Sony 24-105mm – Testbericht des Reiseobjektivs

Die Meinungen über das perfekte Reiseobjektiv gehen weit auseinander. Verständlich, denn was perfekt ist, liegt immer im Auge des Betrachters. Andere fotografische Vorlieben erfordern andere Objektive und Brennweiten. Auch ich habe mir bei meinem Umstieg auf die A7-Serie von Sony lange überlegt, welches die passenden Objektive für mich als Landschafts- und Reisefotografen sind. Gewicht und (Un-) Auffälligkeit der Ausrüstung und eine schnelle Einsatzbereitschaft spielen für mich eine ebenso große Rolle wie die Abbildungsqualität. Nicht zuletzt aus diesen Gründen stand für mich schnell fest, dass ich auf Reisen auf das Sony 24-105mm nicht verzichten wollte. Eine solche Linse war schon zu meinen Canon-Zeiten mein Brot-und-Butter-Objektiv.

Disclaimer: Es besteht kein Kontakt zu Sony oder anderen in diesem Beitrag genannten Marken. Das Objektiv wurde von mir selbst käuflich im Handel erworben und war bei Veröffentlichung dieses Beitrags ein halbes Jahr im Einsatz.

Eckdaten Sony 24-105mm

Das Sony 24-105mm f/4 G OSS* (SEL24105G) zählte vor seiner Erscheinung Mitte 2017 wahrscheinlich zu den am heißesten ersehnten Linsen für die A7-Serie mit ihren Sensoren im Kleinbildformat. Das Objektiv deckt einen Brennweitenbereich vom Weitwinkel bis in den Telebereich ab und eignet sich somit für eine Vielzahl an Motiven. Wie üblich bei Objektiven mit großem Brennweitenspektrum fällt die Offenblende mit durchgehend f/4 kleiner aus als bei Festbrennweiten. Kompensiert werden kann die geringere Lichtstärke je nach Einsatzzweck durch eine längere Belichtungszeit, denn das Objektiv besitzt einen optischen Bildstabilisator. Dieser arbeitet – sofern vorhanden – mit der Sensorstabilisierung der Kamera zusammen.

Die Besonderheit des Sony 24-105mm liegt in seiner kompakten Bauform. Es misst nur 11,3 cm in der Länge bei einem maximalen Durchmesser von 8,3 cm. Mit einem Gewicht von 663 Gramm handelt es sich um das leichteste Objektiv seiner Art. Das Linsensystem besteht aus 17 Linsen in 14 Gruppen, die Blende besteht aus neun Lamellen. Die Naheinstellgrenze liegt mit 380 mm im üblichen Bereich für Objektive dieser Art.

Haptik und Verarbeitungsqualität

Nach meinen Erfahrungen mit kleineren Sony-Kameras war ich etwas skeptisch bezüglich der Robustheit der Sony-Objektive. Das 24-105mm gibt allerdings keinen Anlass zur Sorge. Das Kunststoffgehäuse fühlt sich sehr wertig an und liegt zusammen mit einer A7-Kamera gut in der Hand. Dank des verhältnismäßig geringen Gewichts ist diese Kombination gut ausbalanciert.

Zudem ist das Objektiv staub- und spritzwassergeschützt. Wie bei allen Kamerasystemen sollte man das nicht überbewerten, aber das Objektiv besitzt eine Gummilippe am Bajonettanschluss und auch sonst erweckt es den Eindruck, dass es sehr gut abgedichtet ist. Ein paar leichtere Regenschauer in den Alpen hat es bei mir bereits tadellos überstanden. Insgesamt erscheint mir die Objektivkonstruktion wesentlich hochwertiger als die der zugehörigen, doch etwas filigran anmutenden A7-Kameramodelle.

Auf der linken Seite besitzt das Objektiv eine frei programmierbare Taste sowie Schalter für den Autofokus und den Bildstabilisator. Einen Lock-Schalter gibt es nicht, der Tubus ist aber recht schwergängig und fährt daher nicht von selbst aus. Markierungen mit 24, 35, 50, 70 und 105 mm erleichtern die Einstellung der Brennweite. Der Fokusring ist deutlich leichtgängiger, aber ebenfalls sehr präzise. Wie üblich bei spiegellosen Systemkameras handelt es sich um ein Focus-by-Wire-System. Entsprechend gibt es keinen Anschlag auf der Unendlichstellung.

Mitgeliefert wird auch eine Gegenlichtblende, die wie üblich nicht mit der Haptik des Objektivs selbst mithalten kann, ihren Zweck aber erfüllt. Nach einem halben Jahr im Einsatz habe ich den Eindruck, dass die Blende weniger anfällig für Kratzer ist als andere.

Abbildungsqualität

Ich zähle mich nicht zu den Pixel-Peepern und bewerte die Leistung eines Objektivs auch nicht anhand von Test-Charts, sondern auf Basis „echter“ Motive. Während des letzten halben Jahres habe ich mit dem Objektiv von Landschaften über Städte bis hin zu einzelnen Portraits und Makro-Aufnahmen verschiedenste Motive fotografiert.

Schlucht im Sočatal

Die Leistung des Objektivs ist hervorragend, die Detailwiedergabe ist im Bildzentrum schon bei Offenblende exzellent. Für maximale Schärfe bis in die Ecken empfiehlt es sich, bis auf f/8 abzublenden. Kontrast und Farbwiedergabe sind auch bei Gegenlichtaufnahmen hervorragend. Artefakte sind beim Fotografieren gegen starke Lichtquellen vorhanden, aber nicht unbedingt störend. Besonders hervorzuheben sind die schönen Sonnensterne, die das Objektiv erzeugt. Mit neun Blendenlamellen entstehen 18-strahlige, sehr gleichmäßige Sterne bei hellen Lichtquellen. Diese sind bereits ab f/11 sehr ausgeprägt und werden bis zur kleinsten Blende f/22 noch etwas prominenter.

Auffallend ist dafür die starke Vignettierung im Weitwinkel, auch bei abgeblendeten Aufnahmen. Diese kann natürlich in der Nachbearbeitung behoben werden. Das Aufhellen führt aber gegebenenfalls zu etwas stärkerem Bildrauschen.

Sonnenaufgang an der Großglockner-Hochalpenstraße

Obersee im Gegenlicht

Autofokus

Der Autofokus des Objektivs ist, wie man es erwarten würde, schnell, zuverlässig und quasi lautlos. Natürlich hängt das Ergebnis maßgeblich auch von der angeschlossenen Kamera ab. Das Sony 24-105mm unterstützt sämtliche Fokusmodi der neueren Sony-Kameras, also auch die Gesichtserkennung und den Augen-Autofokus für Mensch und Tier.

Preis-Leistung

Mit einem Listenpreis von ursprünglich 1.349 Euro ist das Sony 24-105mm kein Schnäppchen. Inzwischen hat der Hersteller die UVP auf 1.090 Euro gesenkt, der Straßenpreis für neue Exemplare bewegt sich ebenfalls in diesem Bereich. Gebraucht liegt der Preis noch einmal 100-200 Euro darunter. Damit zählt das Objektiv zu den teureren seiner Klasse.

Allerdings kann sich die optische Leistung als auch die Haptik sehen lassen. Sony ist mit diesem Objektiv ein guter Wurf gelungen, der nur wenige Wünsche offen lässt. Ob sich beispielsweise die Vignettierung überhaupt verbessern lassen würde, ohne dabei Gewicht und Größe zu erhöhen, ist ohnehin fraglich. Jedes Objektiv ist eben ein Kompromiss. Und das Sony 24-105mm ist ein ziemlich guter Kompromiss. Insofern erscheint der Preis – auch im Hinblick auf das mittlerweile generell hohe Preisniveau im Kamerasektor – durchaus gerechtfertigt.

Fazit Sony 24-105mm für Reisefotografie

Angesichts der rundum überzeugenden Eigenschaften und der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Brennweitenbereichs ist das Sony 24-105mm prädestiniert für die Reisefotografie. Leichtes Gewicht, verhältnismäßig geringe Abmessungen, ein robustes Äußeres und eine ausgezeichnete Bildqualität machen das Objektiv für die typischen Motive auf Reisen interessant.

Für Landschaftsfotografie

Ein reiner Landschaftsfotograf wird vermutlich statt eines 24-105mm eher auf eine Kombination aus Ultraweitwinkel- und Telezoomobjektiv setzen. Wer wie ich aus Gewichtsgründen auf Reisen aber gerne auf ein Teleobjektiv verzichtet, für den ist das Sony 24-105mm aber eine ausgezeichnete Wahl. Der Brennweitenbereich ist auf seiner kompletten Spanne für die Landschaftsfotografie interessant. Gepaart mit einer hochauflösenden Kamera wie der Sony A7R III bietet sich so viel Crop-Potenzial, dass das Objektiv ein Tele schon fast ersetzen kann.

Die Bildqualität ist abgeblendet bis in die Ecken exzellent. Nicht nur was die Schärfe anbelangt, sondern auch bezüglich des Kontrasts. Auch die schönen Sonnensterne, die ab f/11 gut zur Geltung kommen, sind für Landschaftsfotografen ein Pluspunkt. Flares bei Gegenlichtaufnahmen können auftreten, sind aber nicht störender als bei vergleichbaren Objektiven anderer Hersteller. Einzig die starke Vignettierung im Weitwinkel verschwindet auch bei starkem Abblenden nicht ganz. Das ist zwar schade, aber kein Beinbruch. In der Nachbearbeitung ist dieser Fehler schnell korrigiert.

Castor und Pollux vom Gornergrat

Wanderweg am Obersee im Nationalpark Berchtesgaden

Gletscher am Großglockner

Natürlich fehlt dem Objektiv der für Landschaftsfotografen interessante Ultraweitwinkelbereich. In Kombination mit einem Ultraweitwinkelobjektiv (z. B. mit dem Zeiss Batis 18mm) ist das Objektiv für vielreisende Landschaftsfotografen aber eine sehr interessante Option.

Für Reportage- / Streetfotografie

Die Flexibilität des Sony 24-105mm ist auch für die klassische Reportage- und Streetfotografie auf Reisen von Vorteil. Wer mit einer Ein-Objektiv-Lösung reisen möchte, der kommt um dieses Objektiv im Sony-Universum eigentlich nicht herum. Es sei denn, man setzt auf eine Festbrennweite. Genau das würde ich als Alternative auch empfehlen, denn in Sachen Volumen, Gewicht und Unauffälligkeit kann das Sony 24-105mm nicht unbedingt punkten. Ja, es ist das leichteste und kleinste seiner Klasse. Trotzdem bevorzuge ich für die Reportage- und Streetfotografie eine noch kleinere und unauffälligere Festbrennweite (wie z. B. ein 35mm).

Sonnenaufgang am Bohinjsee bei Ukanc

Für Portraits

Da ich kein ausgesprochener Portrait-Fotograf bin, verzichte ich auf eine ausführliche Beurteilung des Objektivs für dieses Fotografie-Genre. Natürlich wird ein Zoomobjektiv mit diesem Brennweitenbereich nicht mit einer klassischen 85mm- oder 135mm-Festbrennweite konkurrieren können. Allein schon wegen der viel geringeren Offenblende. Für gelegentliche Portrait-Aufnahmen unterwegs erscheint mir das Sony 24-105mm aber dennoch recht gut geeignet. Bei 105mm und f/4 ergibt sich bereits eine ansprechende Tiefenunschärfe. Das Bokeh ist für ein Zoom ruhig, gleichmäßig und schön anzusehen. Letzteres ist natürlich ein subjektiver Eindruck, daher möge der Leser sich sein eigenes Urteil bilden.

Blumen auf Sunnegga mit Matterhorn

Schlusswort

Insgesamt ist das Sony 24-105mm f/4 G OSS* damit aus meiner Sicht eine ideale Wahl für die Reisefotografie. Die Flexibilität des Brennweitenbereichs ist unübertroffen und die Leistung kann bis auf kleine Punkte vollkommen überzeugen. Ob in Kombination mit anderen Objektiven oder als Ein-Objektiv-Lösung, das Sony 24-105mm ist eine gute Investition für Reisefotografen. Mein Exemplar wird mich sicher noch auf vielen Reisen begleiten.

Warum ich das Objektiv gekauft habe:

  • Idealer Brennweitenbereich für die Reisefotografie
  • Hervorragende Detailwiedergabe bei allen Brennweiten
  • Sehr gute Schärfe bis an die Ränder bei mittleren Blenden
  • Sonnensterne
  • Gutes Gegenlichtverhalten
  • Für ein Zoom ein angenehmes Bokeh
  • Hochwertige Haptik
  • Schalter für Stabilisator und Autofokus
  • Verhältnismäßig geringes Gewicht
  • Staub- und Spritzwasserschutz

Was ich mir wünschen würde:

  • Weniger starke Vignettierung insbesondere im Weitwinkel 

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