Rauris – Hochalm – Seilbahnunikate

Mit insgesamt neun seilgezogenen Aufstiegshilfen zählen die Rauriser Hochalmbahnen zu den eher kleineren Skigebieten im Salzburger Land. Die Gemeinde im gleichnamigen Tal zählt aber bereits seit sechs Jahrzehnten zu den festen Skigebietsgrössen im Bereich der Hohen Tauern. 1963 nimmt hier ein erster Schlepplift den Betrieb auf, heute dient eine Kabinenbahn als einer von zwei Zubringern in das Wintersportareal. Und genau diese Kabinenbahn ist auch aus Seilbahnsicht alles andere als uninteressant. Denn anders als viele ihrer Artgenossen bietet sie nicht nur eine ausgesprochen abwechslungsreiche Trassierung, sondern ist auch in punkto Kuppeltechnik ein spannendes und wegweisendes Exemplar.

Hochalmbahn in Rauris

Talstation der Hochalmbahn in Rauris

Zwei Sektionen Kabinenbahn von Rauris zur Hochalm

Die erste Sektion von Rauris zur Jackalm ist in erster Linie ein Zubringer, denn trotz Beschneiungsanlage ist der darunterliegende Sonnenhang in Sachen Skiabfahrt weit weniger interessant als die Pisten im oberen Teil des Skigebiets. Auf diesem Abschnitt ersetzt die Anlage eine fix geklemmte Zweiersesselbahn, die 1972 an dieser Stelle gemeinsam mit weiteren Schleppliften entsteht. 528 Meter Höhendifferenz überwinden die blauen Kabinen auf diesem Abschnitt, der gerade einmal rund 1260 Meter schräge Länge aufweist. Entsprechend steil geht es hinauf und innert weniger Minuten ist dank einer Fahrgeschwindigkeit von 5 m/s auch schon die Zwischenstation erreicht. Vor dem Bau der Hochalm-Kabinenbahn ist an dieser Stelle ein Umstieg auf den immer noch existierenden Doppelschlepplift Jackalm notwendig, denn die Zubringer-Sesselbahn endet auf dieser Höhe. Heute geht es an den Antrieben der beiden Sektionen vorbei direkt weiter zum nächsten Abschnitt.

Talstation der Hochalmbahn in Rauris

Bergfahrt zur Jackalm

Zwischenstation Jackalm

Dieser könnte nicht unterschiedlicher zum ersten ausfallen. Zwar überwinden die Kabinen auch hier rund 1,3 Kilometer Strecke, aber nur noch 278 weitere Höhenmeter. Entsprechend flach ist die zweite Sektion, die den Jackalm-Schlepplift nicht nur überquert, sondern ihn auf seiner kompletten Strecke faktisch doppelt. In weiten Teilen verläuft die Strecke hier durch den Nadelwald, bevor kurz darauf eine weitere Seilbahnanlage in Sichtweite kommt. Auch die Gipfelbahn, eine dritte Sektion Kabinenbahn, überquert die Hochalmbahn auf ihrer Reise zur Bergstation. Diese nimmt erst 2002 und damit ein knappes Jahrzehnt nach den unteren beiden Abschnitten den Betrieb auf und ist eine reine Beschäftigungsanlage. Sie entsteht damit zu einer Zeit, als sich die Herstellervielfalt bereits stark dezimiert hat. Wenig überraschend stammt sie daher aus dem Hause Doppelmayr, dem seinerzeit einzigen verbliebenen österreichischen Konstrukteur auf dem Gebiet kuppelbarer Einseilumlaufbahnen.

Hochalmbahn mit Jackalm-Schleppliften

Hochalmbahn mit Gipfelbahn in Rauris

Hochalmbahn in Rauris

Kuppelvielfalt in Österreich

1993 beim Bau der Hochalmbahn ist das noch anders. Und so beauftragt man in Rauris damals einen Hersteller, der heute längst nicht mehr im Seilbahnbau tätig ist. Die Firma Wopfner zählt jedoch während Jahrzehnten zu den festen Grössen der österreichischen Seilbahnwelt. Schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs steigt der Hersteller aus der Nähe von Innsbruck in den Bau fix geklemmter Einersesselbahnen ein. Unzählige derartige Exemplare nehmen in den folgenden Jahrzehnten in Österreich den Betrieb auf, später folgen auch immer häufiger Anlagen mit zweiplätzigen Sesseln. Wie so viele andere Konstrukteure erkennt aber auch Wopfner in den 80er Jahren, dass eine rein fix geklemmte Produktpalette auf die Dauer nicht mehr den Kundenbedürfnissen entsprechen wird.

Kuppelbare Anlagen mit automatisch in den Stationen vom Förderseil lösbaren Fahrzeugen erlauben viel höhere Geschwindigkeiten auf der Strecke, entsprechend geringere Fahrzeiten und höhere Förderleistungen. Die nationale Konkurrenz in Form von Swoboda, Doppelmayr und Girak setzt zu dieser Zeit nach anfänglichem Rückgriff auf Schweizer Systeme in Lizenz mittlerweile teils auch eigene Kuppelsysteme ein. Wopfner entscheidet sich daher ebenfalls zur Entwicklung eines neuartigen und eigenen Systems, das 1989 bei einer ersten kuppelbaren Zweiersesselbahn in Scharnitz das Licht der Welt erblickt. Wie bei seinen Konkurrenten handelt es sich um eine bistabile Klemme, also eine Konstruktion mit zwei festen Endstellungen. Die Spiralfederklemme wird dazu bei der Einfahrt in die Station über einen Totpunkt hinaus in eine offene Endstellung bewegt, woraufhin sie die Station im offenen Zustand durchfährt. Erst bei der Ausfahrt wird die Klemme dann erneut betätigt und wieder geschlossen.

Wopfner-Klemme in geschlossenem Zustand am Seil

Wopfner-Klemme in geöffnetem Zustand

Bergstation der Hochalmbahn

Wopfner-Klemmen für Rauris

Schon kurz nach dem Prototyp folgen 1990 eine kuppelbare Vierersesselbahn und eine Kabinenbahn mit sechsplätzigen Fahrzeugen. Das System ist entpuppt sich als veritable Alternative zu den bereits länger am Markt erhältlichen Kuppelklemmen, und so entscheiden sich auch die Rauriser Hochalmbahnen 1993 für Wopfner als Konstrukteur der Hochalmbahn. Erstmalig entsteht daraufhin eine Anlage mit zwei Sektionen und Durchfahrbetrieb mit den charakteristischen Klemmen. Weil Wopfner Mitte der 90er Jahre allerdings in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, findet die Seilbahnproduktion des traditionsreichen Herstellers ein abruptes Ende. Auch die hauseigene Kuppeltechnik scheint damit begraben.

Doch das System ist auch in der Folge nach wie vor auf der Höhe der Zeit. Und so dauert es nicht lange, bis sich mit der Loipolder Seilbahntechnik eine deutsche Firma findet, die ihr Interesse an einer Lizenz bekundet. 2004 entsteht daraufhin eine Anlage mit Wopfner-Kuppelklemmen in Rüdesheim am Rhein, zwei Jahre später auch im Skigebiet Oberaudorf in Bayern. Nur kurze Zeit später greift auch die Schweizer Firma Bartholet auf die Wopfner-Ideen zurück. Das Unternehmen aus Flums ebnet sich mit dieser Technologie den Weg auf den Markt der kuppelbaren Seilbahnen und zählt heute zu den festen Grössen in der Branche. Wopfner-Klemmen schaffen es daraufhin in die ganze Welt. Ihr Ursprung lässt sich in Rauris heute noch immer erleben.

Bergstation der Hochalmbahn

Hochalmbahn in Rauris

Hochalmbahn in Rauris

Hochalmbahn in Rauris

Kurzbügler mit Liftomat

Übrigens hat Rauris nicht nur in Sachen kuppelbarer Einseilumlaufbahnen aus Seilbahnsicht Interessantes zu bieten. Gleich neben der Bergstation der Hochalmbahn trifft man auf den Gratlift, der auch heute noch, genau wie vor 50 Jahren, mit Kurzbügeln ausgestattet ist. Das alleine macht ihn mittlerweile schon aussergewöhnlich, noch viel kurioser ist aber, dass er als einer der letzten noch mit einem Liftomat ausgestattet ist. Dieser Anbügelautomat nimmt dem Liftwart das kräftezehrende Ausziehen der Bügel ab. Ein interessantes Prinzip, das mit der Erfindung des Selbstbedienungs-Langbügels ab Mitte der 70er Jahre aber zunehmend an Bedeutung verliert. In Rauris lässt es sich aber auch heute noch bestaunen.

Talstation des Gratlifts in Rauris mit Liftomat-Anbügelautomat für Kurzbügel

Gratlift in Rauris

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