Liddes – Vichères – Chaux de Bavon • Idylle pur

Nach dem anstrengenden Skitag in Vallorcine und Argentière geht’s am folgenden Tag unserer Tour zwar wieder in zwei verschiedene Skigebiete, aber in zwei deutlich kleinere. Am frühen Morgen brechen wir in die Region Saint-Bernard auf, um den Tag in zwei der verbliebenen Skigebiete in diesem Bereich des Südwallis zu verbringen. Vormittags planen wir einen Aufenthalt im Skigebiet von Vichères, im Val d’Entremont an der Passstrasse zum grossen St. Bernhard gelegen. Am Nachmittag soll es nach La Fouly ins abgelegene Val Ferret gehen soll.

Die Skigebiete der Region Saint-Bernard

Neben den beiden angesprochenen Gebieten liegt in der näheren Umgebung auch das Skigebiet von Champex. Dieses kennen wir aber bereits vom Sommer und es ist nach dem Ersatz der steilen Städeli-Sesselbahn auf der Prioritätenliste ohnehin nach hinten gerückt. Alle drei Skigebiete besitzen eine gemeinsame Tageskarte, sodass der Wechsel an einem Tag relativ problemlos möglich ist. Ebenfalls im Tarifverbund integriert sind die Skigebiete von Les Marécottes und Bruson. Letzteres wollen am nächsten Tag im Rahmen eines Besuchs der vier Täler mitnehmen.

Mit etwas Wehmut muss natürlich auch auf das wohl mit Abstand spannendste Skigebiet in der Region Saint-Bernard hingewiesen werden. Super Saint-Bernard mit seinem Poma-Skilift und der Giovanola-Kabinenbahn zum Col de Menouve. Seit vier Jahren dreht sich hier kein Rad mehr, nachdem die Betriebsbewilligung für die Kabinenbahn ausgelaufen ist und keine finanziellen Mittel für die nötigen Sanierungsarbeiten aufgetrieben werden konnten. Ein Jammer, dass dieses geniale Gebiet dem endgültigen Ende immer näher kommt. Ich könnte mir immer noch in den Allerwertesten beissen, dass ich es dort nie hingeschafft habe :( .

Das Skigebiet Vichères – Chaux de Bavon

Doch was hilft es, sich über mögliche Fehler in der Vergangenheit zu ärgern, geniessen wir lieber den heutigen Skitag in einem uns ebenfalls völlig unbekannten Gebiet. Der Chaux de Bavon, oberhalb von Vichères gelegen. In Liddes deutet ein unscheinbarer Wegweiser auf eine kleinere Strasse, die zunächst in das etwas tiefer gelegene Drance führt, ehe sie am Gegenhang zügig nach Vichères ansteigt. Nach einigen Kehren fahren wir förmlich in direkter Linie auf die Talstation der Sesselbahn zu. Kurz darauf kommen wir auf dem dahinter liegenden Parkplatz zum Stehen. Obwohl der Betrieb bereits vor einer halben Stunde aufgenommen worden ist, sind wir eines der ersten Fahrzeuge, das sich eingefunden hat.

Mit einem Besucheransturm wie in Argentière haben wir verständlicherweise nicht gerechnet. Dass aber gar so wenig los ist, erstaunt uns schon ein wenig. Nur wenige Meter sind es vom Parkplatz zur Talstation der Sesselbahn, in welcher sich auch die einzige Kasse des Skigebiets befindet. Das einzige Restaurant befindet sich gleich neben der Sesselbahnstation. Bei der Bahn handelt es sich um eine bis auf winzige Kleingkeiten absolut original erhaltene Städeli-Sesselbahn aus dem Jahr 1973, dem Gründungsjahr des Skigebiets. 40 Jahre ist die Sesselbahn nun tadellos in Betrieb. Lediglich Änderungen aufgrund neuer technischer Vorschriften wurden im Laufe der Jahre erfüllt, zudem haben die Lattensessel Komfortpolster erhalten. Nach der Sesselbahn Brüggerhorn in Arosa, die wir wenige Tage zuvor noch gefahren sind, ist das hier gleich der nächste Städeli-Oldtimer!

Pistenplan: http://www.infosnow.ch/~apgmontagne/?la … tab=map-wi

Idylle pur auf der Sesselbahn Chaux de Bavon

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Der Einstiegsbereich der Sesselbahn Chapelet-Chaux de Bavon mitsamt Städeli-typischem schönen Talstationsgebäude.

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Die Strecke führt über 400 Höhenmeter grösstenteils durch lichte Wälder. Abgesehen vom Rasseln der Niederhaltebatterien und einigen Vögeln ist es vollkommen still. Welch ein Kontrast zum Vortag!

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Impression während der Bergfahrt.

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Im oberen Streckendrittel finden sich nur noch vereinzelte Bäume und der Blick auf die beiden Talabfahrtsvarianten wird möglich. Ich denke, hier braucht es keine weiteren Worte! :)

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Gegen Ende wird die Strecke wieder etwas steiler. Im Gegensatz zu manchen anderen fix geklemmten Sesselbahnen kommt mir die lange Fahrzeit hier überhaupt nicht störend vor. Es ist derart entspannend, sanft und nahezu geräuschlos den Berg hinaufzuschweben, dass ich zwischenzeitlich fast das Fotografieren vergesse. Welch ein Glück, dass wir diesen Zustand im Jahr 2014 noch erleben dürfen! Eine kuppelbare Sesselbahn würde die Idylle hier völlig zerstören.

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An der Bergstation werden wir freundlich vom Liftwart begrüsst. Scheinbar sind wir die ersten Gäste heute. Beim Blick ins Tal fallen die bereits ausgeaperten Hänge auf der gegenüberliegenden Talseite auf.

Mit dem Schlepplift Vardette auf das Hochplateau

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Viele Möglichkeiten hat man von der Bergstation der Sesselbahn aus nicht, sodass wir zunächst einmal den Skilift Vardette aufsuchen. Seit 1998 dreht er an dieser Stelle seine Runden und war seinerzeit je nach Definition eine Neuerschliessung. Die Hänge wurden zuvor auf anderer Trasse erschlossen. Ein Städeli-Skilift von 1973 verlief im oberen Teil parallel zur Sesselbahn und ging noch ein Stück weiter den Berg hinauf, bis etwa zu der Stelle, an der der Skilift Vardette heute seine Bergstation besitzt.

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Unterwegs im Skilift Vardette, ein klassischer Skilift nach Bauweise Doppelmayr mit Gehängen derselben Firma.

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Gegen Ende wird der Skilift immer flacher und gleicht am Schluss eher einer Langlaufloipe. Dies ist vor allem seiner quer zum Hang liegenden Trasse geschuldet. Von der Bergstation aus ergeben sich aber einige anspruchsvollere Abfahrten. Gerade für weniger geübte Skifahrer ist die Linienführung somit optimal gewählt. Der Vorgänger, aus dieser Perspektive von links kommend, war wesentlich steiler.

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Die Bergstation auf 2178 Meter Seehöhe ist erreicht.

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Um 180° gedreht ergibt sich dieser Ausblick Richtung Nordosten.

Ungeplanter, genussvoller Abstecher ins Tal

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Obwohl wir es eigentlich gar nicht vorhaben, landen wir auf einer der beiden Talabfahrten. Es könnte uns jedoch schlimmer treffen, denn die Abfahrt mit ihrer bereits leicht firnigen Auflage ist mehr als genial zu fahren! Es ist einfach ein Genuss, wenn man beim Fahren ein dauerhaftes Grinsen im Gesicht hat!

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Eine Impression der wunderschön trassierten Talabfahrt.

Mit dem Schlepplift Chaux de Bavon zum höchsten Punkt des Skigebiets

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Nach einer weiteren Bergfahrt mit der Sesselbahn machen wir uns auf zur dritten Anlage im Gebiet, die gleichzeitig den höchsten Punkt auf 2260 Meter erschliesst: der Skilift Chaux de Bavon, eine Garaventa-Konstruktion, die hier 1998 durch Inauen-Schätti aufgestellt wurde. Gemäss im Internet zu findender Quelle handelt es sich hierbei um eine Occasionsanlage vom Jakobshorn in Davos. Wer genau hinsieht, erkennt, dass inzwischen noch ein dritter Skifahrer im Gebiet unterwegs ist ;) .

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Die Strecke über elf Zwischenstützen und knapp 300 Höhenmeter ist nicht allzu spektakulär, die Auswahl an Abfahrten dafür umso mehr. Sage und schreibe fünf verschiedene Varianten stehen einem an der Bergstation auf der Chaux de Bavon zur Verfügung.

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Panorama an der Bergstation des Skilifts Chaux de Bavon.

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Links, rechts, geradeaus? Wir machen noch die eine oder andere Fahrt, bis wir alle Pisten einmal gesehen haben. Nicht alle sind frisch präpariert, was aber absolut kein Problem darstellt. Dank des moderaten Gefälles laden alle Varianten zum genussvollen Carven ein.

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Auf einer anderen Piste am Skilift Chaux de Bavon. Die Berge im Hintergrund erinnern ja irgendwie stark an die Churfirsten.

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Wir haben viel Freunde beim Befahren immer anderer Pistenkombinationen vom höchsten zum tiefsten Punkt des Gebiets, das sich langsam mit weiteren Gästen füllt. Bis am Mittag sind etwa 20 Personen unterwegs.

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Mit einer letzten Fahrt am Skilift Chaux de Bavon beschliessen wir gegen 12.30 Uhr das Ende des Skitags in Vichères, um im Anschluss den Weg nach La Fouly anzutreten.

Alles weglassen, was nicht zwingend notwendig ist!

An der Talstation angelangt entscheiden wir uns spontan dazu, im anliegenden Restaurant eine Kleinigkeit zu essen. Das einzige Restaurant im Skigebiet liegt hier zweckmässig direkt an der Talstation, an der ohnehin jeder ständig vorbeikommt. Kein unnötig auf den Berg gepflanztes Panoramarestaurant, stattdessen einfach und zweckmässig. Genau wie die drei Seilbahnanlagen, die beiden Pistenraupen und die spärlich markierten Pisten. Frei nach dem Motto „alles weglassen, was nicht zwingend notwendig ist“ präsentiert sich das Skigebiet von Vichères und es ist letztlich doch genau das, was wir beim Skifahren so mögen: keine Pseudo-Wohlfühlatmosphäre, kein Micky-Maus-Plastik-Skischulland, kein Fun-Park, weil die eintönige und austauschbare Piste nebenan zu langweilig ist. Einfach pures Skifahren ohne Hindernisse – Idylle pur!

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