Seilbahn-Nostalgie in Gstaad – Zweisimmen – Schönried

Endlich mal ein Wochenende mit drei Tagen schönem Wetter. Das wäre schon was. Seit Januar warte ich darauf, dass sich eine Gelegenheit ergibt, dem Berner Oberland nach vielen Jahren wieder einmal einen Besuch abzustatten. Normalerweise läute ich meine Seilbahn-Safari-Jahreszeit frühestens im März ein. In der Regel besseres Wetter, weniger Andrang und vor allem wärmere Temperaturen machen das Fotografieren deutlich angenehmer als im Hochwinter. Diesmal habe ich jedoch keine wirkliche Wahl. Wenn ich erst im März aufbreche, werde ich an meinem anvisierten Ziel vor verschlossenen Türen stehen.

Nostalgische Kabinenbahnen in Schönried und Gstaad

Aber zunächst der Reihe nach. Vor einiger Zeit habe ich mir das Ziel gesetzt, möglichst alle nostalgischen kuppelbaren Kabinenbahnen der ersten Generation in der Schweiz und im näheren Umland fotografisch abzulichten und für die Nachwelt zu erhalten. Allzu gross ist die Auswahl freilich nicht mehr. Die Region zwischen Zweisimmen und Gstaad im westlichen Berner Oberland ist ein ganz wesentlicher Bestandteil meiner Planungen. Nicht weniger als drei Seilbahnanlagen aus dieser Kategorie finden sich hier auf engstem Raum. Und alle sind es absolute Unikate. Doch nicht mehr lange. Schon im kommenden Sommer soll mindestens die Bahn zum Saanerslochgrat verschwinden, die zweite am Eggli spätestens im Jahr darauf. Wie es am Rellerli nach 2018 weitergeht, steht ebenfalls noch in den Sternen.

Letztere Seilbahn ist auch der Grund für meinen vorgezogenen Besuch. Das Rellerli als relativ niedrig gelegener Südhang schliesst seine Pforten traditionell bereits Ende Februar. Im Sommer gäbe es zwar auch noch die Gelegenheit für eine Fahrt mit der dortigen Kabinenbahn, dann aber ist es für die anderen beiden zu spät. Zudem gibt es noch einige weitere kuppelbare Bahnen in der besagten Region, bei denen ich auf eine Fahrt hoffe. So warte ich geduldig auf eine passende Gelegenheit, ein Wochenende mit möglichst passenden Rahmenbedingungen zu finden. Alle Anlagen an einem Tag abzugrasen ist ohnehin ein strammes Programm, sodass ich lieber gleich für ein paar Tage anreisen will und noch das eine oder andere weitere Skigebiet aufsuchen will. Wie es dann aber immer so ist, kommt doch jedes Mal wieder etwas dazwischen.

Ein langer Tagesausflug von Graubünden ins Berner Oberland

Ende Februar ziehe ich schliesslich die Reissleine und breche letztlich nur für einen Tagesausflug in den Kanton Bern auf. Es will sich einfach keine mehrtägige sonnige Phase ergeben, sodass ich eines frühen Montagmorgens im Bündnerland aufbreche. Um 5.00 Uhr klingelt mein Wecker, eine halbe Stunde später brause ich bereits über die noch völlig leere A3 von Chur in Richtung Zürich. So leer bleibt es auf den Strassen aber leider nicht. Bis zum Zürichsee komme ich noch gut voran, auch über den Hirzel kann ich meine Fahrt noch normal fortsetzen. Kurz hinter Sihlbrugg ereilt mich dann aber doch das Pendlerschicksal. Bis Luzern geht es nur stockend voran. Damit habe ich aber gerechnet und entsprechend mehr Zeit eingeplant.

Während meiner Fahrt über den Brünigpass wird es stetig heller. Der seit Tagen vorherrschende Hochnebel lockert sich aber noch nicht so schnell wie angekündigt. Da und dort blitzt eine verschneite Bergspitze im Morgenlicht hervor, ab Meiringen ist es aber wieder eine graue Angelegenheit. Soll ich also doch Pech haben und den Tag nicht an der Sonne verbringen können?

Als ich den Thuner See rechter Hand liegen lasse und ins Simmental einbiege, sieht es deutlich besser aus. Der Hochnebel hält sich nur noch über den grossen Gewässern des östlichen Berner Oberlands. In Richtung Westen ist der Himmel blau. Noch, denn bereits für den Nachmittag ist die nächste Wetterverschlechterung aus Westen angekündigt.

Tagesauftakt am Rellerli in Schönried

So treffe ich planmässig gegen 9 Uhr an der Talstation der Rellerlibahn in Schönried ein. Die ersten Skifahrer sind bereits unterwegs, das Dorf wirkt trotz des strahlenden Sonnenscheins aber noch recht verschlafen. Eine Tageskarte für 63 CHF ist schnell gelöst, sodass ich wenige Minuten später bereits meine Kabine für die Bergfahrt in Empfang nehmen kann.

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Unterwegs auf dem untersten Streckenabschnitt. Zum ersten Mal seit 2006 schwebe ich wieder in Richtung Rellerli.

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Weiter oberhalb kommt einer der Hauptgründe für den Besuch bereits in Sicht. Die Rellerlibahn besitzt etwa in der Streckenmitte eine aufwendige Fachwerkkonstruktion, bei der das Förderseil über schräge Rollen in der Horizontalen abgelenkt wird. Bereits die Vorgängersesselbahn von Baco besass an dieser Stelle eine Kurve. Die Trassierung musste aufgrund fehlender Überfahrtsrechte auf dem Direktweg zum Rellerli so gewählt werden. Die Sesselbahn war 1971 weltweit die erste, die mit dem Baco-Kurvensystem ausgestattet wurde. Nur zehn Jahre später folgte der Ersatz durch die Kabinenbahn.

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Zu einer genaueren Betrachtung der Kurve kommen wir später noch, nun geht es aber erst einmal weiter zur Bergstation. Auch pistenmässig sieht das schonmal sehr lecker aus!

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In der Bergstation mit ihrem lauten Antrieb. Als eine der ersten Kabinenbahnen mit Giovanola-Klemme wurde die Bahn nicht mehr mit schiefen Ebenen, sondern mit Gummibandbeschleunigern und -verzögerern ausgestattet.

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Aussicht vom Rellerli auf die Berner Alpen und einige Walliser Gipfel im Hintergrund.

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Und mit der formschönen Habegger-Fachwerkkunst im Vordergrund sieht das Ganze doch gleich noch viel besser aus ;-) .

Der Doppelschlepplift Hugeli

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Über einen Ziehweg erreiche ich den Doppelschlepplift Hugeli. Unschwer erkennbar handelt es sich um eine typische Baco-Anlage, wenngleich mit der selten eingesetzten Doppel-Variante der klassischen Schräg-T-Stützen.

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Der sichtbar geringe Andrang sorgt dafür, dass nur der linke Lift mit Röhrs-Gehängen in Betrieb ist. Der rechte besitzt Habegger-Einzugsapparate und hat heute nichts zu tun.

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Anders als die restlichen Stützen ist die letzte vor der Bergstation in Portalbauweise ausgeführt.

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Die direkte Abfahrt entlang der Schlepplifte sieht zwar nett aus, aber skifahren ist bei dem ausgiebigen Foto- und Filmprogramm heute nur Nebensache. Daher geht es gleich wieder zurück zur Rellerli-Bergstation.

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Unterwegs fällt der Blick auf die „Gstaader Dolomiten“, die Videmanette. Von Rougemont ist sie mit einer spektakulären Kabinenbahn erschlossen, die 2010 eine Anlage aus dem Hause Müller ersetzte. Verbunden ist das Skigebiet mit dem Eggli, einem der Hausberge des mondänen Gstaad. Skifahrerisch kann man das Gebiet leider komplett vergessen, wie ich bei meinem Besuch 2010 feststellen musste.

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Auch in Richtung Waadtland ist das Wetter nach wie vor bestens. Die für den Nachmittag angekündigte Wetterverschlechterung ist noch nirgendwo auszumachen – sehr gut!

Der letzte Montag am Rellerli?

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Der Schlepplift Rellerli doppelt im oberen Teil der schwarzen Abfahrt ins Tal die Kabinenbahn und ist für sich genommen relativ uninteressant. In erster Linie dient er als Rückbringer von den Hugeli-Schleppliften zum Rellerli und ist ähnlich wie diese heute nur wenig frequentiert. Auch dieser Baco-Schlepplift ist heute eigentlich nur Beiwerk. Aber da das heute der letzte Montag in der 47-jährigen Skigeschichte des Rellerli sein könnte, muss ich ihn natürlich wenigstens einmal fahren.

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Die Kabinenbahn ist nicht nur in technischer Hinsicht weitaus interessanter, sondern auch deutlich fotogener. 2011 wurde die Bahn von den Besuchern von www.bergbahnen.org zur herausragendsten Schweizer Seilbahn gewählt.

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Auch im Gegenlicht macht das Fachwerk eine gute Figur. Und auch die Piste ist ein Genuss an diesem Vormittag. Zu gerne würde ich auch die zahlreichen abgelegenen Pisten vom Hugeli ins Tal ausprobieren, aber dafür bleibt vermutlich keine Zeit. Falls doch, will ich sie bei meiner geplanten Rückkehr zum Parkplatz am Nachmittag gegebenenfalls noch ausprobieren.

Die berühmte Kurve der Rellerlibahn

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Nun geht es aber erst einmal zu der Kurve, die die Bahn zu einem absoluten Unikat macht. Giovanola-Klemmen sind mittlerweile ja schon selten genug, aber das hier ist natürlich noch eine Nummer genialer! Die horizontale Ablenkung erfolgt ausschliesslich über die Tragebatterien. Bei den Niederhaltern ist das nicht möglich, da beim Giovanola-System das Seil beim Befahren durch eine Klemme von den Rollen abgehoben wird.

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Erstmalig von der Firma Neyret-Belier bei einer Zweierkabinenbahn in den französischen Alpen eingesetzt ist diese Bahn die letzte noch bestehende mit einer solch aufwendigen Kurvenkonstruktion. Schräge Rollen findet man beispielsweise auch in Saas Grund am Hohstock, aber das hier ist natürlich eine ganz andere Hausnummer. Auch aus fotografischer Sicht ist das Motiv ein absoluter Leckerbissen!

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Nach nur einer Stunde treffe ich bereits wieder an der Talstation ein. Einige Fotos und Filme der steilen Ausfahrt stehen noch auf dem Programm, bevor ich die Ski schultere und einen kurzen Marsch durch Schönried in Angriff nehme.

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Ein letzter sehnsüchtiger Blick auf diesen überaus genialen Skiberg.

Das Rellerli – ein genialer Skiberg

Fast zwölf Jahre sind vergangen, seit ich im Sommer 2006 letztmalig am Rellerli war. Wie doch die Zeit vergeht! Und irgendwie kann ich es noch gar nicht wirklich glauben, dass das womöglich auch mein letzter Besuch sein wird. Ob sich am Rellerli im nächsten Winter noch einmal die Rollen drehen? Momentan weiss das noch niemand so genau. Im nächsten Sommer wird die Kabinenbahn nochmals den Betrieb aufnehmen, aber danach ist möglicherweise Schluss. Zumindest für die einmalige Habegger-Bahn, denn wenn es überhaupt weitergeht, dann wohl nur mit einer Ersatzanlage. Ein Jammer, dass man überhaupt in Erwägung zieht, diesen genialen Skiberg aufzugeben.

Natürlich sind die wirtschaftlichen Gründe irgendwo verständlich. Südhang, geringe Höhenlage, kaum Beschneiung, kurze Saison, zahlreiche andere Skigebiete in der Umgebung. Und doch ist es irgendwie paradox, dass man stattdessen weiter in ein Skigebiet wie das Eggli investiert, das man aus skifahrerischer Sicht auch heute noch allerhöchstens als „mondänes Mittelmass“ bezeichnen kann. Ein reines Gebiet für die Alibi-Skifahrer aus den Chalets in Gstaad. Aber dementsprechend mit der zahlungskräftigeren Klientel. Verkehrte Welt.

Eine Runde von Schönried über Saanenmöser nach Zweisimmen und zurück

In diesen Gedanken versunken marschiere ich durch Schönried, mein nächstes Ziel stets im Blick. Die Sesselbahn zum Horneggli auf der anderen Talseite ist nur drei Jahre jünger als die Kabinenbahn zum Rellerli und ein ähnliches Unikat. 1984 ersetzte sie einen Kombilift von Habegger und war seinerzeit die erste Sesselbahn der Schweiz mit Wetterschutzhauben nach heutigem Verständnis. Versuche gab es vereinzelt zwar schon viel früher – man denke nur an die Sesselbahn am Chasseral – aber die Bahn hier in Schönried kann man durchaus als Geburtsstunde der modernen Haubensesselbahn ansehen.

Als eine der ersten Bahnen wurde sie mit der von den mittlerweile fusionierten Firmen Von Roll und Habegger mit der neu entwickelten VH400-Kuppelklemme ausgestattet. Die bistabile Klemme stellt eine Kombination der Vorgängersysteme beider Firmen dar und nutzt sowohl eine Tellerfeder als auch die Gravitation zum Aufbringen der Klemmkraft. Bis zur Aufgabe der Seilbahnsparte Mitte der 90er Jahre setzte Von Roll diese Klemmenidee in leicht modifizierter Form ein. Später kamen auch Doppelklemmen zum Einsatz, bei den dreiplätzigen Sesseln am Horneggli handelt es sich dagegen um die einfache Variante.

Von Schönried auf das Horneggli

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Ausfahrt aus der Talstation mit einem Portalniederhalter in Fachwerkbauweise. Die blauen Sessel sind noch im Originalzustand und stammen aus der Feder des Berner Herstellers De Giorgi.

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Wie üblich bei Von Roll gibt es keine Lichtschranke, die Personen am Einstieg erkennt. Daher wird die Haube bei der Stationsausfahrt immer geschlossen, auch wenn Personen auf dem Sessel sitzen. Das führt meist zu ziemlich chaotischen Szenen auf den ersten Streckenmetern. Aber auf dieses Konzept setzt man heute ja auch wieder mit automatischen Schliessbügeln… Linker Hand stand übrigens ab Anfang der 80er einer der seltenen Küpfer-Schlepplifte mit zwei Förderseilen. Mitte der 90er war schon wieder Schluss. Mit zwei Kurven war der Lift zwar technisch spannend, aber als kurze Beschäftigungsanlage für Skifahrer wohl zu uninteressant und unwichtig.

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Die Strecke ist nie wirklich steil, aufgrund ihrer Länge von rund zwei Kilometern überwindet die Bahn aber letztlich doch stattliche 536 Höhenmeter. Dieses Foto entsteht während des dritten von insgesamt vier Stopps auf der Strecke. Sportferienzeit…

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Im oberen Streckendrittel, das durch einen malerisch verzuckerten Nadelwald führt. Rechter Hand befindet sich mit dem Schlepplift Läger eine zusätzliche Anlage in diesem Bereich, die noch etwas weiter hinaufführt. Wenn er denn fahren würde! Leider ist der Lift schon seit einigen Jahren stillgelegt und eine Wiedereröffnung ist angesichts der angespannten finanziellen Lage der Bergbahngesellschaft äusserst unwahrscheinlich. Schade, denn auch wenn der Lift kurz ist, würde er doch einige interessante Pisten erschliessen.

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Die Bergstation im passenden Chaletstil und mit typischem Von-Roll-Blau.

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Wunderschön anzusehen auch die letzte Fachwerkstütze vor der Bergstation. Möge sie noch lange ihre Runden drehen!

Zwischenstopp am Lätz Güetli

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Nanu? Plötzlich sind die Sessel weiss? Nicht ganz, denn hier befinde ich mich schon unter der baugleichen, aber zwei Jahre jüngeren Anlage am Hornberg. Dieser will ich im weiteren Tagesverlauf auch noch einen Besuch abstatten, als nächstes geht es aber erst einmal zum …

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… Schlepplift Lätz Güetli. Genau wie die Sesselbahn zum Hornberg erfolgte der Bau dieses Schlepplifts im Sommer 1986. Jenes Jahr bedeutete in der Geschichte des Skigebiets Schönried-Saanenmöser eine einschneidende Wende. Bis zu diesem Winter diente noch immer der Funischlitten aus den 30er Jahren in zwei Sektionen als Hauptzubringer in den Sektor Hornberg. Der kurze Schlepplift Lätz Güetli diente als Beschäftigungsanlage im Tal. Die Sesselbahn ersetzte die zweite Sektion der Funischlitten, der Schlepplift Lätz Güetli wurde auf neuer Trasse verlängert und ersetzte so auch die erste Sektion des Funis.

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Auch dieser Schlepplift war zwischenzeitlich schon stillgelegt und steht wohl auch immer noch auf der Abschussliste. Spätestens mit dem Neubau der Saanerslochgratbahn wird er strategisch noch unwichtiger, daher könnte diese Fahrt bereits meine erste und letzte sein.

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Beide Besonderheiten des Schlepplifts sind auf diesem Foto erkennbar. Zum einen sind zwischen den Bügeln auch immer wieder einzelne Teller montiert, zum anderen macht der Lift eine Bananenkurve nach links, die sich über mehrere Stützen hinweg zieht.

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Eine schöne, ruhige Ecke im heute sonst so überlaufenen Skigebiet. Bleibt zu hoffen, dass diesen Lift nicht dasselbe Schicksal ereilt wie den Lägerlift.

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Nach dem kurzen Abstecher komme ich aber endlich zum zweiten wirklich wichtigen Tagesziel – die Saanerslochgratbahn, die im kommenden Sommer ersetzt wird.

Zur Geschichte der Saanerslochgratbahn

1980 schlug hier am Saanerslochgrat die grosse Stunde der Firma Baco. Das Steffisburger Unternehmen war zu diesem Zeitpunkt seit über 20 Jahren im Bau von Schleppliften und fix geklemmten Sesselbahnen tätig. Das eigens entwickelte Kurvensystem für Einseilumlaufbahnen war ein Exportschlager, der in ganz Europa in Lizenz genutzt wurde. Zu Beginn der 80er Jahre übernahm Baco die Generalvertretung des französischen Herstellers Poma in der Schweiz. Poma zählte zu jener Zeit zu den führenden Herstellern im Bau kuppelbarer Einseilumlaufbahnen. Die Eiergondelbahnen aus Grenoble hatten Kultstatus erlangt und seit einigen Jahren umfasste die Produktpalette auch Anlagen mit sechsplätzigen Kabinen.

Ausgestattet waren die Kabinenbahnen mit der in den 60er Jahren patentierten Klemme der Savoyer Firma Sacmi, die in Sachen Popularität durchaus mit dem Giovanola-System vergleichbar war. Und so ging der Auftrag zum Bau einer Kabinenbahn in Saanenmöser nicht an die etablierten Hersteller Von Roll oder Habegger, sondern an die Firma Baco. Und damit entstand 1980 erst- und einmalig in der Schweiz eine Anlage mit der französischen Sacmi-Klemme. Bei den späteren von Baco gebauten Anlagen mit Kuppeltechnik von Poma kam eine neuere Entwicklung mit Schraubenfedern zum Einsatz.

Doch nicht nur für Baco, sondern auch für Saanenmöser bedeutete der Neubau der Anlage einen gewaltigen Schritt. Zum einen konnte für den völlig überlasteten Funischlitten zum Hornberg eine Entlastung geschaffen werden, gleichzeitig konnte mit dem Saanerslochgrat aber auch ein neuer Skigipfel erschlossen werden. Baco erstellte in jenem Jahr zusätzlich einen kurzen Schlepplift am Saanerslochgrat und darüber hinaus eine weitere Sesselbahn. Diese verband fortan als Berg-Tal-Berg-Bahn den Saanerslochgrat mit dem Parwengesattel und schuf somit eine Anbindung an das kleine Skigebiet in St. Stephan. Damit wuchs das Skigebiet innerhalb eines Jahres auf fast die doppelte Grösse an.

Nostalgiefahrt Rücken an Rücken

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Genauso lengendär wie die Klemmen sind die Kabinen der Bahn. Anders als sonst üblich sitzt man hier Rücken an Rücken und geniesst so einen weitaus besseren Ausblick. Zum Fotografieren und Filmen ideal – schade, dass sich das nicht durchgesetzt hat. Nur hier und in Crans-Montana entstanden Anlagen mit diesen Kabinen in der Schweiz.

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Noch auf dem ersten Streckendrittel befindet sich eine Zwischenstation. Das Förderseil läuft hier durch, es liegt also keine Sektionentrennung vor. Die Station dient zur horizontalen Ablenkung des Förderseils, aber auch als Ein- und Ausstiegsmöglichkeit. Gleich nebenan beginnt die Sesselbahn zum Hornberg.

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Es surrt, brummt und klappert während der Fahrt, dass es eine wahre Freude ist. Auf der zweiten Streckenhälfte wird die Trassierung interessanter und verläuft fernab der Pisten. Fast drei Kilometer misst die schräge Länge dieser Monsteranlage.

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Kurz vor der Bergstation dringt die Bahn in eine weitere neue Geländekammer vor. Viel abwechslungsreicher hätte man die Bahn nicht trassieren können.

Die Sesselbahnen Chaltebrunne

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Kaum habe ich die Bergstation verlassen, fällt mein Blick unweigerlich auf die ebenfalls hier oben endende Sesselbahn Chaltebrunne-Saanerslochgrat. Gemeinsam mit ihrer Schwesteranlage auf der anderen Seite des Talkessels stellt sie die Verbindung zum Parwengesattel und damit nach St. Stephan sicher. Darüber hinaus erschliessen die beiden Bahnen aber auch eine ganze Reihe von kurzen, aber durchaus steilen und interessanten Abfahrten.

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Unschwer erkennbar handelt es sich bei den beiden Bahnen um Standardware aus dem Hause Doppelmayr. Mit nerviger Kindersicherung, aber immerhin noch ohne die unsäglichen Stummelfussraster. Seit 2008 sind die beiden vollständig unabhängigen Anlagen in Betrieb und ersetzten ein echtes Kuriosum. Die angesprochene fix geklemmte Sesselbahn von Baco mit ihrer Zwischenstation im Talgrund wurde nach nur elf Jahren Betrieb 1991 in eine kuppelbare Anlage umgebaut. Konstrukteur war die Firma Von Roll, die an dieser Stelle erstmalig das VH400-Light-System einsetzen konnte. Ziel dieser Idee war es, fix geklemmte Zweiersesselbahnen kostengünstig und mit möglichst geringem Aufwand in kuppelbare Anlagen zu verwandeln. Letztlich sollten nur drei solche Bahnen entstehen, von denen die letzte heute in Bellwald in Betrieb ist.

Das Skigebiet St. Stephan – Parwengesattel

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Angekommen auf dem Parwengesattel gleicht ein Ei dem anderen. Das Foto zeigt die Sesselbahn Lengebrand-Parwengesattel, die eine der beiden Bahnen im Sektor St. Stephan darstellt. 2006 ersetzte diese Doppelmayr-Sesselbahn zwei Schlepplifte von Habegger.

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In technischer Hinsicht ist die Bahn relativ uninteressant, mit über 600 Höhenmeter erschliesst sie aber einige nette und lange Pisten. Mittlerweile ist sie die einzige wirkliche Beschäftigungsanlage in St. Stephan, denn die erste Sektion bedient lediglich eine wenig spannende Talabfahrt.

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Die Bergstation der angesprochenen ersten Sektion St. Stephan-Lengebrand. 1981 ersetzte diese Sesselbahn der Firma Von Roll einen gerade einmal zehn Jahre alten Schlepplift von Habegger. Grund dürfte wohl die geringe Höhenlage und die damit verbundene Schneearmut gewesen sein, denn die Talstation liegt weniger als 1000 Meter hoch. Warum man seinerzeit nicht gleich eine Sesselbahn gebaut hat? Vermutlich hat man sich von den aussergewöhnlich schneereichen Wintern in den Jahren zuvor in die Irre führen lassen. Nicht ganz erstaunlich ist auch die Zukunft dieser altehrwürdigen Lattensesselbahn mehr als ungewiss. Trotz des schneereichen Winters ist die Talabfahrt auch heute geschlossen und die Sesselbahn leer, sodass mir nichts anderes übrig bleibt, als wieder in Richtung Parwengesattel aufzubrechen.

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Das tue ich mit der besagten Sesselbahn, die einen der höchst effizienten, aber erstaunlicherweise immer noch wenig verbreiteten 180°-Einstiege besitzt. Aus irgendwelchen Gründen will sich dieses System einfach nicht ausserhalb des Berner Oberlandes etablieren.

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Unterwegs in Richtung Parwengesattel.

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Linker Hand grüsst die Plaine Morte, die von hier aus wirklich topfeben aussieht.

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Im oberen Streckenteil geht es an einem eindrücklichen Lawinenniedergang vorbei. Ein Glück, dass die Stütze den Abgang unversehrt überstanden hat. Der Vorgängerschlepplift endete übrigens in diesem Bereich, die 1980 gebaute dritte Sektion erschloss in der Folge von links kommend den Parwengesattel.

Zurück zum Saanerslochgrat

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Inzwischen ist es schon 12.30 Uhr und damit höchste Zeit, wieder zurück zum Saanerslochgrat aufzubrechen. Immerhin möchte ich auch noch dem Sektor Rinderberg einen Besuch vor meiner Weiterfahrt nach Gstaad abstatten. Daher entscheide ich mich für die Diretissima entlang der Sesselbahn Chaltebrunne-Parwengesattel und besteige kurz darauf ihr Pendant Richtung Saanerslochgrat am Gegenhang.

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Die Talstationen der beiden Sesselbahnen Chaltebrunne. Die Anlage zum Saanerslochgrat besitzt wie die Bahn in St. Stephan einen 180°-Einstieg.

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Natürlich lasse ich es mir aber nicht entgehen, die Saanerslochgratbahn aus allen erdenklichen Perspektiven zu fotografieren und zu filmen. Wie laut brummende Insekten schweben die Kabinen dieses Seilbahn-Dinosauriers über meinen Kopf hinweg.

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Und fotogen ist die Anlage mit ihren teilweise aus Fachwerk bestehenden Stützen ja sowieso. Mir gefällt die Poma-Technik einfach, weil sie für mich der Inbegriff avantgardistischer Förderleistungsmonster ist. Das fing mit den Stangenschleppliften an und setzte sich mit den Eiergondelbahnen der 60er Jahre sowie später mit den 6er-Kabinenbahnen und Alpha-Sesselbahnen fort.

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Dieser kurze Baco-Schlepplift erschliesst die oberste Geländekammer gemeinsam mit der Kabinenbahn. Aus Zeitgründen und mangelndem Interesse verzichte ich hier aber auf eine Fahrt.

Über die Oeschseite nach Zweisimmen

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Stattdessen mache ich mich wie geplant auf in Richtung Rinderberg. Die Verbindung dorthin und wieder zurück stellen seit 1997 zwei baugleiche kuppelbare Sesselbahnen der Firma Leitner her. Erst seit diesem Zeitpunkt ist das Skigebiet Rinderberg auf bequemem Weg mit dem restlichen Teil verbunden. Zwar gab es auch schon zuvor Möglichkeiten, mit den Ski hin und her zu wechseln, mit den beiden Sesselbahnen ist der Wechsel aber deutlich komfortabler.

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Mir gefallen die beiden zweckmässigen, kompakten Zweiersesselbahnen, die es leider viel zu selten gibt. Heute würde man hier wohl Sechsersesselbahnen mit entsprechend grossem Sesselabstand hinstellen. Für jemanden, der gerne seine Ruhe auf dem Sessel hat, ist das hier die deutlich angenehmere Lösung.

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Mit der Sesselbahn Oeschseite-Büelti geht es für mich hinauf zum Rinderberg. Bereits vor deren Bau gab es hier Abfahrten, sie waren aber auf gänzlich anderem Verlauf durch Schlepplifte erschlossen. Schon 1936 entstand nahe der Bahnstation Oeschseite ein erster Funischlitten nach Eggweid, der später durch einen Gurtenlift und in den 60ern durch einen Städeli-Schlepplift ersetzt wurde. Eine Ergänzung stellte ab 1980 der Kurvenschlepplift Fidertschi-Walebode dar. Zu dessen besserer Anbindung erfolgte 1989 der Ersatz der ersten Sektion durch einen Von-Roll-Schlepplift auf neuer Trasse.

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Angekommen am Rinderberg. Mittlerweile ist die Leitner-Sesselbahn die letzte Anlage in diesem Bereich, von den Schleppliften ist seit kurz nach der Jahrtausendwende nichts mehr übrig. Durch die Stilllegung des Schlepplifts Oeschseite sind leider auch einige Pistenabschnitte weggefallen.

Nostalgie am Schlepplift Birrmoos

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Auf der anderen Seite des Bergrückens hat aber noch ein kurzer Schlepplift überlebt. Oder besser gesagt, er ist inzwischen wiederauferstanden. Einige Jahre war der Schlepplift Birrmoos-Eggweid nämlich auch schon stillgelegt, nun fährt er aber glücklicherweise wieder. Besonderheit dieses steinalten Habegger-Schlepplifts ist die Tatsache, dass er abwechselnd mit Kurzbügeln und Kurztellern bestückt ist.

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Wunderschön ist der Lift durch den Wald trassiert, aber leider wenig bis gar nicht frequentiert. Überhaupt ist es erstaunlich, dass sich die Leute am Hornberg die Beine in den Bauch stehen, hier in Zweisimmen aber völlig leere Pisten vorzufinden sind. Bleibt zu hoffen, dass der Schlepplift Birrmoos nicht der Sparwut zum Opfer fällt. Die zweite Sektion zum Ostgrat des Rinderbergs gibt es schon seit der Jahrtausendwende nicht mehr.

Fünf Kilometer Seilbahn von Zweisimmen auf den Rinderberg

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Gleich nebenan befindet sich aber der eigentliche Höhepunkt des Skigebiets Rinderberg. Die über fünf Kilometer lange Rinderbergbahn der Firma Von Roll in zwei Sektionen. 1987 ersetzte die Anlage eine der in der Schweiz seltenen Kabinenbahnen nach dem System Carlevaro. Stationen und Stützenschäfte wurden dabei weitestgehend übernommen.

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Unterwegs auf der ersten Sektion der Rinderbergbahn. Hier in Zweisimmen herrscht bereits Frühling. Ohne künstliche Beschneiung wäre definitiv kein Skibetrieb möglich. Wenig erstaunlich gibt es daher den einstigen Übungslift in diesem Bereich schon lange nicht mehr.

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Auf den ersten Blick sind die Unterschiede kaum erkennbar, bei genauerem Hinsehen erkennt man den Übergang vom Fachwerk der übernommenen Stützenschäfte der Vorgängerbahn auf das Von-Roll-Fachwerk aber sehr deutlich.

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Auf der zweiten Sektion sieht die Sache schon wieder deutlich mehr nach Winter aus.

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Die Klassiker-Aufnahme auf dem Rinderberg in der Bergstation mit dem nach aussen geführten Spannseil der Gewichtsabspannung.

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Nun ist es aber wirklich höchste Zeit, wieder zurück nach Schönried zu kommen. Ein letzter Blick geht zurück zur Oeschseite, während ich mit der Sesselbahn in Richtung Chübeli schwebe. Die Skipiste verläuft übrigens unter Bahn hindurch über ein ehemaliges Eisenbahnviadukt. Das dürfte auch ziemlich einmalig sein!

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Erstaunt bin ich während der Fahrt über die ungewöhnlich hohen Stützen dieser Zweiersesselbahn.

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Weiter oben geht es etwas konventioneller zu und her. Im Bild ist auch eines der zahlreichen kurzen, steilen Pistenstücke, die man im Gebiet immer wieder findet. Mich erinnert das sehr an das Skifahren in den Vogesen, wo auch jeder noch so kurze steile Hang präpariert wird, um etwas Abwechslung in der sonst eher flachen (Pisten-) Landschaft zu ermöglichen.

Oldtimer am Hornberg

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Vorbei an der Saanerslochgratbahn geht es nun zur Sesselbahn Saanenwald-Hornberg, wo mich auch gleich wieder die nächste Warteschlange erwartet. Dank Single-Line (das gibt’s tatsächlich noch?) geht es aber schneller voran als zunächst befürchtet.

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Ähnlich wie die Schwesteranlage am Horneggli führt die Strecke mehrheitlich durch den lichten Nadelwald, ist aber doch ein gutes Stück flacher.

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Langsam aber sicher nähert sich die Fahrt dem Ende. Und auch meinen zweiten von drei Akkus segnet während der Fahrt das Zeitliche. Damit bin ich nun nicht nur in Sachen Zeit, sondern auch in Sachen verbleibender Akkuleistung absolut am Limit angelangt. Ein paar Fotos kann ich ihm aber noch entlocken. Unter anderem dieses, auf dem auch die ehemalige Bergstation des legendären Funischlittens zu sehen ist.

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Der Preis für den Oldtimer im Gebiet geht an den Schlepplift Hornfluh. 1966 erstellte die Firma Oehler diesen bis auf die Bügel noch fast original erhaltenen Schlepplift. Die Talstation ist dagegen noch ein gutes Stück älter. Sie stammt noch vom Vorgänger, einer Anlage von Sameli-Huber aus den 40er Jahren.

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Die Strecke ist kurz, aber der Lift erschliesst einige nette Abfahrten. Darunter eine weit abgelegene Piste, die bis nach Schönried führt.

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Skifahren wie in den 60ern – schön!

Aussichtsreicher Skiabschluss auf der Hornfluh

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Von der Hornfluh geniesst man auch einen netten Ausblick auf das Skigebiet am Wasserngrat. Einst von zwei Sektionen VR101 und einem Schlepplift erschlossen steht hier heute eine kuppelbare Vierersesselbahn von Garaventa. Aus diesem Grund weckt das Gebiet auch kein grosses Interesse bei mir, wenngleich der Aufbau mit einer einzigen langen Anlage und vielen Pistenvarianten durchaus meinen Geschmack trifft.

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Der rückseitige Schlepplift Hühnerspil ist ebenfalls von der Hornfluh aus erreichbar. Die Garaventa-Anlage aus den 80ern dient in erster Linie als Zubringer zu einer malerischen und abseits gelegenen Abfahrt über den Seyberg.

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Angekommen auf dem Hühnerspil. Der Kessel des Seybergs selbst war bis kurz nach der Jahrtausendwende durch einen zusätzlichen Müller-Schlepplift erschlossen, der aber mittlerweile leider ersatzlos abgebaut ist.

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Noch in Betrieb ist dagegen der Schlepplift Lochstafel des gleichen Fabrikats. Er transportiert die Gäste parallel zur Sesselbahn zurück auf den Hornberg. Manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg.

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Unterwegs in dieser 1984 gebauten Anlage. Der Schlepplift ersetzte ein früheres Exemplar von Müller aus den 50er Jahren auf gleicher Trasse.

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Mit einem letzten Blick auf die Sesselbahn Saanenwald-Hornberg verabschiede ich mich aus dem Skigebiet Saanenmöser und mache mich auf den Weg zurück nach Schönried.

Abschiedsfahrt am Eggli

Dort angekommen ist es 15 Uhr, was ziemlich exakt meiner Planung entspricht. So marschiere ich wieder zurück zum Parkplatz an der Rellerlibahn, wo ich wenige Minuten später eintreffe. Begleitet werde ich von unzähligen anderen Skifahrern, die den Tag scheinbar alle schon beschliessen (oder begiessen, je nach dem). Immer wieder finde ich es erstaunlich, wie schnell sich die Skigebiete ab dem frühen Nachmittag leeren, wo doch der Betrieb eigentlich noch bis 16.30 Uhr läuft. Aber gut, mir soll es ja Recht sein.

Mit der Egglibahn steht für mich nun noch ein weiterer Punkt auf dem Programm. Schnell sind Ski und Schuhe im Auto verstaut, sodass ich mich auf den Weg nach Gstaad machen kann. Dort treffe ich kurze Zeit später am Parkplatz der Egglibahn ein. Mein Plan geht auf, denn inzwischen ist auch hier nicht mehr viel los und ich kann problemlos einen freien Platz direkt vor der Talstation in Beschlag nehmen. Dort beisse ich einmal in mein mitgebrachtes Sandwich, denn Zeit für eine ausgiebige Mittagspause ist heute nicht.

Mit meiner Tageskarte, die ich am Morgen in Schönried gekauft habe, kann ich auch in Gstaad skifahren. Das will ich aber gar nicht, denn die Talabfahrt ist geschlossen und gekommen bin ich ja ohnehin wegen der Bahn. Zudem muss ich mir das Eggli als Skifahrer auch nicht mehr antun. Daher lasse ich die Ski diesmal im Auto liegen. Ob ich mit meinem Skiticket auch ohne Ski fahren kann, weiss ich nicht. Theoretisch kostet eine Fahrt mit der Egglibahn als Fussgänger rund 30 CHF. Zur Not nehme ich halt alibimässig die Ski mit. Das ist ja hier nichts ungewöhnliches :D .

Geschichtsträchtige Bergfahrt von Gstaad auf das Eggli

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Gerade noch im letzten Sonnenlicht erreiche ich die Talstation der Egglibahn. Der Rest der letzten Seilbahn mit Müller-Schraubklemmen in den Alpen liegt bereits im Schatten.

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1938 erstellte auf dieser Trasse die Firma Von Roll einen ersten Funischlitten, der 1955 einer Müller-Kabinenbahn weichen musste. Diese zählte zu den ersten ihrer Art und war selbstverständlich auch schon mit der Schraubklemme ausgestattet.

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Die Bahn hatte 1983 ausgedient und ein kapazitätsstärkerer Ersatz musste her. Die Wahl fiel wieder auf eine Kabinenbahn der Firma Müller. Auch diesmal kamen Schraubklemmen zum Einsatz, wenngleich es eine der letzten derartigen Anlagen werden sollte. Die Entwicklung der zweiten Generation Kuppelklemmen durch Firmen wie Habegger, Von Roll, Garaventa, Leitner, Doppelmayr und Poma sorgte dafür, dass das Müller-System vom Markt verschwand. Mit dafür verantwortlich war aber auch der frühe Tod des Firmengründers Gerhard Müller 1985.

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Die Schraubklemme mit ihren charakteristischen Zahnrädern in der Bergstation.

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Im Inneren der Bergstation, in der sich der Antrieb der Bahn befindet. Die Anlage läuft vollautomatisch und steht in Sachen Komfort einer heutigen Bahn damit in nichts nach.

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Bis auf wenige Exemplare konnten die Stützen des Vorgängers übernommen werden. Damit ist die Kabinenbahn die letzte öffentliche Seilbahn der Schweiz, die noch die typischen Müller-Pentagramme im Fachwerk besitzt.

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Dementsprechend fotogen sind die Stützen auch vor der Bergstation. Eventuell erhält die Anlage nochmal eine Gnadenfrist von einem Jahr, denn ein Baubeginn der Ersatzanlage im kommenden Sommer wird aufgrund von Einsprachen immer unwahrscheinlicher.

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Viele Orte gibt es nicht mehr auf der Welt, an denen man solche Fotos noch schiessen kann. Weitere Anlagen mit Schraubklemmen finden sich noch in Spanien, Mexiko und China.

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Aussicht in Richtung Sanetschpass vom Eggli.

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Mangels Alternativen begebe ich mich schon bald wieder auf die Talfahrt nach Gstaad und geniesse meine möglicherweise letzte Fahrt mit den Müller-Schraubklemmen.

Kurzvisite an der Wispile

16.20 Uhr ist es, als ich wieder am Parkplatz eintreffe. Am Gegenhang leuchtet die Wispile in der Nachmittagssonne. Das neben dem Eggli und dem Wasserngrat dritte separate Skigebiet von Gstaad ist heute in erster Linie der Familienberg. Bereits 1935 entstand an diesem Hang die erste seilgezogene Aufstiegshilfe, ein Funischlitten des Erfinders Arnold Annen persönlich. 1944 erfolgte der Ersatz durch einen Schlepplift von Sameli-Huber, 20 Jahre später folgte eine Ergänzung durch eine Müller-Kabinenbahn bis auf die Wispile.

Ein wirklich langes Leben hatte die Bahn jedoch nicht, denn schon 1988 erfolgte der Ersatz durch einen Neubau. Die Firma Müller gab es mittlerweile aber nicht mehr, sodass der Auftrag an den Nachfolger Rowema ging. Es sollte bis heute die einzige Anlage der Firma in der Schweiz bleiben, sodass die Bahn ihrerseits wiederum ein Unikat darstellt. Aus diesem Grund mache ich mich spontan noch auf den kurzen Weg zur Talstation der besagten Anlage.

Einen Moment überlege ich noch, ob ich nicht doch noch zu einer Bergfahrt starten soll, aber die Zeit ist zu knapp. Für eine Berg- und Talfahrt als Fussgänger reicht es nicht mehr, und bis ich die Skischuhe angezogen habe, ist es auch für eine Bergfahrt zu spät. So belasse ich es bei einigen Aussenaufnahmen der Talstation. Immerhin habe ich nach dem anstrengenden Tag noch 3,5 Stunden Autofahrt vor mir. Und diese Bahn wird hoffentlich noch ein paar Jahre ihre Runden drehen.

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Blick auf die erste Sektion. Es ist deutlich erkennbar, dass die Bahn mit den typischen Müller-Anlagen nichts mehr gemeinsam hat.

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Rundrohrstützen wiesen die letzten Müller-Sesselbahnen zwar auch auf, die Klemme mit freiliegenden Federn hat aber nichts mehr mit der einstigen Schraubklemme zu tun.

Fazit

Gerade noch rechtzeitig! Unter diesem Motto könnte man den Skitag recht passend zusammenfassen. Aller Widrigkeiten zum Trotz habe ich es letzten Endes doch noch geschafft, allen interessanten Seilbahnanlagen in der Region Zweisimmen-Gstaad einen Besuch abzustatten. Zwar nicht ganz stressfrei, aber das verblasst in der Erinnerung schnell bei den vielen schönen Momenten, die dieser Tag gebracht hat.

Durchaus positiv überrascht worden bin ich von den Pistenqualitäten, die ich nach meinem Besuch des Eggli vor einigen Jahren nicht wirklich erwartet habe. Gerade das Rellerli scheint mir ein idealer Skiberg zu sein. Spannende, steile und abwechslungsreiche Abfahrten. Dazu mehrere sehr abgelegene Pisten, die ich aus Zeitgründen nicht befahren konnte, die das Gebiet aber vermutlich noch weitaus interessanter machen.

Auch die Nordhänge zwischen Rinderberg und Horneggli sind durchaus nett. Zwar sind die Höhendifferenzen nicht allzu gross, die Abfahrten dafür aber recht lang. Und entgegen meiner Erwartung gibt es auch durchaus einige steile und anspruchsvolle Passagen. Ein starker Konstrast zu dem völlig uninteressanten Skigebiet am Eggli mit seinen Pisten für Alibi-Skifahrer aus dem Palace-Hotel. Aus skifahrerischer Sicht ist eine Stilllegung des Rellerli daher völlig unbegreiflich. Aber in Gstaad diktiert wohl leider der Nerz die Zukunft und weniger das gemeine Fussvolk, das sich an schönen Skihängen erfreut.

Felix ist Fotograf und Autor, spezialisiert auf Landschafts- und Reisefotografie und zu Hause im Saarland und der ganzen Welt. Wenn er nicht gerade in der Natur oder den Bergen unterwegs ist, schreibt er hier über seine Reisen, die Fotografie oder über sein liebstes Fortbewegungsmittel, die Seilbahn.

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