Landschaftsfotografie mit einer Kompaktkamera

Soll ich heute wirklich wieder den kompletten Rucksack mitsamt der DSLR mitnehmen? Oder soll ich einfach nur mit der Kompakten losziehen? Eine Frage, die ich mir immer häufiger stelle. Im Nachhinein beim Betrachten der Fotos bin ich letztlich doch immer froh, wenn ich die Spiegelreflexausrüstung dabei hatte. Allerdings erlebt man die Natur ganz anders, wenn man mit weniger Ballast unterwegs ist. Und wirklich unzufrieden war ich eigentlich bislang auch nie wirklich, wenn ich nur eine 1“-Kompaktkamera in der Hosentasche hatte. Diese Kameras sind mittlerweile so gut, dass ich mir häufig die Frage stelle, warum ich mir die Schlepperei der großen Ausrüstung eigentlich immer noch antue.

Sonnenuntergang in Davos
Sonnenuntergang in Davos (RX100, 37.1mm, f/7.1, 1/320s, ISO 125).

Die Kompaktkamera beim Skifahren

Ursprünglich hatte ich mir 2012 die damals erste Version der RX100* für das Fotografieren beim Skifahren angeschafft. Ich war es leid, immer mit einem Rucksack unterwegs zu sein. Die RX100 bot mir die gleiche Bildqualität wie meine damalige Canon 500D, passte aber in die Skijacke. Damit konnte ich zudem viel effizienter fotografieren. Reißverschluss auf, Kamera an, Foto und wieder zurück. Alles einhändig möglich, ein unschätzbarer Vorteil, wenn man in der anderen Hand die Skistöcke hat. Das geht nicht einmal mit dem Smartphone (zumindest bin ich zu blöd dafür, die Dinger einhändig zu bedienen). Einziger Nachteil: der Brennweitenbereich war mit umgerechnet 28-100mm doch eine deutliche Einschränkung zu den Wechselobjektiven auf meiner DSLR. Aber je öfter ich mit der Kamera unterwegs war, desto mehr merkte ich, dass der Bereich für 95% der Fotos völlig ausreichend war. Und für alles andere hätte ich ja nach wie vor meine Canon-Ausrüstung verwenden können.

Skilift Windegga auf der Lenzerheide
Skilift Windegga im Skigebiet Lenzerheide (RX100, 10.4mm, f/11, 1/320s, ISO 125).

Die Kompaktkamera für Landschaftsfotos

Was ich aber immer seltener gemacht habe. Auch auf Wanderungen im Sommer hatte ich fortan immer häufiger nur die RX100 dabei. Sie bietet alles, was eine Kamera für die Landschaftsfotografie mitbringen sollte: die Möglichkeit zur RAW-Aufzeichnung, leicht abgeblendet eine gute Randschärfe, einen guten Brennweitenbereich, volle manuelle Kontrolle über Belichtung und Fokus. Mit der großen Offenblende am kurzen Ende des Brennweitenbereichs ist es sogar möglich, die Milchstraße mit der Kamera zu fotografieren. Einzig einen Sucher vermisse ich beim Fotografieren mit der RX100. Aber den gibt es seit der dritten Version ja mittlerweile auch. Auch die JPGs aus der Kamera sind in der Regel direkt vorzeig- und verwendbar.

Trotzdem gibt es einige gute Gründe, warum ich – wenn ich gezielt zum Fotografieren aufbreche – doch auf meine Vollformat-Ausrüstung zurückgreife. Zum einen ist die technische Bildqualität einfach besser. Alles andere wäre aber auch überraschend, denn der Sensor besitzt mehr als die vierfache Fläche. Außerdem kann ich mit Wechselobjektiven vom Ultraweitwinkel für die Milchstraße bis zum Supertele auf Safari einen viel größeren Bereich abdecken. Die Ergonomie und Bedienung ist durch die dedizierten Knöpfe weitaus besser. Ich kann die Kamera auch bei widrigen Wetterverhältnissen ohne Bauchschmerzen nutzen. Das Freistellen von Bildinhalten ist deutlich einfacher.

Walensee im Dezember
Churfirsten über dem Walensee (RX100, 11.9mm, f/6.3, 1/250s, ISO 125).

Kann die Kompaktkamera eine Spiegelreflex ersetzen?

Nichtsdestotrotz, wenn man nicht gerade einen Direktvergleich in der 100%-Ansicht zwischen den Fotos durchführt, wird man kaum einen Unterschied feststellen können. Landschaftsfotografie stellt relativ geringe Anforderungen an die verwendete Kamera. Die größere Schärfentiefe des kleinen Sensors ist hier ein großer Vorteil. Zudem bin ich immer wieder erstaunt, welchen Dynamikumfang die kleine RX100 im Stande ist, abzubilden. Mit über zwölf Blendenstufen schlägt sie sogar meine 6D. Filter können über einen Magnethalter angebracht werden, ab Version drei besitzt die Serie auch einen eingebauten, zuschaltbaren Graufilter. Zusätzliche Funktionen wie Zeitrafferaufnahmen können über Apps nachgerüstet werden (wobei es lächerlich ist, dass diese nicht wie bei allen anderen Herstellern ab Werk eingebaut sind).

Das ISO-Rauschen ist bei dieser Art der Fotografie in der Regel ebenso irrelevant, da ich vom Stativ aus sowieso mit ISO 100 fotografiere. Und gerade die neueren Modelle ab Version drei haben auch in der Telestellung so eine große Offenblende, dass hohe ISO-Werte ohnehin nicht notwendig sind. Und falls doch, bis ISO 800 sind die Bilder hervorragend verwendbar, ISO 1600 geht zur Not auch noch. 20 Megapixel ermöglichen auch größere Drucke. Als Referenz: Ein Milchstraßenfoto mit ISO 1600 hängt in 70x50cm bei mir zu Hause an der Wand.


Milchstraße am Stätzerhorn über den Bündner Alpen (RX100, 10.4mm, f/1.8, 20s, ISO 1600).

Einzige Schwäche bei Landschaftsaufnahmen sind Fotos im Gegenlicht. Sonnensterne macht das Objektiv erst bei vollständig geschlossener Blende (f/11). Diese Sonnensterne sind nur dann wirklich ansehnlich, wenn die helle Lichtquelle zumindest teilweise abgedeckt wird. Ansonsten sind sie zwar sehr gleichmäßig, es entstehen im Gegenlicht aber zahlreiche Flares und rote Sensorflecken. Letztere sind Spiegelungen, die durch den geringen Abstand zwischen rückseitiger Objektivlinse und Sensor entstehen. Das Problem ist daher der Kompaktheit geschuldet und kann vermutlich auch nicht in zukünftigen Versionen beseitigt werden. Das Verhalten weisen auch andere Kompakt- und Systemkameras auf. Diesen Einschränkungen muss man sich einfach bewusst sein.

Sonnenuntergang auf der Lenzerheide
Sonnenuntergang am Urdenfürggli auf der Lenzerheide, Graubünden (RX100, 10.4mm, f/11, 1/125s, ISO 125).

Fazit

Landschaftsfotografie geht im Jahr 2018 auch problemlos mit einer Kompaktkamera. Natürlich können die Bildqualität und die Flexibilität nicht mit der einer aktuellen Vollformatkamera mithalten, aber für 90% aller Fotos dürfte eine Kamera aus der RX100-Serie oder den Pendants von Panasonic (LX15*) oder Canon (G7X II*) völlig ausreichen. Selbst für professionelle Arbeiten habe ich die RX100 im Einsatz. Die meisten der Fotos, die ich verkaufe, sind mit dieser Kamera aufgenommen. Meine RX100-Fotos von Seilbahnen waren schon in Tageszeitungen, Magazinen oder auf der Weihnachtskarte des Schweizerischen Bundesamts für Verkehr zu sehen. Für die ganz gewöhnliche Landschafts-, Reise- und Urlaubsfotografie reichen diese Kameras daher im Jahr 2018 erst recht vollkommen aus.

Sesselbahn in St. Moritz
Sesselbahn in St. Moritz (RX100, 37.1mm, f/7.1, 1/800s, ISO 125).

Hallo, ich bin Felix und berichte auf dieser Webseite über meine Reisen in Europa und der Welt. Meistens bin ich dabei in der Natur und vorzugsweise im Gebirge unterwegs, ab und an aber auch in interessanten Städten. Immer dabei sind Stativ und Kamera, mit denen ich Motive und Erinnerungen festhalte.

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