Spiegellose Systemkameras für Reise und Urlaub im Vergleich

Darf’s mehr als ein Smartphone oder eine Kompaktkamera für die Reisefotografie sein, aber die Spiegelreflex ist zu klobig, aufdringlich und schwer? Spiegellose Systemkameras (DSLM) sind die Lösung! Kleiner, leichter und unauffälliger als Spiegelreflexkameras, aber mit gleicher oder gar besserer Bildqualität und Funktionsumfang.

Inzwischen bieten nahezu alle Kamerahersteller ein solches System an. Die Auswahl ist riesig, aber welches System eignet sich wie gut für Urlaubsfotos und Fotografie auf Reisen? Welche Vor- und Nachteile haben die Systeme?

Inhaltsübersicht


Systeme mit Vollformatsensor

Canon EOS R (RF-Mount)

Zur Photokina 2018 stellte Canon sein langersehntes spiegelloses Vorformatsystem vor. Das System ist eine komplette Neuentwicklung, aber stark an das über drei Jahrzehnte marktführende EF-System für Spiegelreflexkameras angelehnt. So besitzt das EOS-R-System ein neues Bajonett mit dem für spiegellose Kameras typischen kurzen Auflagemaß (Abstand zwischen Sensor und Bajonett). Der Durchmesser ist jedoch der gleiche wie beim alten EF-Anschluss. Das System ist gedacht für ambitionierte Amateurfotografen und professionelle Anwender.

Kameras

Mit Beginn des Jahres 2019 gibt es lediglich eine einzige Kamera, die EOS R*. In technischer Hinsicht ist die Kamera eine spiegellose Mischung aus den Spiegelreflexkameras EOS 5D IV* und EOS 6D II. Wie erstere besitzt sie einen Sensor mit 30 Megapixeln Auflösung. Von letzterer übernimmt sie den Single-Kartenslot im SD-Format und die etwas abgespeckte Bedienung. Die sehr eingeschränkten Videofunktionalitäten entsprechen im Wesentlichen der 5D IV. 4K-Videos kann die EOS R nur mit einem 1,8-fach Crop aufzeichnen. Als wesentliches Manko gegenüber der direkten Konkurrenz ist die fehlende sensorbasierte Bildstabilisierung anzusehen. Objektive ohne optischen Bildstabilisator sind an der EOS R daher überhaupt nicht stabilisiert. Auch der Wegfall der sonst typischen Intervallaufnahmen und Zeitraffersoftware schränken die Kamera softwareseitig unnötig ein.

Objektive

Gemeinsam mit der EOS R hat Canon vier native Objektive mit RF-Anschluss vorgestellt. Dabei handelt es sich mit Ausnahme des kleinen 35mm-Makroobjektivs* um große und schwere Objektive aus Canons Premium-Linie. Als Kitobjektiv ist ein 24-105mm* im Angebot, die derzeit lichtstärkste Festbrennweite ist ein 50mm mit Blende f/1.2*. Technisch besonders beeindruckend ist das vierte Objektiv, ein 28-70mm-Zoomobjektiv mit f/2.0*, das aufgrund seiner Größe und seines Gewichts aber nur für sehr spezielle Einsatzzwecke in Frage kommt. Wie üblich sind die L-Objektive genau wie die Kamera EOS R gegen Staub und Spritzwasser geschützt.

Besitzer von Objektiven mit EF- oder EF-S-Anschluss für analoge und digitale Spiegelreflexkameras können diese nahezu vollumfänglich mittels Adapter am EOS-R-System weiterverwendet werden. Canon selbst bietet gleich drei verschiedene Adapter von EF- auf RF-Mount an. Der günstigste* überträgt lediglich die Objektivdaten an die Kamera und ermöglicht die bei Canon übliche elektronische Blendensteuerung, die Nutzung des Bildstabilisators im Objektiv und des Autofokus. Die zweite Variante* besitzt zusätzlich einen Kontrollring, der mit bestimmten Funktionen versehen werden kann. Die dritte und teuerste Version bietet darüber hinaus einen Einschub für Filter*, was besonders bei Objektiven nützlich ist, die kein Filtergewinde besitzen. Auf diese Weise kann man unter Umständen auf ein teures Steckfiltersystem verzichten.

Einsatzbereiche und Eignung für die Reisefotografie

Aufgrund des bisweilen sehr kleinen nativen Objektivangebots ist das Canon EOS-R-System für Neueinsteiger nur mäßig interessant. Das wird sich naturgemäß in den nächsten Monaten und Jahren ändern. Gerade für Reisefotografen, die eine leichte Fototasche bevorzugen, scheint das System aber aufgrund seiner großen und schweren Objektive auch in Zukunft nur bedingt geeignet zu sein. Leider lässt sich die EOS R auch nicht mit beliebigen Ladegeräten über USB aufladen. Die Objektivqualität ist dagegen über alle Zweifel erhaben. Das hat allerdings auch seinen Preis. Personen mit einem geringen Budget sind beim EOS-R-System definitiv falsch.

Vor dem Hintergrund, dass die Kamera EOS R in vielen Punkten (Stabilisierung, Videofunktionalitäten, Sensor, native Objektivauswahl) der Konkurrenz deutlich hinterherhinkt, bietet sich ein Einstieg in das System derzeit nur für Besitzer von EF-Objektiven an, die auch in Zukunft Canon-Kameras nutzen möchten. Alle anderen finden für das gleiche Geld Alternativen, die in technischer Hinsicht mehr bieten.

Nikon Z (Z-Mount)

Ebenfalls zur Photokina 2018 erschien das Pendant von Nikon mit einer groß angelegten Marketingkampagne. Genau wie Canon wirbt Nikon mit einem neuen Objektivanschluss, der dank seines kurzen Auflagemaßes und des großen Bajonettdurchmessers besonders lichtstarke Objektive ermöglichen soll. Entsprechend zielt es auf ambitionierte Amateure und Profifotografen ab.

Kameras

Nikon stellte zum Start des neuen Systems zwei völlig neu konzipierte Kameras vor, die Z6* und die Z7*. Von außen kaum zu unterscheiden besitzen sie beide einen kompakten, aber dennoch sehr ergonomischen Body. Die Unterschiede werden erst beim Blick auf das Innenleben deutlich. Die Z6 besitzt einen Sensor mit 24 Megapixeln, die Z7 dagegen ein Exemplar mit hochauflösenden 45 Megapixeln, der in ähnlicher Form bereits in der Spiegelreflexkamera D850 zum Einsatz kam. Die Z7 besitzt zudem ein etwas umfangreicheres Autofokussystem als die Z6. Beide Kameras können Videos in 4K-Auflösung über die volle Sensorgröße, wahlweise auch mit Log-Profil, aufzeichnen. Die Sensoren sind stabilisiert und bestechen durch den Nikon-typischen großen Dynamikumfang. Anders als alle anderen spiegellosen Systemkameras setzt Nikon bei der Z6 und Z7 auf Speicherkarten im XQD-Format. Diese sollen robuster und schneller als SD-Karten sein, sind aber derzeit noch nicht weit verbreitet und dementsprechend teuer.

Objektive

Zum Start des spiegellosen Systems hat Nikon drei native Objektive angekündigt. Zwei Festbrennweiten (35mm* und 50mm* mit Blende f/1.8) sowie ein Standardzoom 24-70mm f/4*. Im ersten Quartal 2019 kam ein viertes Objektiv hinzu, das einen Weitwinkelbereich von 14-30mm, ebenfalls bei Blende f/4, umfasst. Anders als bei Canon handelt es sich bei den Objektiven somit nicht um extrem lichtstarke Exemplare, sondern um günstigere und kleinere Linsen. Die großen und teuren Objektive mit besserer Lichtstärke sollen gemäß der von Nikon veröffentlichten Roadmap aber in den nächsten Monaten und Jahren folgen.

Genau wie Canon bietet auch Nikon einen Adapter* an, mit dessen Hilfe Objektive für den F-Mount auch an den neuen spiegellosen Kameras genutzt werden können. Allerdings können ältere Objektive teilweise nur mit Einschränkungen verwendet werden, sodass die Kompatibilität nicht vollständig gegeben ist. Angesichts des bislang kleinen nativen Objektivangebots für den Z-Mount ist der Adapter aber für Besitzer von F-Mount-Objektiven eine sinnvolle Investition.

Einsatzbereiche und Eignung für die Reisefotografie

Wer bereit ist, eine große Summe in ein neues Kamerasystem zu investieren, kann auf Reisen bereits zum jetzigen Zeitpunkt durchaus glücklich werden mit dem Nikon-Z-System. Auch wenn die native Objektivauswahl noch gering ist, sind die neuen Linsen gerade für Reisefotografen sehr vielsprechend. Das aufgrund der Tatsache, dass sie allesamt verhältnismäßig leicht und kompakt gebaut sind. Gepaart mit den etwas größeren Kamerabodys ist die Handhabung exzellent, das Gesamtsystem in der Praxis aber recht unauffällig. Schade ist einzig wie bei Canon, dass Nikon bei beiden Kameras auf Dual Card Slots verzichtet hat. Gerade auf Reisen kann das ein Nachteil sein.

Panasonic / Leica / Sigma (L-Mount)

Das dritte zur Photokina 2018 vorgestellte DSLM-Vollformatsystem ist eine Kooperation von den Firmen Leica, Panasonic und Sigma. Genau genommen existiert das System schon etwas länger, wurde aber bislang nur von der Firma Leica unterstützt. Die ersten Kameras von Panasonic mit L-Anschluss sind Anfang 2019 auf den Markt gekommen. Sigma hat ebenfalls angekündigt, an einer eigenen Kamera zu arbeiten.

Kameras

Zurzeit besitzt die Leica SL (Typ 601) den L-Anschluss, mit der Panasonic S1 und S1R folgten Anfang 2019 zwei weitere Kameras. Ähnlich wie bei Nikon gibt es ein Exemplar mit moderater Auflösung von 24 Megapixeln (Lumix S1) und eine hochauflösende Kamera mit 47 Megapixeln (Lumix S1R). Panasonic bewirbt die Kameras als Vollformat ohne Kompromisse. Hinsichtlich der Bildqualität und der herausragenden Robustheit der Konstruktionen mag das zutreffen. Ebenso, was die Videofunktionalität betrifft. Als erste Vollformatkameras können die Lumix S1 und S1R 4K mit 60 Bildern pro Sekunde aufzeichnen.

Objektive

Derzeit gibt es für den L-Mount ein umfangreiches Objektivangebot der Firma Leica, das sich aus fünf Festbrennweiten und mehreren Zoomobjektiven im Bereich zwischen 16mm Weitwinkel und 280mm Tele zusammensetzt. Alle Objektive sind von hoher Qualität, allerdings genau wie die Kamera Leica SL sehr schwer und Leica-typisch extrem teuer. Auch die drei von Panasonic vorgestellten Objektive (24-105 f/4, 50mm f/1.4 und 70-200 f/4) sind ähnlich teuer und schwer. Günstigere Objektive sind zu erwarten, sobald Sigma die ersten Exemplare auf den Markt bringt. Sigma besitzt bereits ein umfangreiches Sortiment an hervorragenden Objektiven für diverse DSLR-Anschlüsse. Es ist davon auszugehen, dass diese demnächst auch für das L-Bajonett erscheinen.

Einsatzbereiche und Eignung für die Reisefotografie

Mit ihrem für spiegellose Kameras extrem hohen Gewicht von über einem Kilogramm sind die Kameramodelle mit L-Mount für die Reisefotografie derzeit nur eingeschränkt empfehlenswert. In dieser Hinsicht dürften das Nikon-System und der E-Mount von Sony die bessere Adresse sein. Auch hinsichtlich der Preise ist offensichtlich, dass Panasonic mit dem System eher fortgeschrittene und professionelle Anwender ansprechen will, die auf Robustheit angewiesen sind und der Kompaktheit und dem Gewicht einen geringeren Stellenwert einräumen.

Sony Vollformat (E-Mount)

Sony ist unbestreitbar der Pionier unter den spiegellosen Vollformatkameras. Seit 2013 hat Sony teils in Kooperation mit Zeiss ein beeindruckendes Sortiment an Kameras und passenden Objektiven für den sogenannten E-Mount herausgebracht. Genau wie die Systeme von Canon, Nikon und Leica zielt das Vollformatsystem von Sony auf ambitionierte Amateure und professionelle Anwender ab.

Kameras

Die aktuellen Vollformatkameras von Sony sind in der dritten Generation angelangt. Wie bei Nikon gibt es eine Kamera mit Standardauflösung von 24 Megapixeln, die Sony A7 III*, und ein Modell mit hochauflösendem 42-Megapixel-Sensor, die Sony A7R III*. Zusätzlich existiert eine Reihe, die auf Video und Lowlight-Aufnahmen spezialisiert ist, die Sony A7S II. Das Nachfolgemodell A7S III dürfte in Kürze erscheinen. Auch Kameras der älteren Generationen wie die A7 II* oder A7R II* sind nach wie vor am Markt und teilweise zu sehr günstigen Konditionen erhältlich.

Mit der dritten Kamerageneration ist es Sony gelungen, ein sehr reifes Produkt auf den Markt zu bringen, das kaum Wünsche offen lässt. Hervorragende Fotoqualität, sehr gute Videoeigenschaften sowohl in 4K als auch Full-HD, Dual Card Slots im SD-Format und dank neuem Akkutyp eine hervorragende Batterielaufzeit. Einzig die spartanische Implementierung des Touchscreens und die mitunter komplexe Menüführung und Bedienung sind kleine Punkte, die Verbesserungspotential besitzen.

Objektive

Wie angesprochen gibt es für den E-Mount bereits ein umfangreiches Objektivangebot an Sony-eigenen Linsen. Diese umfassen sowohl sehr kleine, günstige Festbrennweiten, aber auch große, robuste Objektive, die professionellen Standards genügen.

Neben dem nativen Objektivangebot besteht aber dank entsprechender Adapter auch die Möglichkeit, so ziemlich jedes jemals gebaute Objektiv an den E-Mount anzuschließen. Ältere, rein mechanische Objektive können über günstige Adapter verbunden werden. Aber auch für neuere, elektrische Linsen anderer Hersteller gibt es die Möglichkeit eines Anschlusses. Teilweise funktionieren damit auch Autofokus und Blendensteuerung direkt über die Kamera. Beispielsweise lassen sich über den Sigma MC-11-Adapter* und den Metabones-Adapter* Canon-Objektive nahezu wie an proprietären Kameras nutzen.

Einsatzbereiche und Eignung für die Reisefotografie

Die aktuellen Vollformatkameras von Sony sind ein rundes Paket und gerade für Personen, die auf Reisen sowohl Fotos als auch Videos anfertigen, ideal geeignet. Die Kameras sind verhältnismäßig leicht und kompakt, lassen sich uneingeschränkt über USB aufladen und besitzen unübertroffene Eigenschaften bei der Bildqualität. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gerade bei der neuen A7 III hervorragend.

Die Objektive sind dagegen – wie bei den anderen Herstellern ebenfalls – größtenteils in der Oberklasse angesiedelt. Dank des breiten Angebots verschiedener Hersteller lassen sich aber auch Kombinationen für vergleichsweise wenig Geld zusammenstellen. Neben dem Sony-eigenen hervorragend für Reisen geeigneten Standardzoom 24-105mm* bietet sich beispielsweise die günstigere Alternative von Tamron an, ein kompaktes 28-75mm-Objektiv*. Auch wer auf der Suche nach kleinen Festbrennweiten ist, wird im Sony-System fündig wie bei keinem anderen Hersteller. Von 28mm* über 35mm*, 55mm* und 85mm* gibt es die gängigen Brennweiten zu günstigen Konditionen. Puristen wissen zudem die angesprochene Möglichkeit zu schätzen wissen, „Altglas“ über Adapter anzuschließen. Manuelle Objektive aus den 70ern und 80ern bieten hervorragende optische Eigenschaften zu Schnäppchenpreisen. Ob eine Festbrennweite für dich auf Reisen in Fragen kommt, beantwortet dieser Beitrag!


Systeme mit APS-C-Sensor

Canon EOS M (EF-M-Mount)

Schon lange vor dem neuen EOS-R-System führte Canon im Jahr 2012 sein erstes hauseigenes spiegelloses System ein, das EOS-M-System. EOS M ist ein System für Hobbyfotografen, die keine professionellen Ansprüche haben, sondern eher Wert auf eine günstige, leichte und kompakte Ausrüstung legen.

Kameras

Canon bietet mit der M100, M5, M6 und M50 derzeit vier verschiedene spiegellose Kameras mit EF-M-Anschluss an. Alle Kameras besitzen einen 24-Megapixel-Sensor und unterscheiden sich in erster Linie hinsichtlich der Bedienungselemente. M5* und M50* besitzen einen eingebauten Sucher und sind mit mehreren Wahlrädern als Kameras für fortgeschrittene Nutzer zu verstehen. Die M6* stellt im Grunde genommen eine M5 ohne integrierten Sucher dar. Die M100* basiert nahezu ausschließlich auf einer Bedienung über den klappbaren Touchscreen-Monitor und eignet sich damit vor allem für die Generation Smartphone.

Die M50 ist die einzige Kamera, die Videos in 4K-Auflösung aufzeichnet. Allerdings nur mit dem mittleren Sensorbereich (daraus resultiert ein Crop) und nur mit Kontrastautofokus. Der hervorragende Dual-Pixel-Autofokus funktioniert bei den 4K-Aufnahmen nicht. Fortgeschrittenen Ansprüchen genügen die Kameras im Videosektor allesamt nicht. Wem aber gute Full-HD-Videos ohne Nachbearbeitung am Rechner ausreichen, der findet bei den EOS-M-Kameras ein gutes Filmwerkzeug.

Objektive

Das native Objektivangebot für den EF-M-Anschluss ist überschaubar, passt aber hervorragend zur Zielgruppe. So finden sich im Sortiment ein optisch hervorragendes Weitwinkelzoom*, ein Pancake-Standardzoom*, ein Superzoom* sowie ein Telezoom*. Zusätzlich bietet Canon zwei lichtstarke Festbrennweiten im Bereich 22mm* und 32mm* (umgerechnet auf Vollformat 35mm und 50mm) sowie ein Makroobjektiv an. Alle Objektive sind ausgesprochen kompakt und leicht. Genau wie die Kameras sind jedoch auch die Objektive nicht gegen Staub oder Spritzwasser abgedichtet.

Sowohl Canon als auch diverse Fremdhersteller bieten für das EF-M-System einen Adapter* an, mit dem Objektive mit EF- bzw. EF-S-Anschluss (jedoch nicht RF-Anschluss) adaptiert werden können. Abgesehen von kleineren Festbrennweiten ist diese Lösung allerdings eher als Notlösung zu verstehen, weil die großen EF-Objektive an den kleinen M-Bodys schnell kopflastig werden.

Einsatzbereiche und Eignung für die Reisefotografie

Reisefotografen, die Wert auf eine günstige, kompakte und leichte Ausrüstung legen, werden beim EF-M-System fündig. Dank der kleinen Kameras und Objektive nimmt die Fotoausrüstung nicht viel Platz in Anspruch und ermöglicht hervorragende Aufnahmen direkt aus der Kamera. Auf dem Papier mag das EF-M-System der direkten Konkurrenz von Fuji und Sony hinterherhinken. Das fällt allerdings erst in Extremsituationen auch in der Praxis ins Gewicht. Wer also ohnehin keine aufwendige Nachbearbeitung am Rechner plant und einfach mit einer guten Kamera seine Reise dokumentieren will, macht mit dem EF-M-System nichts falsch.

Fujifilm X (X-Mount)

Fuji – dieser Name steht in der spiegellosen Kamerawelt seit langer Zeit für ein unverwechselbares Retro-Design. Die Kameras mit ihren vielen Einstellrädern sehen aus, als würden sie von 1960 stammen. In Wahrheit handelt es sich aber um hochmoderne Technik, die für Puristen, ambitionierte Amateure und Profis gleichermaßen geeignet ist.

Kameras

Das Kamerasortiment von Fuji setzt sich im Wesentlichen aus drei Linien zusammen. Die E-Linie umfasst Kameras im klassischen Messsucherdesign, die T-Serie ist an alte Spiegelreflexkameras angelehnt und die H-Serie stellt ähnlich wie die Fuji-Mittelformatkameras Funktionalität in den Vordergrund.

Innerhalb der einzelnen Linien gibt es jeweils ein aktuelles Top-Modell, das mit Dual Card Slot sowie Staub- und Spritzwasserschutz professionellen Anforderungen genügt. Auch die Videofunktionalitäten stechen bei diesen Modellen hervor. So bietet die 2018 eingeführte X-T3 über alle spiegellosen Kameras hinweg mit 4K-Auflösung, 60 Bildern pro Sekunde und hohen Bitraten mit die besten Videoeigenschaften. Auch die Fotoqualität ist dank des X-Trans-Sensors und der Fuji-typischen, an analoge Filme angelehnten Farbsimulationen hervorragend. Einzig die fehlende Sensorstabilisierung ist bei der X-T3 unter Umständen ein Nachteil. Diese bietet Fuji bislang ausschließlich in der X-H1.

Auch die günstigeren Modelle der einzelnen Linien bieten eine hervorragende Bildqualität, sind in Sachen Robustheit und Funktionalität jedoch gegenüber der Topmodelle etwas abgespeckt. Aber auch diese weisen die charakteristischen Retro-Bedienelemente auf, die für die Einstellung von Blende und Belichtungszeit genutzt werden.

Objektive

Nicht nur die Kameras, sondern auch das breite Angebot an guten Objektiven macht das Fuji-X-System so reizvoll. Neben den vor allem für Profis geeigneten großen und lichtstarken Objektiven gibt es eine ganze Reihe an kleinen Festbrennweiten und Zooms. Hervorzuheben ist dabei besonders die kompakte Festbrennweiten-Linie mit 16mm-, 23mm-, 35mm- und 50mm-Objektiven, die besonders für die Kameras im Messsucherstil interessant sind. Doch auch das hervorragende Weitwinkelzoom 10-24mm und sogar das kleine Kit-Objektiv mit 18-55mm sind die Investition absolut wert. Mit professionellen Teleobjektiven eignet sich das Fuji-System auch für Fotografen mit Portrait- oder Wildlife-Schwerpunkt.

Einsatzbereiche und Eignung für die Reisefotografie

Wie angesprochen eignet sich das Fuji-System für jegliche Formen der Fotografie und damit natürlich auch für die Reisefotografie. Wer am Morgen das Treiben auf einem vielbesuchten Markt mit einer kleinen Festbrennweite dokumentieren und am Nachmittag weit entfernte Tiere ablichten will, den wird das Fuji-System begeistern. Eine komplette Verwandlung der Kamera ist stets nur einen Objektivwechsel entfernt. Kein anderes System eignet sich so gut für ambitionierte Fotografen mit einer großen Bandbreite an Wunschmotiven.

Und zu guter Letzt ist es das unverwechselbare Retro-Design der Fuji-Kameras, das auf Reisen ab und an von Vorteil sein kann. Die Kameras fallen einfach auf – und das in vielerlei Hinsicht. Die Kameras sehen nicht nach moderner Technik aus, was den einen oder anderen Dieb abhalten kann. Und unter Foto-Enthusiasten sind auf der anderen Seite Gespräche über die Kamera garantiert!

Sony APS-C (E-Mount)

Schon etwas länger als das Vollformatsystem bietet Sony auch spiegellose Kameras mit APS-C-Sensor an. Diese sind deutlich kleiner und leichter, besitzen aber den gleichen Objektivanschluss. Auch Vollformatobjektive können so mit den APS-C-Kameras genutzt werden.

Kameras

Aktuell bietet Sony mit dem Einsteigermodell A5100* und den vier Kameras der A6000er-Serie ein breites Kameraangebot im APS-C-Bereich. Das Spitzenmodell A6500* besitzt einen stabilisierten 24-Megapixel-Sensor, eine hervorragende Fotoqualität und ermöglicht Videoaufnahmen in 4K. Nahezu identische Eigenschaften – bis auf die Sensorstabilisierung – bietet die A6300*, während die A6000* als günstiges Modell der Serie einen etwas älteren Sensor besitzt und Videos maximal in Full-HD-Auflösung aufzeichnet. Alle Kameras der 6000er-Serie sind im Messsucherdesign gehalten und besitzen einen integrierten elektronischen Sucher. Lediglich die A5100 weist keinen Sucher auf, ermöglicht aber einen Selfie-Modus durch ihr um 180° nach vorne klappbares Display. Ein solches besitzt auch die Anfang 2019 vorgestellte A6400*. Zusätzlich weist sie einen Eingang für ein externes Mikrofon auf und ist damit besonders für Vlogger interessant.

Objektive

Durch den identischen Anschluss können alle Vollformatobjektive für die Sony-A7-Serie auch an den APS-C-Kameras genutzt werden. Aufgrund der kleinen Kameras empfiehlt es sich aus Gründen der Ergonomie aber, auf die dedizierten APS-C-Objektive zurückzugreifen. Mit einem guten Weitwinkelzoom* und einem kompakten Standardzoom* sowie zahlreicher lichtstarker Festbrennweiten im Bereich 24mm*, 35mm* und 50mm* bietet Sony ein rundes Paket an. Lediglich im Telebereich ist man mit dem eher durchschnittlichen 55-210mm* etwas schwächer aufgestellt als die Konkurrenz. Besonders empfehlenswert ist im Weitwinkelbereich auch die lichtstarke, manuelle  Festbrennweite 12mm f/2.0 des Herstellers Samyang*.

Einsatzbereiche und Eignung für die Reisefotografie

Ähnlich wie das EF-M-System ist auch Sony-APS-C besonders für jene Fotografen geeignet, die Wert auf eine möglichst kompakte Ausrüstung legen. Die technische Bildqualität und auch die weitergehenden Funktionalitäten im Videosegment (Log-Profile, Sensorstabilisierung, 4K) heben sich jedoch von Canon ab. Zudem gibt es mit dem kompatiblen Vollformatsystem eine zukunftssichere Erweiterungsmöglichkeit. Das APS-C-System von Sony kann daher auch als ideales Zweitsystem auf Reisen angesehen werden.


Systeme mit Micro-Four-Thirds-Sensor

Panasonic / Olympus / YI (MFT-Mount)

2008 stellte Panasonic die erste spiegellose Systemkamera nach heutigem Verständnis vor. Mit einem neuen Bajonettstandard, der in Kooperation mit Olympus entwickelt wurde und den Nachfolger des Four-Thirds-Standards darstellte. Das Micro-Four-Thirds-System (MFT) ist heute das spiegellose System mit der größten Kamera- und Objektivvielfalt und sowohl für Einsteiger als auch für professionelle Anwender geeignet.

Kameras

Sowohl Olympus als auch Panasonic bieten Kameras für professionelle Einsatzzwecke mit Spritzwasserschutz, Dual Card Slots und umfangreichen Bedienelementen an. Bei Olympus ist das die OM-D E-M1 II*, bei Panasonic die Lumix G9* sowie die Lumix GH5*, die speziell auf Videografen ausgerichtet ist. Die Kameras sind in erster Linie auf Funktionalität und eine gute Handhabung ausgelegt. Dadurch sind sie größer und schwerer, als man es bei dem kleinen MFT-Sensor erwarten würde. Aufgrund der kleineren Sensorgröße liegt auch die Pixelzahl mit 20 Megapixeln unter derer der Systeme mit größeren Sensoren.

Kleinere Kameras sind beispielsweise die Olympus OM-D E-M10 III* und die Panasonic Lumix G81*. Wie ihre großen Schwestermodelle zeichnen sie Videos in 4K-Auflösung auf, besitzen aber Sensoren mit 16 Megapixeln. Panasonic bietet neben den angesprochenen, im Spiegelreflexdesign gehaltenen Kameras mit der GX-Linie auch Modelle im Messsucherdesign an. Das Topmodell GX9* besitzt dabei einen 20-Megapixel-Sensor, die kleineren Modelle GX80* und GX800* 16 Megapixel.

Nahezu alle aktuellen Kameras von Olympus und Panasonic besitzen einen stabilisierten Sensor, der Verwacklungen ausgleicht. Zusammen mit der optischen Bildstabilisierung in den Objektiven ermöglicht das System eine extrem ruhige Kameraführung, die allen anderen Systemen überlegen ist. Vor allem Filmer werden die Stabilisierung zu schätzen wissen. In manchen Situationen ist die Stabilisierung einem Gimbal ebenbürtig.

Objektive

Alle Kameras, sowohl von Olympus als auch von Panasonic, können mit den Objektiven des jeweils anderen Herstellers betrieben werden. Vom Pancake-Kitobjektiv über lichtstarke Festbrennweiten bis hin zu Telezoomobjektiven mit umgerechnet 800mm Brennweite lässt der MFT-Objektivpark keine Wünsche offen.

Besonders empfehlenswert sind bei Panasonic die in Zusammenarbeit mit Leica entworfene Zoomobjektiv-Reihe 8-18mm*, 12-60mm* und 50-200mm*. Die Objektive sind zwar teuer, aber leicht, kompakt und bieten eine hervorragende Bildqualität. Von Olympus gibt es Äquivalente aus der hauseigenen PRO-Serie, die allerdings nicht ganz so kompakt sind. Wer eher auf der Suche nach einer kleinen Festbrennweite ist, dem sei das Olympus 17mm f/1.8* (34mm-Äquivalent) und das Olympus 45mm f/1.8* (90mm-Äquivalent) empfohlen.

Einsatzbereiche und Zielgruppe

Der kleine Sensor des MFT-Systems spielt seine Vorteile gerade auf Reisen aus. Denn er ermöglicht es, dass die Objektive auch im Telebereich und bei großer Lichtstärke sehr leicht und kompakt gebaut werden können. Das spart Gewicht und Platz im Koffer. Zudem bleiben durch das sehr breite Angebot und die Abdeckung aller erdenklichen Preisklassen keine Wünsche offen. Natürlich besitzt das MFT-System auch immanente Nachteile wie eine größere Tiefenschärfe im Vergleich zu Vollformatobjektiven mit gleicher Lichtstärke und schlechteres Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten. Allerdings sind die Kameras inzwischen auf einem so guten Niveau angelangt, dass letzteres bei den allermeisten Anwendern kaum störend in Erscheinung treten wird.

Zudem ermöglicht die systemübergreifend beste Sensorstabilisierung bei Olympus und Panasonic längere Belichtungszeiten. Bei statischen Motiven lassen sich hohe ISO-Werte so umgehen. Und auch auf ein Stativ lässt sich auf diese Weise manchmal verzichten.


Alternativen zu spiegellosen Systemkameras

Noch nicht das ideale System gefunden? Oder soll es gar keine Systemkamera werden, sondern eine kompaktere Alternative? Dann wirf am besten gleich einen Blick in meine Kameraempfehlungen für die Reisefotografie. Zur passenden Objektivkombination für deine nächste Reise geht es hier!

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