Mobiles Internet & WLAN auf Reisen

Mit meiner Solaranlage habe ich die Möglichkeit, unabhängig von stationären Anschlüssen überall Strom zu erzeugen. Das gibt mir die Freiheit, mich weitgehend auf günstigen, einfachen Stellplätzen aufhalten zu können, ohne Campingplätze nutzen zu müssen. Aber eine Sache bieten diese Stellplätze nicht – schnelles Internet. Genau das ist aber für mich auch auf Reisen inzwischen unverzichtbar. Fotos hochladen, Videos bereitstellen, den Blog aktualisieren, E-Mails empfangen und beantworten. All das möchte ich möglichst auch von unterwegs tun können. Schnelles, mobiles Internet ist zwar immer noch in vielen Regionen ein Fremdwort oder ein teures Vergnügen. Aber es gibt inzwischen Wege und Möglichkeiten, auch im Camper oder im Wohnmobil überall WLAN nutzen zu können.

WLAN auf Campingplätzen

WLAN auf Campingplätzen ist auch im Jahr 2018 immer noch ein Krampf schwieriges Unterfangen. Wenn es überhaupt Zugang gibt, dann meistens nur auf einem Teil des Campingareals oder nur an der Rezeption und dann ist die Verbindung meistens langsam, weil sie völlig überlastet ist. Zeit- bzw. volumenmäßige Einschränkungen sind an der Tagesordnung und teuer ist die Geschichte außerdem noch. In Neuseeland kosteten 2016 beispielsweise 250 MB Volumen (ja, Megabyte!) teilweise zwischen fünf und zehn Dollar – das reichte gerade für ein paar verkleinerte Fotos und einen Blogeintrag. Einzig in Norwegen habe ich bislang halbwegs brauchbare Verbindungen auf Campingplätzen erlebt.

Als Landschaftsfotograf habe ich zudem das Problem, dass ich meistens um die Mittagszeit WLAN benötige, weil ich dann die Arbeit am Rechner erledige. Zu diesem Zeitpunkt bin ich aber in der Regel nicht in der Nähe eines Campingplatzes, sondern irgendwo unterwegs. Morgens und abends, wenn das Licht interessant ist, bin ich am Fotografieren, sodass maximal die Nacht bleibt, in der ich das WLAN nutzen könnte – nur muss ich ja irgendwann auch mal schlafen.

Bleiben Cafés und öffentliche Bibliotheken, aber auch diese muss man gezielt anfahren, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht.

Die Alternative: WLAN mit mobilem Internet und LTE-Router

Glücklicherweise hat sich mit der Internetnutzung über mobile Netzwerke in den letzten Jahren aber eine viel bessere Möglichkeit etabliert. Anfänglich hat es für wenig multimedialastige Internetseiten und E-Mails gereicht, mit dem 4G-Standard (LTE) kann man das mobile Internet aber erstmalig wirklich für alle Arten von Medien sowohl für Down- als auch Upload nutzen.

Problem ist nur, dass die Tarife ähnlich wie bei den ersten DSL-Angeboten volumenbeschränkt und immer noch verhältnismäßig teuer sind. Zudem ist die Abdeckung mit 4G-Netzen auch in Europa noch nicht wirklich optimal. Die Antennen in den Smartphones sind oftmals nicht gut genug, um auch bei kritischer Netzabdeckung noch eine gute Verbindung bereitzustellen. Auch die Bereitstellung eines WLAN-Hotspots per Smartphone lassen viele Anbieter nicht zu. Das sind aber Probleme, die sich relativ leicht beheben oder umgehen lassen. Die Lösung heißt mobiler WLAN-Router.

Diese portablen Router greifen prinzipiell genau wie ein Smartphone über eine SIM-Karte auf die entsprechenden Netze zu, stellen eine Datenverbindung bereit und ermöglichen den Aufbau eines eigenen WLAN-Hotspots. Der Vorteil: In diese Router können auch die im Vergleich deutlich günstigeren reinen Daten-SIM-Karten eingelegt werden, während man das Smartphone weiterhin zum Telefonieren nutzen kann. Zudem besitzen die LTE-Router Schnittstellen für eine externe Antenne, die den Empfang speziell in den Randregionen des schnellen LTE-Netzes deutlich verbessern kann.

Beispiel-Ausstattung LTE-Router und externe Antenne

Für meine Zwecke habe ich mich für einen kleinen, leichten und portablen LTE-Router von Huawei* entschieden. Der Router kann sowohl 3G- als auch 4G-Netze nutzen und besitzt einen integrierten Akku. Ist dieser voll aufgeladen, kann der Router bis zu zehn Stunden ohne Stromquelle ein WLAN-Netz aufbauen. Dadurch kann ich ihn z. B. auch auf Wandertouren mitnehmen. In den Kartenschacht lässt sich jede handelsübliche Micro-SIM-Karte einsetzen und im jeweiligen Netz nutzen. Geliefert wird der Router mit einem extrem kurzen Ladekabel (Micro-USB auf USB-A), gegebenenfalls ist hier noch ein Verlängerungskabel* sinnvoll.

LTE-Router für WLAN unterwegs

Eine externe Antenne lässt sich ebenfalls anschließen. Die Buchsen hierfür befinden sich wie die Ladeschnittstelle (Micro-USB) auf der Unterseite des Geräts. Die Anschlüsse sind vom Typ TS9, für die meisten Antennen ist daher ein Adapterkabel auf einen SMA-Stecker* erforderlich. Als Antenne habe ich mich für eine Dualbandantenne von Sirio* entschieden, die verschiedene Frequenzbereiche abdeckt und so die Empfangschancen in unterschiedlichen Netzen weiter steigert. Die Antenne kann prinzipiell dauerhaft befestigt werden und ist auch für den Außeneinsatz geeignet, ich habe sie allerdings flexibel auf einem Brett montiert. Das kann ich bei Gebrauch aufs Autodach stellen und in jede beliebige Richtung ausrichten.

Mobiles Internet WLAN Camping Antenne

Die Konfiguration des Routers ist selbsterklärend. Nach dem Anschalten über den Power-Knopf kann man mit dem Menu-Knopf und dem Power-Knopf durch das einfach gestaltete Menu navigieren. Hier können die initialen Verbindungsdaten eingesehen werden (SSID und Passwort). Auch ohne eingelegte SIM-Karte kann ein WLAN-Netzwerk aufgebaut werden, um auf die interne Konfiguration des Routers per Rechner oder Smartphone zugreifen zu können. Auf dem jeweiligen Endgerät können dann der Admin-Bereich aufgerufen und die Einstellungen angepasst werden. Alternativ ist auch ein Zugriff über die Huawei-eigene App „HiLink“ möglich. Über diese kann auch das verbrauchte Datenvolumen exakt eingesehen werden.

Prepaid-Karten als relativ günstiger Internetzugang

Um die Kosten möglichst gering zu halten, bieten sich Prepaid-Karten mit entsprechendem Datenvolumen an. Auch wenn Roaming-Gebühren in der EU der Vergangenheit angehören, begrenzen die meisten Anbieter das Datenvolumen im Ausland. Wer außerhalb seines Heimatlandes unterwegs ist, surft daher mit Prepaid-Karten aus dem jeweiligen Land erheblich günstiger.

Die Preise pro Gigabyte variieren je nach Land und Anbieter erheblich. In Deutschland, Österreich und der Schweiz bewegen sich die Angebote im Bereich zwischen fünf und acht Euro pro Gigabyte Daten. In Frankreich gibt es von dem Anbieter Free ein vergleichsweise günstiges Angebot, welches für Telefonie und SMS inklusive SIM-Karte 29,90 € kostet und 100 GB Datenvolumen im LTE-Netz für 30 Tage ab dem Kaufdatum bereitstellt. Die Karten können im ganzen Land an entsprechenden Automaten erworben werden.

Auch die Netzabdeckung mit LTE fällt je Anbieter oftmals sehr unterschiedlich aus. Es empfiehlt sich daher, vor der Reise genau hinzusehen, welche Netze mit der jeweiligen Prepaid-Karte genutzt werden können und in welchen Regionen diese Netze verfügbar sind.

Zukunft Mobiles Internet?

Wahrscheinlich wird es noch einige Jahre dauern, bis über man wirklich von überall unterwegs zu günstigen Konditionen das (mobile) Internet nutzen kann. Früher oder später wird es wahrscheinlich auch hier flächendeckend günstige Flatrate-Tarife geben und das mobile Internet wird dem klassischen DSL übers Festnetz den Rang ablaufen. Bis dahin muss man sich noch etwas in Geduld üben. Auf jeden Fall bin ich mit meinen Geräten aber nun gut für die Zukunft gerüstet und werde das Angebot hoffentlich von Jahr zu Jahr besser nutzen können.

Felix ist Fotograf und Autor, spezialisiert auf Landschafts- und Reisefotografie und zu Hause im Saarland und der ganzen Welt. Wenn er nicht gerade in der Natur oder den Bergen unterwegs ist, schreibt er hier über seine Reisen, die Fotografie oder über sein liebstes Fortbewegungsmittel, die Seilbahn.

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