Spiegelreflex oder spiegellose Systemkamera auf Reisen?

Der geschätzte Reiseblogger-Kollege Simon Zryd schrieb schon 2014 auf seinem Blog umdieweltreise.ch einen sehr lesenswerten Artikel, warum die Spiegelreflexkamera auf Reisen sterben muss. Mir erschien die Aussage damals etwas voreilig, wenngleich ich ihr im Kern durchaus zustimmte. Als langjähriger DSLR-Nutzer konnte ich mir seinerzeit noch nicht vorstellen, auf die kleinen, spiegellosen Systeme umzusteigen.

Auch wenn ich es schon damals eigentlich gerne getan hätte. Gewichtsersparnis und Unauffälligkeit der kleineren Kameras und Objektive waren schon sehr verlockend. Allerdings waren die elektronischen Sucher seinerzeit für meinen Geschmack den optischen Exemplaren deutlich unterlegen. Auch die Robustheit der Kameras war nicht vergleichbar. Bei einer Spiegelreflex hatte ich den Eindruck, ein Werkzeug in der Hand zu halten. Die spiegellosen Kameras fühlten sich dagegen wie Spielzeug an.

Spiegellose Systemkameras für ambitionierte Fotografen

Inzwischen hat sich das geändert. Was schlichtweg daran liegt, dass die heutigen Kameras auf andere Zielgruppen zugeschnitten sind. Die „Knipser“ (nicht negativ gemeint!), die sich vor fünf Jahren noch eine kleine spiegellose Einsteigerkamera zugelegt haben, sind heute mehrheitlich zu den Smartphones abgewandert. Ein Blick auf die sinkenden Verkaufszahlen bei den Kameras zeigt das sehr deutlich.

Geblieben sind die Kunden, die ambitioniert fotografieren und den Mehrwert einer „richtigen“ Kamera gegenüber den Smartphones auch ausreizen. Aus diesem Grund sind die neueren spiegellosen Kameras im Schnitt deutlich teurer geworden, bieten aber auch eine entsprechende Haptik und Funktionalitäten, die bis vor einiger Zeit noch den Spiegelreflexkameras vorbehalten waren.

Sonnenuntergang auf den Lofoten

Spiegellose Systemkameras haben keine Nachteile mehr gegenüber der Spiegelreflex

Und das, ohne echte Nachteile gegenüber den Kameras mit Spiegelkasten aufzuweisen. Die elektronischen Sucher sind mittlerweile so hochauflösend und schnell, dass der Unterschied zum realen Bild im optischen Sucher kaum mehr merkbar ist. Die Autofokussysteme sind denen der Spiegelreflex inzwischen ebenbürtig. In Sachen Bildabdeckung sogar deutlich überlegen. Front- oder Backfokus gibt es durch den auf dem Sensor sitzenden Autofokus systembedingt nicht mehr. Auch die Videofunktionalitäten sind weitaus umfangreicher. Die Akkulaufzeiten sind bei den meisten Systemen inzwischen ebenfalls auf einem akzeptablen Niveau angelangt.

Gleichzeitig sorgt der weggefallene Spiegelkasten für eine gewisse Gewichtsersparnis und kompaktere Bauweise. Und gerade das ist genau der Grund, warum spiegellose Systemkameras auf Reisen die unangefochtene erste Wahl sind, wenn es mehr als ein Smartphone sein darf. Durch das kurze Auflagemaß (Abstand zwischen Sensor und Objektivbajonett) lassen sich selbst bei Kameras mit Vollformatsensor erstaunlich kleine und lichtstarke Festbrennweiten konstruieren.

Kleiner, leichter, besser?

Das macht das Gesamtsystem leichter und vor allem unaufdringlicher. Als Fotograf wird man – anders als mit einer Spiegelreflex – nicht als auffälliger „Profi“ wahrgenommen. Und gerade wer Menschen auf Reisen fotografiert, weiß diesen Umstand zu schätzen. Mit einer kleinen Kamera ist man als Fotograf kein Außenstehender, sondern kann zu einem Teil des Geschehens werden. Das ermöglicht Fotos, die mit einer Spiegelreflex nie möglich wären.

Mit Zoomobjektiven sieht die Sache da schon wieder anders aus. Die sind nämlich bei Vollformatkameras nicht wirklich kleiner oder leichter als die Pendants für Spiegelreflexkameras. Doch es muss ja nicht unbedingt Vollformat sein. Mittlerweile sind die Systeme im APS-C- und Micro-Four-Thirds-Bereich so gut, dass sie für die allermeisten Anwendungszwecke völlig ausreichen. Dann auch mit kompakten, unauffälligen Zoomobjektiven. Eine Übersicht der derzeit am Markt erhältlichen Kamerasysteme für Reisen findest du hier. Meine Empfehlungen für Kameras auf Reisen und passenden Objektivkombinationen gibt’s ebenfalls zum Nachlesen!

Geparden in der Serengeti

Die Spiegelreflex hat auf Reisen ausgedient!

Bleibt also abschließend festzuhalten, dass die Gründe für eine Spiegelreflexkamera auf Reisen im Jahr 2019 nahezu inexistent sind. Mir würde jedenfalls keiner mehr einfallen, der dafür sprechen würde. Außer natürlich, wenn du schon eine Spiegelreflexkamera und passende Objektive besitzt. Denn die werden selbstredend nicht automatisch schlechter, nur weil es etwas Neues auf dem Markt gibt.

Trotzdem, wenn du gerade überlegst, eine Kamera für die Fotografie auf Reisen zu kaufen oder damit liebäugelst, deine alte Spiegelreflex zu ersetzen, mach‘ es! Gehe in den nächsten Fotoladen und nimm einige aktuelle Modelle in die Hand. Ich garantiere dir, du wirst ein Aha-Erlebnis haben!

Die spiegellosen Systemkameras sind nicht mehr nur die Zukunft, sie sind inzwischen auch die Gegenwart. Insofern lässt sich die Metapher von Simon im Jahr 2019 etwas abwandeln. Der Tod der Spiegelreflexkamera auf Reisen steht wohl unmittelbar bevor …

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