Sonne tanken auf der Bergehalde Göttelborn

Boah, ist das kalt. Und wo ist denn nun der verdammte Weg nach oben? – Ich fluche leise vor mich hin, als ich vom Mitfahrerparkplatz bei Merchweiler die Route zur Bergehalde in Göttelborn suche. Noch ist es nahezu dunkel. Aber wenn es heller wäre, würde man vermutlich auch nicht viel mehr sehen. Stockdichter Nebel, sogar hier im kahlen Laubwald. Ein nur zu häufiges Bild im Januar 2018. Wann zum letzten Mal die Sonne geschienen hat, daran kann ich mich nicht erinnern. Seit Wochen jagd ein Sturmtief das nächste, seit Wochen ist der Winter im Flachland eine einzige graue und triste Angelegenheit. Während die Alpen im Schnee versinken, ist von den herrlich kalten und trockenen Ausgaben der letzten Jahre im Saarland nicht viel zu spüren.

Dementsprechend gering ist die Motivation, zum Fotografieren in die Natur aufzubrechen. Macht ja auch keinen Sinn, bei solch kontrastarmen und regnerischen Verhältnissen. Doch heute gibt es endlich einen sprichwörtlichen Lichtblick. Ein Zwischenhoch ist im Anmarsch, ein paar Stunden Sonne verspricht der Wetterbericht für den Vormittag. Wenn sich denn der hartnäckige Nebel irgendwann auflöst. Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass es nicht vielleicht doch schon in der Nacht aufklart. Dieses Jahr habe ich noch keinen einzigen Sonnenaufgang fotografiert. Irgendwie muss ich einfach versuchen, über den Nebel zu gelangen. Die Bergehalde in Göttelborn ist die nächste größere Erhebung, bei der eine Chance besteht. Und glücklicherweise gibt es dort oben auch eine Webcam. Mit deren Hilfe kann ich schon von zu Hause aus abschätzen, ob sich ein Aufbruch lohnen könnte.

Wettercheck am frühen Morgen

Um kurz vor sieben klingelt mein Wecker. Jetzt, um diese Jahreszeit, finden die Sonnenaufgänge noch zu einer halbwegs humanen Zeit statt. Auf der Webcam sind keine Lichter der umliegenden Dörfer zu sehen. Alles im Nebel. Also doch nochmal umdrehen und weiterschlafen? Nein. Ich versuche es einfach. Irgendetwas Brauchbares wird schon herausspringen. Eine halbe Stunde später stehe ich am Parkplatz in Merchweiler. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mache ich mich auf den Weg nach oben. Rund 100 Höhenmeter sind bis zum Gipfel der Halde zu überwinden.

Längst sind die Zeiten des Bergbaus im Saarland vergangen. Doch die Spuren sind auch heute noch deutlich sichtbar. Bergehalden trifft man im ganzen Land an – doch das Exemplar in Göttelborn dürfte eine der besten Aussichten überhaupt bieten. Wirklich brauchbare Fotos findet man im Internet nicht von diesem Ort. Schon gar keine Landschaftsaufnahmen vom Sonnenauf- oder -untergang. Aus gutem Grund? Ich lasse mich überraschen. Noch liegt ohnehin alles im Nebel.

Als ich den Weg endlich finde, kann ich kurz darauf über mir die letzten hellen Sterne schimmern sehen. Euphorie macht sich breit. Und tatsächlich, die Nebelobergrenze liegt ein gutes Stück unterhalb des Gipfels! Ein paar letzte Wolkenfetzen kann ich über mir noch ausmachen, der restliche Himmel färbt sich langsam blau. Und bald darauf beginnt der Horizont rötlich zu schimmern.

Sonnenaufgang an der Bergehalde Göttelborn im Saarland

Sonnenstrahlen auf der Bergehalde Göttelborn

Erwartungsvoll baue ich mein Stativ auf und suche mir eine gute Perspektive. Die Bewölkung der letzten Störung verhindert im Osten, dass ich die Sonne zur prognostizierten Zeit um 8.14 Uhr schon sehen kann. Aber es dauert nicht lange, da übersteigt sie langsam auch die letzten störenden Hindernisse. Ein atemberaubender Anblick – die ersten Sonnenstrahlen seit mehr als einem Monat! Und was für ein Bild mit dem Nebel, der sich immer noch in den Tälern hält!

Sonnenaufgang an der Bergehalde Göttelborn im Saarland

Sonnenaufgang an der Bergehalde Göttelborn im Saarland

Sonnenaufgang an der Bergehalde Göttelborn im Saarland

Noch eine ganze Weile bleibe ich trotz der frischen Morgenluft auf dem Gipfel und genieße die wohltuende Sonne. Aus Westen sehe ich bereits die nächsten Wolken in großen Schritten näher kommen. Daher breche ich gegen 10 Uhr meine Zelte ab und mache mich auf den kurzen Weg zurück nach Hause. Dort lichtet sich der Nebel erst am Nachmittag, als der Himmel längst wieder bedeckt ist. Für die nächsten beiden Wochen sind wieder Sturm und Regen in Aussicht gestellt. Mehr denn je hat sich daher dieser spontane Kurztrip in die Sonne gelohnt!

Sonnenaufgang an der Bergehalde Göttelborn im Saarland

Hallo, ich bin Felix und berichte auf dieser Webseite über meine Reisen in Europa und der Welt. Meistens bin ich dabei in der Natur und vorzugsweise im Gebirge unterwegs, ab und an aber auch in interessanten Städten. Immer dabei sind Stativ und Kamera, mit denen ich Motive und Erinnerungen festhalte.

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