Wandern im Nationalpark Mercantour in den Seealpen

Seit seiner Gründung im Jahre 1979 ist der Nationalpark Mercantour mit einer Fläche von 215.000 Hektar der zweitgrößte in Metropolitan-Frankreich. Der Park erstreckt sich über die Départements Hautes-Alpes und Alpes-Maritimes im äußersten Nordosten der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Damit befindet er sich inmitten der französischen Seealpen, unweit der Grenze zum Nachbarland Italien. Jenseits der Grenze befindet sich mit dem Parco Naturale delle Alpi Marittime ein weiteres geschütztes Landschaftsareal.

Beeindruckendes Panorama, artenreiche Flora und Fauna

Dank der Lage in den hohen Seealpen findet sich im Nationalpark Mercantour eine artenreiche Flora und Fauna. Neben zahlreichen Raubvogelarten sind Murmeltiere entlang der Straßen und Wanderwege durch den Park stetige Begleiter. Auch Gämsen, Mufflons und Steinböcke lassen sich mit etwas Glück beobachten. Letztere wurden zu Beginn der 1920er Jahre auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks wieder angesiedelt. Seit Ende des 20. Jahrhunderts sind auch aus Italien eingewanderte Wölfe im Nationalpark Mercantour heimisch.

Der Park ist wie viele andere Nationalparks in Frankreich aufgeteilt in zwei Bereiche. Der äußere Teil umfasst unter anderem diverse Dörfer, der innere, besonders geschützte Bereich ist dagegen unbewohnt. In diesem Teil gelten besondere Verhaltensregeln. Insbesondere ist das Übernachten grundsätzlich untersagt. Eine Ausnahme stellt ein Biwak dar, sofern man sich mehr als eine Stunde Fußmarsch vom Rand des Parks entfernt befindet. Allgemein gilt aber natürlich auch hier der Grundsatz, der überall in der Natur befolgt werden sollte: „Take nothing but photographs, leave nothing but footprints.“

Landschaft im Nationalpark Mercantour

Wege in den Nationalpark Mercantour

Der Eintritt in den Park ist kostenfrei und kann über zahlreiche Zufahrtsstraßen erfolgen. Die mit Sicherheit landschaftlich spektakulärste Route führt über die 2.802 Meter hoch gelegene Straße der Cime de la Bonette im östlichen Teil des Parks. Ohne große Anstrengung lässt sich hier das einzigartige Panorama über die höchsten Gipfel des Mercantour genießen. Beeindruckend ist die Route aber nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass sie auf ihren 50 Kilometern von Jausiers nach Saint-Étienne-de-Tinée nahezu alle Vegetationszonen der Alpen durchquert.

Wirklich nah kommt man der Natur aber erst dann wirklich, wenn man einen der zahlreichen Wanderwege im Park begeht. Unter anderem queren die Fernwanderwege Via Alpina, GR5 und GR52 den Nationalpark Mercantour. Wer eher an einer Tagestour interessiert ist, für den ist der Bereich rund um die Pässe Allos und Cayolle im nordwestlichen Teil des Nationalparks besonders interessant.

Passstraße zum Col de la Cayolle im Nationalpark Mercantour

Wandern im Herzen des Nationalparks Mercantour

Lac d’Allos zum Einstieg

Eine leichte, aber sehr lohnende Wanderung zum Einstieg führt zum 2.230 Meter hoch gelegenen Lac d’Allos. Der natürliche See liegt inmitten eines großen Kessels mit zahlreichen beeindruckenden Felsspitzen rundherum. Erreichbar ist der See von der Ortschaft Allos, die sich auf der Südrampe des gleichnamigen Passes befindet. In Allos zweigt eine kurvenreiche, aber gut ausgebaute Straße ab, die nach einer knappen Viertelstunde Fahrzeit zum Parking de la Cluite führt. Dieser Parkplatz ist kostenfrei und der See in rund 2,5 Stunden Wanderung erreichbar. Alternativ besteht die Möglichkeit, von hier noch weiter bis zum Parking du Laus zu fahren. Die Straße dorthin ist in der Sommersaison von Juni bis Anfang September mautpflichtig. Zwischen 8.30 Uhr und 17 Uhr kostet das Befahren der Straße ab der Mautstation hinter dem Parking de la Cluite acht Euro für Automobilisten. Außerhalb dieser Zeiten kann die Straße (auch in der Sommersaison) kostenfrei befahren werden.

Vom Parking du Laus ist der Lac d’Allos je nach Marschtempo in 35-45 Minuten erreichbar. Der Weg dorthin ist größtenteils als Fahrstraße ausgebaut und daher recht einfach zu begehen. Unterwegs führt der Weg an einigen rauschenden Wasserfällen vorbei. Besonders eindrücklich ist die Wanderung auch deshalb, weil der See bis kurz vor Ende nicht sichtbar ist. Erst nach dem Überschreiten einer eiszeitlichen Moräne liegt einem der Lac d’Allos zu Füßen. Am nördlichen Seeufer befindet sich ein Refuge, das im Sommer für eine Stärkung aufgesucht werden kann und auch eine Möglichkeit zur Übernachtung bietet.

Wegweiser zum Lac d'Allos

Sonnenaufgang am Lac d'Allos im Nationalpark Mercantour

Sonnenaufgang am Lac d'Allos im Nationalpark Mercantour

Vorbei an dem Refuge führt der Wanderweg weiter um den See herum. Besonders reizvoll ist eine Begehung in den frühen Morgenstunden oder kurz nach Sonnenaufgang. Zu dieser Zeit sind zahlreiche Tiere entlang des Wegs zu beobachten. Insbesondere Murmeltiere finden sich in großer Zahl.

Murmeltier im Nationalpark Mercantour

Mont Pelat für Panorama-hungrige Bergsteiger

Auch für eine Besteigung des 3.053 Meter hohen Mont Pelat eignet sich der Parkplatz Le Laus als Ausgangspunkt. Der Berg ist der höchste Gipfel des Massif du Pelat und bietet ein fantastisches 360°-Panorama über die Berge des Mercantour. Vom Lac d’Allos aus führt ein Wanderweg in rund drei Stunden auf den Gipfel. Der Weg ist dabei nur selten exponiert und somit ohne größere Schwierigkeiten zu begehen.

Mont Pelat im Nationalpark Mercantour

Alternativ kann der Mont Pelat auch von dem weiter östlich gelegenen Col de la Cayolle erreicht werden. Dieser in 2.326 Meter Höhe gelegene Passübergang ist Teil der Route des Grandes Alpes, verkehrstechnisch aber eine eher unbedeutende Nebenstraße. Auf der Passhöhe befindet sich ein nicht allzu großes Parkareal, das sich als Ausgangspunkt für die Wanderung anbietet. Der Aufstieg zum Mont Pelat nimmt von hier aus etwa vier Stunden in Anspruch. Der Grund für die etwas längere Marschzeit liegt in der Überschreitung des Col de la Petite Cayolle. Dieser Pass in gut 2.600 Metern Höhe muss überwunden werden, ehe ein längerer Abstieg auf der Westseite folgt. In 2.400 Metern Höhe mündet der Weg schließlich auf die Route, die vom Lac d’Allos hinaufführt.

Passhöhe am Col de la Cayolle

Parkplatz auf dem Col de la Cayolle

Landschaft im Nationalpark Mercantour am Col de la Cayolle

Circuit des Lacs am Col de la Cayolle

Der Col de la Petite Cayolle ist auch Teil einer Rundwanderung, die am Parkplatz auf dem Col de la Cayolle beginnt. In rund drei Stunden führt der Weg über den angesprochenen Passübergang und folgt dann dem Grat, der die Täler des Var im Osten und des Verdon im Westen trennt, nach Süden. Unterwegs passiert man zahlreiche kleinere Gebirgsseen, die der Wanderung den Namen Circuit des Lacs verleihen.

See am Col de la Petit Cayolle

Landschaft im Nationalpark Mercantour am Lac d'Allos

Col de la Petit Cayolle im Nationalpark Mercantour

Über den Col des Champs nach Colmars-les-Alpes

Eine Straßenverbindung zwischen dem Var- und dem Verdon-Tal besteht – zumindest im Sommer – ebenfalls. Der Col des Champs ermöglicht den Übergang in 2.087 Metern Seehöhe. Anders als die beiden weiter nördlich gelegenen Pässe Col de la Cayolle und Col d’Allos ist der Col des Champs allerdings eine eher unbedeutende Verbindung. Die Straße ist auf der Ostrampe von Saint-Martin-d’Entraunes bis zur Passhöhe gut ausgebaut. Die Westseite nach Colmar-les-Alpes ist dagegen sehr schmal, kurvenreich und teilweise in schlechtem Zustand.

Gerade wegen seiner geringen Bekanntheit ist eine Fahrt über den Col des Champs aber sehr lohnend. Das Verkehrsaufkommen ist gering und auf der Passhöhe gibt es lediglich einen kleinen Parkplatz ohne die sonst üblichen Restaurationsbetriebe und Verkaufsstätten. Diese finden sich dafür in großer Zahl in dem Alpendorf Colmars, das mit seiner Stadtmauer und weiteren gut erhaltenen historischen Bauwerken ebenfalls einen Stopp wert ist.

Landschaft am Col des Champs

Passhöhe am Col des Champs

Felix ist Fotograf und Autor, spezialisiert auf Landschafts- und Reisefotografie und zu Hause im Saarland und der ganzen Welt. Wenn er nicht gerade in der Natur oder den Bergen unterwegs ist, schreibt er hier über seine Reisen, die Fotografie oder über sein liebstes Fortbewegungsmittel, die Seilbahn.

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