Sony A7R III Testbericht – Perfekt für die Reisefotografie?

Nach über zehn Jahren Fotografie mit DSLRs aus dem Hause Canon habe ich den Schritt gewagt und bin in das Segment der spiegellosen Kameras umgestiegen. Schon lange habe ich mit der Sony A7R III geliebäugelt – nun ist es also soweit. Als kleine und leichte Kamera scheint sie prädestiniert für die Reisefotografie. Doch wie gut ist das Stück Technik wirklich? Ein Testbericht aus Sicht eines Landschafts- und Reportagefotografen.

Disclaimer: Die Kamera wurde von mir käuflich im Handel erworben. Es bestehen keine Verbindungen zu Sony oder anderen genannten Marken.

Eckdaten

Die Sony A7R III kam im Herbst 2017 auf den Markt und löste damit ihren Vorgänger, die A7R II ab. Sie besitzt ein Bajonett für Wechselobjektive mit Sony-E-Mount und einen stabilisierten Vollformatsensor mit hochauflösenden 42,2 Megapixeln. Darüber hinaus wirbt die Kamera mit einem hohen Dynamikumfang, ISO-Bereich zwischen 100 und 32.000, 4K-Video, Dual Card Slots und einem hervorragenden elektronischen Sucher.

Haptik und Verarbeitungsqualität

Nimmt man die Sony A7R III zum ersten Mal in die Hand, fällt sie vor allem durch ihr angenehm geringes Gewicht auf. Mit nur 657 g inklusive Akku und Speicherkarten ist sie ein gutes Stück leichter als vergleichbare Vollformat-DSLRs von Canon und Nikon. Ein riesiger Vorteil auf Reisen! Betreibt man an der Kamera hauptsächlich schwere Objektive, kann das aber durchaus auch ein Nachteil sein, weil die Balance dann nicht mehr stimmt. In jedem Fall aber fühlt sich die Kamera auf den ersten Blick wertig und sauber verarbeitet an.

Im Vergleich zu den robusten DSLRs fällt sie dann aber doch etwas ab. Schon beim Anfassen merkt man, dass man keine Canon oder Nikon in der Hand hält. Die Knöpfe haben nicht den gleichen angenehmen Druckpunkt, die Plastik-Kappen an den seitlichen Anschlüssen wirken nicht gerade auf Langlebigkeit ausgerichtet. Problematisch ist zudem, dass der Handgriff zumindest für meine Hände nicht hoch genug ist. Der kleine Finger hängt in der Luft. Dadurch hält sich die Kamera trotz ihres geringen Gewichts nicht besonders gut. Das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Aber bei einer 3.000-€-Kamera darf man etwas mehr erwarten.

Über die Wetterfestigkeit der Sony-Kameras im Allgemeinen wird nicht nur Gutes berichtet. Die A7R III besitzt an den Knöpfen sowie am Akku- und Speicherkartenfach Dichtungen, an den Anschlussbuchsen an der Seite jedoch nicht. Auch die Kameraunterseite scheint nicht gesondert abgedichtet zu sein. Inwieweit das in der Outdoor-Praxis problematisch ist, wird sich zeigen. Insgesamt hinkt Sony aber auch hier der Konkurrenz im direkten Vergleich etwas hinterher.

Sucher und Display

Als spiegellose Kamera besitzt die Sony A7R III einen elektronischen Sucher. Dessen Auflösung zählt mit 3,69 Megapixeln zu den besten, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind. Das Bild wirkt bei allen Lichtverhältnissen natürlich, kommt aber immer noch nicht ganz an einen optischen Sucher heran. Dafür hat der elektronische Sucher den enormen Vorteil, dass sämtliche Aufnahmeparameter nach Wunsch eingeblendet werden können. Zudem lässt sich die Stimmigkeit der Belichtung direkt und sehr gut beurteilen. Wahlweise kann die Bildfrequenz im Sucher auf 120 B/s erhöht werden. Das geht allerdings zu Lasten des Akkus und ist nur bei sich schnell bewegenden Motiven ein echter Mehrwert.

Das rückseitige schwenkbare Display besitzt mit 1,44 Megapixeln ebenfalls eine gute Auflösung und kann aus allen Blickwinkeln gut betrachtet werden. Die Helligkeit ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung ausreichend. Zumal Sony für diesen Anwendungszweck extra einen Sonnen-Modus integriert hat, bei dem die Helligkeit noch einmal erhöht werden kann. Der Schwenkmechanismus wirkt robuster als bei kleineren Sony-Kameras, kann aber leider nur nach oben und unten, jedoch nicht zur Seite geklappt werden. Gerade für Hochformataufnahmen wäre letzteres ein echter Mehrwert.

Bedienung der Sony A7R III

Die Bedienung der Sony A7R III basiert auf dem klassischen Aufbau mit PASM-Programmwahlrad und Einstellrädern für die Belichtungsparameter. Insgesamt stehen vier Einstellräder zur Verfügung: eines auf der Vorderseite, zwei auf der Rückseite und ein dediziertes Rad für die Belichtungskorrektur. Das ist äußerst praktisch, denn mithilfe dieser vier Räder können alle Belichtungsparameter (Blende, Belichtungszeit, ISO, Belichtungskorrektur) direkt geändert werden, ohne dass eine zusätzliche Taste gedrückt werden muss. Über das Programmwahlrad können zusätzlich drei benutzerdefinierte Voreinstellungen für verschiedene Belichtungsmodi aufgerufen werden.

An zusätzlichen Tasten mangelt es der Sony A7R III trotzdem nicht. Vier dedizierte Knöpfe können mit individuellen Funktionen belegt werden, darüber hinaus das kombinierte Wahlrad-Vierwegekreuz und die Tasten AF-ON sowie AEL auf der Rückseite. All diesen Tasten kann nahezu jede denkbare Menüeinstellung zugewiesen werden, sodass sich die Kamera komplett individuell anpassen lässt. Das erfordert etwas Einarbeitungszeit, ist aber äußerst praktisch und flexibel.

Ich habe mir beispielsweise unter anderem Autofokus-Einstellungen, Crop-Modus, Bildfolgemodus und den Wechsel zwischen mechanischem und elektronischem (lautlosem) Verschluss auf die Tasten gelegt. Zehn weitere beliebige Funktionen können in einem benutzerdefinierten Menü abgelegt werden, das über die Fn-Taste erreichbar ist. Der An/Aus-Schalter befindet sich am Auslöser, sodass alle wichtigen Tasten auf der rechten Seite der Kamera liegen. Damit ist sie problemlos mit einer Hand bedienbar.

Menüführung und Touchscreen

Es empfiehlt sich definitiv, die Einarbeitungszeit zu investieren und sich die Kamera für den persönlichen Geschmack einzurichten, um Aufrufe des Kameramenüs möglichst vermeiden zu können. Sony hat zwar versucht, dem Menü eine gewisse Struktur zu geben, wirklich gelungen ist das aber nicht. Es gibt es immer noch keine intuitive Kategorisierung von Funktionen. Auch die Benennung der Einstellungen ist teilweise rätselhaft. So tauchen Funktionen wie GesPrio b. M-Mess. oder Nachführ-AF-B. anz. auf, deren Bedeutung sich erst nach einem Studium der Bedienungsanleitung ergibt. Immerhin gibt es jetzt die Möglichkeit, sich ein individuelles Menü zusammenzustellen, sodass die wichtigsten Einstellungen jederzeit und ohne stundenlanges Suchen aufgerufen werden können.

Irgendwie fällt es schwer zu glauben, dass es in einem Konzern wie Sony niemanden gibt, der eine intuitive Benutzeroberfläche gestalten kann. Offenbar ist dem aber so, denn auch bei der Implementierung des Touchscreens macht sich das bemerkbar. Hardwareseitig gibt es nichts zu meckern – der Touchscreen auf dem rückseitigen Display erkennt Berührungen zuverlässig und vorhersehbar.

Wenn man ihn denn verwenden kann. Denn die Funktionalität beschränkt sich auf das Auswählen des Autofokuspunkts und das Verschieben des Bildausschnitts im Wiedergabemodus. Menüeinstellungen anklicken? Im Wiedergabemodus nach rechts und links durch die Fotos wischen? Fehlanzeige. Das gibt die Software nicht her. Bei Menüeinstellungen fällt das noch nicht so sehr ins Gewicht. Aber spätestens wenn man seinen Namen für die Copyright-Infos über Pfeiltasten und eine stilisierte Handytastatur mit drei Buchstaben pro Knopf eingeben muss, fühlt man sich in die 90er zurückversetzt.

Praktisch ist dagegen die Touchpad-Funktionalität. Schaut man durch den Sucher, lässt sich das Display als Touchpad verwenden, um den Autofokuspunkt zu verschieben. Dafür kann entweder der ganze Displaybereich oder nur ein Ausschnitt (z. B. rechtes oberes Viertel) genutzt werden.

Bildqualität der Sony A7R III

Der entscheidende Punkt, warum man sich eine Kamera mit 42 Megapixeln zulegt. Und auf diesem Feld weiß die Sony A7R III zu begeistern. Wer sich für konkrete Messergebnisse interessiert, schaut am besten bei DxOMark vorbei. Die A7R III ist die erste Vollformat-Kamera, die dort ein Sensor-Rating von 100 erzielt hat. In der Praxis bestechen die Aufnahmen durch eine unglaubliche Detailtreue und immense Reserven beim Dynamikumfang und Rauschen. Definitiv ein deutlich sichtbarer Unterschied zu meiner alten Canon 6D. Auch die Farbwiedergabe ist um Welten besser als bei früheren Sonys. Die JPG-Farben sind auch in den Standardeinstellungen sehr natürlich, mit den RAWs lässt sich hervorragend arbeiten.

Im RAW-Format gibt es die Möglichkeit, unkomprimierte Dateien und komprimierte, aber leicht verlustbehaftete Dateien zu speichern. Wirklich große Unterschiede wird man wohl nur in Extremsituationen entdecken. Mir ist das die doppelte Dateigröße nicht wert, weswegen ich komprimierte RAW-Dateien verwende.

Wie oft man 42 Megapixel tatsächlich braucht, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Auf jeden Fall sind sie nicht von Nachteil. Und da ich durchaus gerne später am Rechner noch Ausschnittsvergrößerungen mache, bedeutet die hohe Auflösung für mich mehr Flexibilität. Einen M-RAW- oder S-RAW-Modus mit verringerter Auflösung auch bei RAW-Bildern wie es ihn bei Canon gibt, würde ich mir trotzdem manchmal wünschen. Denn es gibt durchaus Situationen, bei denen ich zwar gerne in RAW fotografiere, mir aber 24 oder sogar 8 Megapixel ausreichen (z. B. Timelapse). Das kann die Sony A7R III leider nicht. Nur bei JPG-Aufnahmen gibt es kleinere Auflösungen.

Lac de Gaube im Nationalpark Pyrenäen

Crop-Modus und Clear Image Zoom

Ein weiterer Vorteil der großen Auflösung ist, dass die Kamera auch bei der Nutzung des mittleren Sensorbereichs noch 18 Megapixel bereitstellt. Mit diesem Super-35-Modus lässt sich die Kamera sowohl für Fotos als auch für Videos quasi als APS-C-Kamera mit 1,5-fachem Crop betreiben. Besonders für Festbrennweitennutzer ist das interessant, da so effektiv zwei verschiedene Brennweiten mit einem Objektiv genutzt werden können. Aber auch bei Zoomobjektiven lässt sich das lange Ende noch einmal um den Faktor 1,5 verlängern. Aus einem 24-105mm* wird so effektiv ein 24-157,5mm-Objektiv. Das spart mir am Ende in den meisten Fällen ein zusätzliches 70-200mm und damit ein knappes Kilo Gewicht im Rucksack.

Wenn das immer noch nicht genug ist, bietet sich insbesondere zum Filmen zusätzlich der Clear Image Zoom an. Da selbst bei 4K-Videos lediglich 8 Megapixel an Auflösung benötigt werden, kann noch weiter in das Bild gecropt werden, sodass sich im Endeffekt maximal ein Faktor von 2,0 ergibt – aus 105mm wird so ein Bildausschnitt von 210mm, natürlich etwas zu Lasten der Bildqualität. Auch für JPGs lässt sich der Clear Image Zoom verwenden, bei RAW-Aufnahmen hingegen nicht.

Videomodus

Bei so viel Lobgesang über die fotografischen Qualitäten darf nicht zu kurz kommen, dass die A7R III auch eine hervorragende Videokamera ist. Die Kamera zeichnet im europäischen PAL-Modus 4K-Videos in maximal 25 B/s, Full-HD-Videos in maximal 100 B/s auf. Beides ist sowohl mit voller Sensorbreite als auch im Super-35- / APS-C-Modus möglich. Technisch bedingt ist die Bildqualität bei 4K-Videos im mit Super 35 besser als bei voller Sensorbreite (dort erfolgt sogenanntes Line-Skipping, um auf die 8 Megapixel 4K-Auflösung zu kommen; in Super 35 werden dagegen alle Pixel ausgelesen und die Ausgabe dann von 5K-Auflösung auf 4K heruntergerechnet).

Die Qualität zwischen den beiden Modi unterscheidet sich in der Praxis aber nicht merklich. Generell ist die Detailwiedergabe hervorragend, dank der Sensorstabilisierung gelingen auch aus der Hand gut verwendbare Aufnahmen. Praktisch ist zudem, dass sich für den Videomodus eine separate Belegung der benutzerdefinierten Tasten programmieren lässt. Mit Mikrofoneingang, Kopfhörerausgang und HDMI-Ausgang besitzt die A7R III alle Anschlüsse, die für professionelle Aufnahmen notwendig sind.

Stichwort professionell – dank der integrierten Bildprofile lassen sich die Videos auch mit flachen Log-Profilen aufzeichnen. Das sorgt für einen besseren Dynamikumfang und mehr Möglichkeiten zum Color Grading am Rechner. Lediglich die Farbtiefe ist mit 8 bit etwas begrenzt. Da bietet die Konkurrenz von Canon und Nikon mittlerweile mehr. Etwas störend ist zudem der sichtbare Rolling-Shutter-Effekt bei 4K-Aufnahmen mit voller Sensorbreite. Dessen sollte man sich beim Filmen diesbezüglich kritischer Szenen bewusst sein.

Autofokus

Als langjähriger Nutzer einer Canon 6D war ich es gewohnt, nur einen einzigen brauchbaren Autofokuspunkt in der Bildmitte zur Verfügung zu haben. Fokussieren und Verschwenken war an der Tagesordnung, bei Videos gab es gar keinen Autofokus. Dagegen sieht natürlich jede moderne Kamera gut aus.

Die Möglichkeiten der Sony A7R III stechen aber besonders hervor. Der Autofokus basiert auf einer Kombination aus Phasen- und Kontrastautofokus. Ohne auf die technischen Hintergründe einzugehen – der Autofokus ist auch bei schlechten Lichtverhältnissen schnell und sehr präzise. Die Autofokuspunkte sind über nahezu den gesamten Sensorbereich verteilt. Aus diesen Punkten können verschiedene Bereiche oder einzelne Punkte (Spot) über das Menü, den rückseitigen Joystick oder per Touch ausgewählt werden.

Spannend wird es bei den verschiedenen Autofokusmodi. Neben der klassischen Aufteilung zwischen AF-S (Single Shot), AF-C (Continuous) und AF-A (Automatik) besteht auch die Möglichkeit der Nutzung künstlicher Intelligenz. Die implementierten Algorithmen sind in der Lage, automatisch Gesichter und Augen zu erkennen und auf diese zu fokussieren. Mit der im April 2019 erschienenen Firmware 3.0 ist das auch bei Tieren möglich. Und auch diese Modi funktionieren erstaunlich zuverlässig.

Manuell fokussiert es sich dank Kantenanhebung und der hohen Sucherauflösung ebenfalls leicht. Hierfür muss die Kamera entweder auf manuellen Fokus oder auf den Fokusmodus DMF eingestellt werden, der bei Autofokus ein manuelles Überschreiben durch Drehen des Fokusrings ermöglicht.

Timelapse-Funktion

Anders als die vorherigen Modelle besitzt die A7R III keine Unterstützung mehr für PlayMemories-Apps. Diese beinhalteten unter anderem praktische Zusatzfunktionen wie ein berührungsloses Auslösen oder das Erstellen von Zeitrafferfilmen. Seit dem Erscheinen der Firmware 3.0 besitzt die A7R III nun immerhin einen eingebauten Intervalometer. Die Funktionalität ermöglicht die Aufnahme mehrerer Fotos in festgelegten Abständen, kann aber daraus nicht automatisch einen Zeitrafferfilm erstellen.

Das muss später am Rechner mit passenden Programmen erledigt werden. Die Einstellmöglichkeiten in der Kamera beschränken sich auf die Bildanzahl, das Aufnahmeintervall und die Stärke der Belichtungsanpassung bei wechselnden Lichtverhältnissen. Letzteres ist besonders bei Sonnenauf- oder -untergängen praktisch.

Lautloser Verschluss

Als spiegellose Kamera kann die A7R III auch komplett lautlos Fotos aufnehmen. Dazu verwendet sie einen rein elektronischen Verschluss, sodass während der Aufnahme keine mechanischen Teile bewegt werden. Das ist in manchen Situationen ein unschätzbarer Vorteil, ist aber auch mit Problemen verbunden. So kann wie im Videomodus bei schnellen Motiven ein Rolling Shutter erkennbar sein. Hier kann die A7R III wegen ihrer vielen Megapixel und entsprechend langen Auslesezeiten des Sensors nicht wirklich glänzen.

Anders als z. B. bei Fuji ermöglicht der elektronische Verschluss übrigens keine kürzeren Verschlusszeiten. Die Grenze liegt wie beim mechanischen Verschluss bei 1/8.000 s.

WLAN und Smartphone-Steuerung

Als Smart-Kamera besitzt die A7R III natürlich auch die Möglichkeit, per WLAN zu kommunizieren. Nützlich ist das im Wesentlichen für zwei Dinge. Zum einen lässt sich die Kamera mit einem Smartphone verbinden und fernsteuern, zum anderen lassen sich Dateien aufs Smartphone übertragen und die Dateien mit Standortinformationen versehen.

Dazu muss auf dem Smartphone die kostenlose App Imaging Edge Mobile von Sony installiert werden. Danach kann die Kamera über die Funktion Strg mit Smartphone verbunden werden (Flugzeugmodus muss entsprechend ausgeschaltet werden). Die Verbindung funktioniert recht unkompliziert, indem mit dem Smartphone ein QR-Code auf dem Kameradisplay gescannt wird. Bei allen späteren Verbindungen fällt dieser Schritt weg. Während der Verbindung mit dem Kamera-WLAN kann das Smartphone dann allerdings natürlich nicht genutzt werden, um ins Internet zu gehen.

Über die App lässt sich die Kamera sowohl für Fotos als auch für Videos fernsteuern, wobei alle wesentlichen Einstellungen direkt am Smartphone vorgenommen werden können. Das Ganze funktioniert recht stabil und zuverlässig. Praktisch: Damit lässt sich das Manko umgehen, dass die Kamera kein nach vorne schwenkbares Display besitzt.

Auch das Übertragen von Fotos und Videos aufs Smartphone funktioniert problemlos mit der Funktion An SmartpSend.-Fkt. Hier kann zusätzlich eingestellt werden, ob die Originaldatei oder lediglich eine kleinere Proxydatei übertragen werden soll.

Speicherkarten und Akku

Einer der wesentlichen Gründe, der mich bislang von spiegellosen Kameras noch abgehalten hat, war die meist kurze Akkulaufzeit. Seitdem Sony bei der dritten Generation der A7-Serie nun größere Akkus verbaut, hat sich das endlich geändert. 650 Aufnahmen lassen sich gemäß CIPA-Rating mit der A7R III anfertigen, bis das Display dunkel wird. Das ist zwar immer noch weniger als bei den sparsamen DSLRs, in der Praxis kann eine Ladung je nach Nutzung aber durchaus für einen ganzen Tag ausreichen.

Grundsätzlich ist es auch möglich, das rückseitige Display ganz abzuschalten. Dann verbraucht die Anzeige nur Strom, wenn man durch den Sucher schaut. Gerade bei Timelapse-Aufnahmen rentiert sich das – denn so hält der Akku eine gefühlte Ewigkeit. Zudem besteht jederzeit die Möglichkeit, die Kamera per USB aufzuladen (auch im angeschalteten Zustand). Es muss zwar immer ein Akku eingelegt sein, aber die Laufzeit lässt sich auf diese Weise nochmal um ein Vielfaches verlängern, wenn man z. B. eine Powerbank anschließt.

Ebenfalls positiv hervorzuheben sind die zwei SD-Speicherkartenschächte. Nutzt man zwei Karten parallel, gibt es mehrere Möglichkeiten, die einzelnen Dateien aufzuteilen oder ein Simultan-Backup zu machen. Letzteres funktioniert – anders als bei den meisten anderen Herstellern – auch bei Videos. Für mich ist das ein unschätzbarer Vorteil, da mir das Backup auf Wandertouren zusätzliche Hardware für Sicherungen und damit Gewicht erspart. Nur einer der beiden Schächte akzeptiert allerdings die schnellen UHS-II-Karten. Der langsamere UHS-I-Schacht kann hier ein limitierender Faktor sein, gerade bei Reihenaufnahmen, die den Puffer schnell auffüllen. Für mich als Landschaftsfotografen spielt das in der Praxis allerdings keine Rolle.

Preis-Leistung

Ist die Sony A7R III ihren stattlichen Preis wert? Für 3.300 € als Neuware oder 2.600 € gebraucht ist die Kamera natürlich nicht gerade ein Schnäppchen. Für das, was die Kamera kann, ist der aufgerufene Preis aber durchaus gerechtfertigt. Die A7R III ist das derzeit vermutlich rundeste Paket, wenn es um professionelle spiegellose Kameras für Foto und Video geht. Und gegenüber der direkten Konkurrenz von Canon und Nikon bietet die Sony mehr fürs Geld.

Gerade auf Reisen bietet die hohe Auflösung zudem viele Vorteile, die die Kosten wieder etwas relativieren. Mir reicht ein 24-105mm anstatt eines zusätzlichen Teleobjektivs. Mir reicht eine 18mm-Weitwinkelfestbrennweite statt eines 16-35mm. Und mir reicht wegen der herausragenden Low-Light-Fähigkeiten und der Sensorstabilisierung eine Offenblende von f/2.8 oder sogar f/4. Das alles amortisiert die hohen Anschaffungskosten und macht gleichzeitig den Rucksack um ein Vielfaches leichter.

Fazit Sony A7R III für Reisefotografie

Für Landschaftsfotografie

Mit ihrem hervorragenden 42-Megapixel-Sensor liefern die Aufnahmen der Sony A7R III eine Detailtreue und einen Dynamikumfang, der seinesgleichen sucht. Für Landschaftsaufnahmen ist sie damit prädestiniert. In den Fotos lassen sich im Nachhinein Details erkennen, die vor Ort gar nicht aufgefallen sind.

Und gerade wenn wie in meinem Fall das Zielfoto ein paar Stunden Bergwanderung entfernt liegt, zahlt sich auch das geringe Gewicht aus. Problematisch ist bei der Landschaftsfotografie einzig, dass die Kamera nicht so gut gegen Umwelteinflüsse geschützt ist wie die Arbeitstiere von Canon, Nikon oder Panasonic.

Sonnenuntergang in Biarritz am Atlantik

Für Reportage- / Streetfotografie

Die A7-Familie ist die kleinste spiegellose Vollformatserie und bietet damit einen ausgezeichneten Kompromiss zwischen Unauffälligkeit und Bildqualität. Mit einer der zahlreichen kleinen Festbrennweiten fällt die Kamera weder auf noch ins Gewicht.

Gepaart mit dem exzellenten Autofokus und dem lautlosen Verschluss lassen sich Szenen aufnehmen, die man mit einer bulligen DSLR niemals einfangen könnte.

Für Astrofotografie

Dank der hervorragenden Low-Light-Fähigkeiten eignet sich die A7R III auch bestens für Astrofotografie. Bis ISO 12.800 sind die Aufnahmen ohne Einschränkungen nutzbar, darüber muss die Rauschreduzierung dann schon etwas stärker angeworfen werden. Das Schwestermodell A7 III oder auch die Pendants der anderen Hersteller mit weniger Megapixeln liefern eine noch etwas bessere Leistung. Doch inwieweit diese Nuancen in der Praxis ins Gewicht fallen, sei dahingestellt. Auch mit den Ergebnissen meiner sechs Jahre alten Canon 6D war ich nie unzufrieden.

Heiß diskutiert wurde das sogenannte Star-Eater-Problem bei älteren Sony-Modellen. Der Algorithmus zur Rauschreduzierung erkannte bei Langzeitbelichtungen fälschlicherweise einen Teil der Sterne als Hotpixel und löschte diese automatisch aus den Bilddaten. Mangels klaren Himmels konnte ich das bislang nicht überprüfen. Offenbar besteht das Problem auch bei der A7R III noch, ist aber nur bei genauem Hinsehen nachweisbar.

Für Wildlifefotografie

Mit den neuen Autofokusmodi ist die A7R III auch für Wildlife-Fotografen geeignet. Auch der Crop-Modus kann hier seine Stärken voll und ganz ausspielen. Die A7 III und die A9 sind im direkten Vergleich dank ihrer noch etwas ausgefeilteren Autofokussysteme noch besser geeignet. Aber die A7R III dürfte außer bei ganz hohen Ansprüchen keine Wünsche offen lassen.

Der limitierende Faktor war da bis vor kurzem eher die kleine Teleobjektiv-Auswahl von Sony für den E-Mount. Seit der Ankündigung des 200-600mm f/5.6-6.3, des 400mm f/2.8 und des 600mm f/4 gibt es aber genügend native Optionen – sofern es der Geldbeutel zulässt ;-).

Zebra Crossing im Ngorongoro Krater

Schlusswort

Das liest sich doch alles sehr positiv. Ist die A7R III wirklich die eierlegende Wollmilchsau? Nun, in vielerlei Hinsicht durchaus. Gerade für die Reisefotografie ist das Sony-System mit all seinen herausragenden Objektiven bestens geeignet. Und die A7R III ist ein beeindruckendes Stück Technik. Gleichwohl gibt es noch an vielen Stellen Verbesserungspotenzial.

Alles in allem lässt sich die Kamera folgendermaßen charakterisieren: Die inneren Werte können voll und ganz überzeugen. Potenzial besteht dagegen bei der Software, der Haptik und der Ergonomie.

Warum ich die Kamera gekauft habe

  • Unangetastete Bildqualität, insbesondere Dynamikumfang, bei Fotos
  • Hervorragende Video-Qualität
  • Autofokus-Funktionalitäten
  • Crop-Modus und Clear Image Zoom für Video
  • Gute Akkulaufzeit
  • Zwei Speicherkartenschächte
  • Dedizierte Einstellräder für alle Belichtungsparameter
  • Individuell programmierbare Bedienung
  • Einfach und intuitiv nutzbare Smartphone-App zur Fernsteuerung
  • E-Mount-System mit hervorragender Auswahl an nativen Objektiven

Was ich mir wünschen würde

  • Einen etwas höheren Griff
  • Eine bessere Abdichtung / Robustheit
  • Zwei Kartenschächte mit identischen Spezifikationen
  • Ein nach vorne schwenkbares Display
  • Möglichkeit zum Aufnehmen von M-RAW / S-RAW
  • Festlegen einer individuellen Verschlusszeit > 30s im BULB-Modus, um Fernauslöser vermeiden zu können
  • Eine sinnvolle und intuitive Kategorisierung des Menüs und eine sprachlich bessere Benennungen der Funktionen
  • Eine Touchscreen-Implementierung, wie sie bei allen anderen Herstellern Standard ist
  • Eine quelloffene Software à la Android, um eigene Apps und Funktionserweiterungen realisieren zu können

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