. Mehrere Dutzend meterhohe Felsbrocken liegen hier verstreut in der Landschaft herum.

Beeindruckende Funitel-Fahrt zur Plaine Morte

In der Bergstation Les Violettes steigen wir nach kurzem Fussmarsch um in das inzwischen völlig leere Funitel. Ein Mitarbeiter erinnert uns nochmals daran, dass nur die Skilifte geöffnet seien und wir zwangsläufig mit der Bahn wieder ins Tal fahren müssen. Sanft fahren die Reifenförderer auf Seilgeschwindigkeit hoch. Eine Besonderheit der Funitelanlagen, weisen die Reifen doch keine Übersetzung auf, sondern werden ähnlich wie ein Gummibandbeschleuniger kontinuierlich auf Seilgeschwindigkeit beschleunigt. Nach dem Passieren einer Kabine verzögern sie wieder auf Stationsgeschwindigkeit, um die nächste Kabine in Empfang zu nehmen. Entsprechend umgekehrt verhält es sich bei der Einfahrt. Hier warten die Reifen stets mit Seilgeschwindigkeit auf die nächste einfahrende Kabine, was nicht zuletzt einen gehörigen Beitrag zu den exorbitanten Betriebskosten dieses Seilbahntyps leistet.

Die am Vortag gefahrene, baugleiche Anlage in Verbier ist zwar durchwegs spektakulär. Doch die Télécabine de la Plaine Morte ist nochmals ein ganz anderes Kaliber. Die über einen Kilometer langen Spannfelder, der enorme Bodenabstand, die spektakuläre Landschaft, all das macht die Bahn zu einer Seilbahn, die ihresgleichen sucht. So ist es (zumindest für mich ;) ) auch zu verschmerzen, dass die Abfahrt nicht geöffnet ist und wir zusätzlich in den Genuss einer Talfahrt kommen.

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Stütze zwei des Funitels vor dem längsten Spannfeld.

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Mitten in selbigem mit den Stützen drei und vier, an denen die Anlage den grössten Gefällsbruch erfährt.

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Hier ist jedoch noch lange nicht Schluss, denn auf Stütze vier folgt das zweite Spannfeld von über einem Kilometer Länge. Erstmals ist von hier aus die Bergstation sichtbar.

Pulvergenuss auf dem Plaine-Morte-Gletscher

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Auf der Rückseite der Pointe de la Plaine Morte bedient ein leider viel zu kurzer Von Roll-Skilift zwei wunderbar zu fahrende Pisten am Fusse des Glacier de la Plaine Morte. Hier befinden wir uns bereits auf Berner Boden. Die Kantonsgrenze verläuft über den oben sichtbaren Grat. Auf den Nordhängen mit ihrem Pulverschnee halten wir uns eine ganze Weile auf, auch wenn die Abwechslung ein wenig zu wünschen übrig lässt. Auch hier hat der Gletscherrückgang seine Opfer gefordert. Gab es doch bis vor kurzem noch einen zweiten, etwas längeren und interessanteren Skilift am Tothorn, der aber stillgelegt werden musste. Hierbei handelte es sich um einen Von Roll-Skilift, der ein Poma-Exemplar ersetzte. Auch am Skilift Pointe de la Plaine Morte steht nur noch die Talstation auf Gletschereis.

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Auf der Südseite der Plaine Morte bedient der Skilift Lac ebenfalls eine eigene Piste, die aufgrund der Hangausrichtung aber längst nicht so schön zu fahren ist wie die pulvrigen Nordhänge. Zeitweise führten hier zwei parallele Anlagen hinauf. Den älteren der beiden, einen Poma-Skilift mit Antrieb am Berg, legte man aber still, sodass heute nur mehr dieses Von Roll-Exemplar seinen Dienst verrichtet.

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Talfahrt mit dem Funitel, im Hintergrund grüsst das Matterhorn.

Frühzeitige Rückkehr nach Crans-Montana

Allzu grosse Erwartungen haben wir an den restlichen Skitag nicht mehr, denn der einzige noch fehlende Sektor, der Bereich rund um den Cry d’Er, liegt bereits den gesamten Tag in der Sonne und dementsprechend dürften die Schneeverhältnisse alles andere als ideal sein. Dennoch machen wir uns einmal mehr entlang der Kabinenbahn Les Violettes auf zu deren Mittelstation, an welcher seit 2008 die Sesselbahn Marolires-Pépinet-Cry d’Er beginnt. Hierbei handelt es sich um eine kuppelbare 6er Sesselbahn der Firma Leitner, die eine Bahn von Garaventa auf neuer und nach unten verlängerter Trasse ersetzt.

Schon lange war dieser Ersatz geplant und aufgrund der Wartezeiten an der Vorgängeranlage auch überfällig. Ist sie doch die einzige Anlage, die eine Rückkehr nach Crans und Montana ermöglicht. Spätestens nach der ersatzlosen Stilllegung des parallelen Skilifts National war die alte Sesselbahn Pépinet hoffnungslos mit dem Besucherandrang überfordert. Dank der Verlegung der Talstation nach Marolires wurde gleichzeitig die zweite Teilstrecke der Kabinenbahn Violettes ein wenig entlastet.

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Die einseitige Mittelstation der Sesselbahn Marolires-Pépinet-Cry d’Er, etwa auf der gleichen Höhe wie die Talstation des Vorgängers. Interessanterweise muss man hier bei der Durchfahrt in jedem Fall den Schliessbügel öffnen. Das habe ich so auch noch nicht gesehen.

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Die Piste Nationale mit Blick ins Rhônetal und bis ins Oberwallis. Nur wenige Tage zuvor fuhr Didier Cuche auf dieser Piste seinen letzten Weltcupsieg ein. Auf dem Weg zur Talstation Marolires werden wir von einer ganzen Horde kleiner Didier Cuches überholt.

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Die Mittelstation der Kabinenbahn Zaumiau-Marolires-Violettes, darüber die Sesselbahn Marolires-Pépinet-Cry d’Er.

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Im obersten Streckenteil, der sich noch in der Sonne befindet, während der Rest bereits im Schatten des Mont Lachaux liegt. Die Laufruhe ist verglichen mit anderen Anlagen ähnlichen Baujahrs von Leitner gar nicht mal so schlecht.

Der Seilbahnverhau am Cry d’Er

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Auf der Südseite des Cry d’Er angekommen, hier wird das Landschaftsbild vor allem durch die roten Kabinen der Bahn von Montana aus geprägt, aber auch die Sesselbahn Pas du Loup-Cry d’Er im Hintergrund ist stets präsent. Bei beiden Anlagen handelt es sich um Poma-Konstruktionen.

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Diese kleine Stütze gefällt mir sehr, gepaart mit den stilvollen Poma „Back-to-Back-Kabinen“ ist die Bahn ein wahres Prachtsexemplar mit dem Charme der französischen Alpen. Bei der anschliessenden Bergfahrt erweisen sich die Kabinen jedoch bei diesen Temperaturen aufgrund fehlender Fenster zum Öffnen als Fehlkonstruktion.

Kuriose Historie in Montana

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Im unteren, flachen Teil dieser Anlage, in welchem sie den Skilift Verdets kreuzt. Dieser wurde vor einigen Jahren umgebaut und besitzt seither im oberen Streckenabschnitt eine Kurve. Parallel zu ihm verlief einst die erste Sektion von drei Müller-Skiliften, die eine Achse bis zum Gipfel des Cry d’Er bildeten. Sinnigerweise gab es zwar eine Verbindung zwischen der Sektion Verdets und Corbyre, zwischen Corbyre und Pas du Loup jedoch nicht, sodass man zwangsläufig den altehrwürdigen Skilift Arnouvaz in Anspruch nehmen musste, um zum Gipfel zu gelangen.

Dieser Brändle-Skilift ersetzte einen Gurtenlift der Firma Oehler auf gänzlich neuer Trasse. Kein Wunder, wies die erste Anlage aus den 30ern doch insgesamt 15 Kurven auf! Als Zubringer diente einst ein Funischlitten, der 1942 durch einen Skilift von Sameli-Huber ersetzt wurde, welcher wiederum 1959 einer Kabinenbahn von Giovanola weichen musste. Zeitweise gab es im Bereich Verdets noch drei weitere kurze Übungslifte. Der Leser ahnt vielleicht bereits, auf was ich hinaus will. Alle angesprochenen Bahnen und Lifte wurden ersatzlos stillgelegt :D .

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Die Mittelstation Signal der Kabinenbahn Montana-Cry d’Er. Die Vorgängeranlage, eine 4er Kabinenbahn von Giovanola, besass keine solche und überspannte diesen Bereich in luftiger Höhe. Mit dem Einbau dieser Mittelstation wurde die bis auf das Plateau führende, nahezu parallel trassierte bereits angesprochene 2er Kabinenbahn von 1959 obsolet und daher abgebaut.

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Kompromisslos hat man hier die Talstation hingedonnert. Auf der hier kreuzenden Talabfahrt ist es übrigens von Vorteil, den Kopf einzuziehen. Ansonsten dürfte es hier ein wenig lauter „Bing!“ machen als bei den Stangenschleppern in Saint-Luc …

Letzte Fahrt des Tages an der Sesselbahn Pas du Loup

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Für die letzte Fahrt des Tages wählen wir die Sesselbahn Pas du Loup, die in erster Linie den links im Bild sichtbaren Funpark bedient. Sie ersetzte einen bereits erwähnten Skilift von Müller sowie die dritte der drei Garaventa Zweiersesselbahnen, die später in Bergün wieder aufgestellt wurde. Rechts erbaute man gleichzeitig einen Poma-Skilift zum Mont Lachaux, der allerdings schon nach wenigen Jahren wieder ersatzlos entfernt wurde. Wem das noch nicht genug Anlagen rund um den Cry d’Er waren, dem sei dieser Link aus den Hochzeiten des Liftverhaus rund um Crans-Montana empfohlen.

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Heute sieht es dagegen eigentlich auch nicht wirklich besser aus ;) .

Wir wählen vom Cry d’Er nach einer Querfeldeinfahrt die Piste Richtung Chetseron, um entlang der gleichnamigen, ehemaligen Kabinenbahn nach Crans abzufahren. Die Piste ist bereits stark aufgeweicht, sodass die Fahrt kein Vergnügen ist. In Crans werden wir an der Talstation von Menschenmassen und lauter Après-Ski-Musik empfangen, das Publikum sieht allerdings nicht wirklich danach aus, als habe es sich heute beim Skifahren verausgabt. Getreu dem Motto „Ein Skitag ist erst dann ausgenutzt, wenn man zum Après-Ski zu müde ist“ machen wir uns aus dem Staub und auf zur nächsten Station des Tages.

Ein Abstecher zum Golfplatz von Crans-Montana

Nicht nur im eigentlichen Skigebiet von Crans-Montana wurden eine Vielzahl von Anlagen ersetzt oder stillgelegt, sondern auch im Ort selbst ist vieles nicht mehr so, wie es einmal war. Die letzten Dorflifte fotografierte ich 2006 rund um den Golfplatz, darunter das vorletzte Exemplar eines originalen Giovanola-Stangenschlepplifts. Zwischenzeitlich gab es immer wieder Nachrichten, die von einem Abbau der Skilifte erzählten, an anderer Stelle war lediglich von einer Betriebseinstellung Ende der Saison 2008/2009 die Rede. Aufschluss gaben leider auch keine Berichte in den einschlägigen Foren, sodass die Spannung merklich ansteigt, als wir uns in Richtung Golfplatz aufmachen. Schon von weitem ist ein Skilift auszumachen, doch es ist nicht mehr der Giovanola-Skilift.

Es ist eine Poma-Anlage der neuesten Ausführung, sie verläuft bis zur Kurve des ehemaligen Skilifts „Golf 2“, ebenfalls von Poma, gerade einmal rund 90 Meter lang. Nichts ist das mehr im Vergleich zu den einstigen drei Skiliften, die hier mehr schlecht als recht einige Pisten erschlossen. Ein langer Giovanola-Skilift aus den 50ern, gedoppelt durch ein Pendant von Poma mit Kurve und einen Téléski à enroulleurs von Küpfer, all das gehört der Vergangenheit an – genau wie inzwischen alle anderen der insgesamt mindestens 15 Dorflifte, die hier einmal existierten, an die heute aber so gut wie nichts mehr erinnert.

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Die Talstation des kuppelbaren Poma-Skilifts Golf, dahinter der Chetseron samt Abfahrt.

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Ein Blick auf die Strecke, dahinter die Bergstation, nur einen Steinwurf entfernt von der Umlenkung im Tal. Man bleibt seiner Linie treu in Crans-Montana und erstellt auch im Jahr 2009 noch vollkommen schwachsinnige Skilifte :lol: .

Planungen für den nächsten Tag

Nach den Erkundungen erreichen wir innert weniger Minuten wieder unser Domizil in Lens. Dort erreicht mich eine neue Nachricht von Dani mit dem Betreff „Re: Wallis“. Schon seit längerem planen wir einen gemeinsamen Ausflug in das Skigebiet von Vercorin. Solange die dortige Giovanola-Kabinenbahn noch ihre Runden dreht. Wir verabreden einen Treffpunkt für den nächsten Morgen am Bahnhof in Sierre. Von dort aus soll es hinauf in das Skigebiet am Eingang des Val d’Anniviers gehen.

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