Flumserberg • Positiv überrascht vom Zürcher Hausberg

Inzwischen ist es fast schon zur Tradition geworden, dass ich vor Weihnachten ein mir noch unbekanntes Skigebiet besuche. Möglichst dann schon auf der Piste sein, bevor die Massen nach dem Besuch von Grossmutter Erika und Onkel Fritz in den Urlaub aufbrechen. In den letzten Jahren führte mich der Weg an den Corvatsch, zur Corviglia oder auch ans Jakobshorn. Der Grund für die Tagesausflüge war in den vergangenen Wintern allerdings meist der spärlich gesähte Schnee, dem es hinterherzufahren galt.

Nostalgie am Flumserberg

Diesen Winter ist das anders. Zum ersten Mal seit Jahren sind die Alpen wieder flächendeckend und teils überdurchschnittlich von der weissen Pracht verwöhnt. Mein Ziel wähle ich daher nach anderen Gesichtspunkten aus. Es ist wie so oft eine nostalgische Seilbahn, deren Tage gezählt sind. Die Kabinenbahn zum Maschgenkamm im Skigebiet Flumserberg soll in Kürze einer neuen Anlage weichen. Damit verschwindet nicht nur ein Urgestein des Skigebiets am Walensee, sondern auch die derzeit älteste noch in Betrieb befindliche Kabinenbahn der Schweiz. Ausgestattet mit den legendären Giovanola-Schwerkraftklemmen dreht die Bahn hier seit 1966 ihre Runden. Und passt damit eigentlich so gar nicht zum sonst so totmodernisierten Skigebiet Flumserberg.

Neben der malerischen Aussicht auf den Walensee, die Churfirsten und das Mittelland ist die Seilbahn auf den Maschgenkamm auch der einzige Grund für meine Fahrt in den Kanton Sankt Gallen. Wegen der zahllosen kuppelbaren Sesselbahnen würde ich keinen Finger krumm machen, um das Gebiet aufzusuchen. Zumal es dank seiner Nähe zum Ballungsraum Zürich hier an Besuchern in der Hochsaison garantiert nie mangelt. Daher will ich die letzte Chance nutzen, noch vor den Feriengästen weitgehend ungestört die Pisten unsicher zu machen.

Für den 24. Dezember verspricht der Wetterbericht hervorragende Bedingungen für eine ausführliche Foto- und Videodokumentation des Flumserbergs. Strahlender Sonnenschein, relativ milde Temperaturen und eine zähe Hochnebelschicht mit einer Obergrenze auf etwa 1000 Metern. Und so stehe ich auch schon pünktlich gegen 8.30 Uhr an der Talstation in Unterterzen, von wo aus ich die ersten knapp 1000 Höhenmeter mit der Seilbahn zur Tannenbodenalp in Angriff nehme.

Zur Geschichte des Skigebiets Flumserberg

Die Einseilumlaufbahn der Firma Garaventa in zwei Sektionen ersetzte im Sommer 2005 zwei Sektionen Luftseilbahn aus den 50er Jahren. Die beiden damaligen Anlagen entstammten der Metallwerke Buchs und stellten damit ein Unikat in der Schweizer Seilbahnlandschaft dar. In erster Linie gebaut als Nahverkehrsmittel zur Erschliessung der Ortschaft Oberterzen und der Tannenbodenalp vom Ufer des Walensees diente die Seilbahn alsbald aber auch als Zubringer in das Skigebiet am Flumserberg.

Erste Anfänge auf der Tannenbodenalp

Schon 1946 entsteht auf der Tannenbodenalp die erste seilgezogene Aufstiegshilfe im heutigen Skigebiet Flumserberg. Es handelt sich um einen Gurtenschlepplift nach dem System Hefti, konstruiert durch die Firma Oehler. Über zwei Kurven transportiert er die Skigäste zum 200 Meter höher gelegenen Chrüz. Nur fünf Jahre später entsteht eine weitaus beeindruckendere Anlage als zweite Sektion. Es ist die zweite kuppelbare Seitwärtssesselbahn aus der Feder Gerhard Müllers. Bereits im Sommer zuvor hatte der Zürcher Tüftler seinen Prototyp am Hochstuckli dem Betrieb übergeben können. Die Bahn erschliesst vom Chrüz aus den über 2000 Meter hohen Maschgenkamm mit seinem grandiosen Panorama auf Walensee und Churfirsten. Kein Wunder, dass sich die Bahn Sommer wie Winter grosser Beliebtheit erfreut. 1956 kann Müller das Pistenangebot durch den Bau des Schlepplifts Bergheim unterhalb der Tannenbodenalp zusätzlich erweitern.

Doch die erste Sektion Gurtenschlepplift auf der Tannenbodenalp ist nur für den Winterbetrieb geeignet. Lange Fussmärsche müssen daher in Kauf genommen werden, um zur Talstation der Sesselbahn zu gelangen. Ein Zustand, den man schnell zu ändern versucht. Zunächst erfolgen Versuche mit Sesseln, ähnlich wie am Hörnlilift in Arosa. Doch bald entscheidet man sich für einen Ersatz. 1959 erstellt ein gewisser Walter Städeli einen Kombilift, der im Winter als Schlepplift und im Sommer als Einersesselbahn die Tannenbodenalp mit dem Chrüz verbindet. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Städeli seinen ersten eigenen Skilift am Flumserberg erstellen können. Der portable Übungslift entstammte seiner Werkstatt in Oetwil am See und wurde konstruiert nach Plänen von Theo Brunner. Der Auftakt zu einer von vielen Streitigkeiten geprägten Kooperation.

Verstärkung für immer mehr Wintersportler gefordert

Dann geht es Schlag auf Schlag. 1961 erstellt Städeli als Entlastungsanlagen für die Sesselbahn zwei weitere Schlepplifte am Maschgenkamm. Bereits 1966 hat die Müller-Sesselbahn ausgedient. Eine neue, kapazitätsstärkere Direktverbindung von der Tannenbodenalp zum Maschgenkamm wird eröffnet. Konstrukteur der Bahn mit vierplätzigen Kabinen ist die Firma Giovanola. Der Erfolg der Unterwalliser Firma mit ihrem einfachen Kuppelsystem kennt zu jener Zeit keine Grenzen. Dennoch bleibt es interessanterweise die einzige derartige Anlage in der Ostschweiz. Erweiterungen am Maschgenkamm erfolgen in den Jahren 1968 durch den Schlepplift Seeben von Baco sowie durch zwei Übungslifte auf der Tannenbodenalp von Städeli. Diese ersetzen den portablen Erstversuch von 1957.

Winter- und Sommerbetrieb am Prodkamm

Unweit der Tannenbodenalp war zuvor noch ein zweites Teilgebiet am Flumserberg entstanden. 1952 erstellt Sameli-Huber einen Kombilift vom Tannenheim zur Prodalp, der fünf Jahre später durch den Schlepplift Mätzwisen ergänzt wird. Eine Fortführung findet der Lift 1955 in einem weiteren Kombilift zum Prodkamm. Konstrukteur dieser Anlage ist hingegen die Firma Oehler, die 1959 auch die erst siebenjährige erste Sektion mit Holzstützen durch eine massivere Anlage mit Stahlstützen ersetzt. 1966 wird zunächst die zweite, 1971 dann auch die erste Sektion, durch parallele Sesselbahnen von Habegger ergänzt. Fortan sind die Oehler-Kombianlagen nur noch im Winter als Schlepplifte in Betrieb. Eine Verbindung der beiden Sektoren besteht erst ab 1968 durch den Bau des Schlepplifts Mittenwald. Hier kommt wieder die Firma Müller zum Zug.

Die Verbindung mittels der Übungslifte auf der Tannenbodenalp ist allerdings nicht besonders komfortabel. So erfolgt 1981 der Bau einer kurzen Verbindungssesselbahn am Twärchamm. Konstrukteur der Anlage ist die Firma Bartholet aus dem nahegelegenen Flums, die bereits einige Jahre zuvor den Schlepplift Bergheim modernisiert hat. Bartholet erstellt 1984 noch eine weitere Sesselbahn am Zigerboden und ersetzt 1991 die Schlepplifte Mittenwald und Tannebodenalp durch neue Anlagen. Die für viele Jahre vorerst letzte Neuerschliessung entsteht 1980 durch die Firma Garaventa am Leist. Die fix geklemmte Zweiersesselbahn erschliesst mit einer Höhe von 2200 Metern über dem Meer auch den höchsten Punkt im Skigebiet.

Modernisierung und Kapazitätssteigerung am Flumserberg

In der Folge beginnt die Phase der Modernisierung am Flumserberg. Am Prodkamm ist es die Firma Baco, die mit Poma-Technik 1986 eine kuppelbare Vierersesselbahn erstellen kann und 1992 schliesslich auch die erste Sektion zur Prodalp durch eine 12er-Kabinenbahn ersetzt. 2003 schliesslich weicht auch die Anlage am Twärchamm einer kuppelbaren Sesselbahn von Baco-Poma. Aufgestellt wird sie wiederum von Bartholet. Am Maschgenkamm setzt man dagegen auf Garaventa. Der Goldauer Hersteller ersetzt 1992 und 1995 die drei Schlepplifte von Städeli durch kuppelbare Vierersesselbahnen – darunter die ersten der Firmengeschichte mit Kompaktstationen. 2006 erreicht der Flumserberg einen Meilenstein. Am Prodkamm entsteht die erste 8er-Sesselbahn der Schweiz. Konstrukteur ist wiederum die Firma Garaventa. Drei Jahre später wird auch der Schlepplift Seeben durch eine kuppelbare Sesselbahn ersetzt – diesmal kommt die Firma Leitner zum Zug.

Nach langem Ringen können 2013 zwei weitere neue Anlagen erstellt werden. Sowohl der Schlepplift Plattis als auch die Sesselbahn Panüöl-Maschgenkamm sind Neuerschliessungen und ermöglichen eine deutliche Erweiterung des Skigebiets auf sonnigen Südhängen. Als Zubringer dient die Sesselbahn Leist, die im Jahr darauf ebenfalls durch eine 6er-Sesselbahn ersetzt wird. Konstrukteur ist bei allen drei Anlagen die Firma Garaventa. Die Sesselbahn Zigerboden wird im Gegenzug ersatzlos aufbelassen.

Aktuelle Situation und Projekte

Durch die umfassenden Modernisierungen zählt das Skigebiet am Flumserberg zu den kapazitätsstärksten der Schweiz. Das gilt zumindest für die Seilbahnen. Bis auf den Schlepplift Schwammkopf und die Kabinenbahn am Maschgenkamm ist keine Anlage älter als 1991. Aber naturgemäss ist das Verhältnis von Seilbahn- zu Pistenkapazität dementsprechend katastrophal. Sind die Anlagen allesamt ausgelastet – was an schönen Tagen keine Seltenheit darstellt – steht man sich beim Abfahren gegenseitig auf die Ski. Auch wenn es zahlreiche Abfahrtsvarianten gibt, die Bahnen schaufeln zu viele Gäste in zu kurzer Zeit den Berg hinauf.

Insofern empfiehlt es sich, den Flumserberg möglichst nicht am Wochenende oder in der Hochsaison aufzusuchen. Mit der geplanten 10er-Kabinenbahn zum Maschgenkamm wird sich das Problem zusätzlich verschärfen. Dann nämlich soll die Förderleistung der Bahn von derzeit 800 auf 4000 Personen in der Stunde gesteigert werden. Ein Grund mehr, das Gebiet noch diesen Winter aufzusuchen, Nostalgie hin oder her!

Aus dem Nebel in die Sonne

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Mit der Kabinenbahn geht es am Morgen nach Oberterzen. Bis hierhin kann man über die Terza-Abfahrtsroute auch mit Skiern abfahren. Der Zubringer von Unterterzen kostet seit einiger Zeit keinen Aufpreis mehr bei der Tageskarte, dafür ist der Parkplatz in Unterterzen aber kostenpflichtig. Die fünf Franken bezahle ich aber gerne für eine Fahrt mit der spektakulären Bahn.

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Spektakulär ist nämlich vor allem die zweite Sektion zur Tannenbodenalp. Aufgrund der Steilheit besitzt die Anlage auf diesem Abschnitt eine Bergebahn.

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Angekommen in der Bergstation auf der Tannenbodenalp. Von hier ist ein kurzer Fussmarsch zum eigentlichen Skigebiet erforderlich.

Von der Tannenbodenalp zum Maschgenkamm

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Und kurz darauf taucht auch schon das Objekt der Begierde auf – die Giovanola-Kabinenbahn zum Maschgenkamm.

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Mit dieser geht es nun auf die 3,3 Kilometer lange Reise bis in 2.000 Meter Höhe. Klassisch besitzt die Bahn eine Gewichtsabspannung im Tal und den Antrieb am Berg. Sogar das Herstellerschild ist noch vorhanden.

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Die Strecke ist zwar lang, bis auf das obere Viertel aber recht flach. Trotz der Länge überwindet die Bahn „nur“ rund 600 Höhenmeter.

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Dafür weiss die Streckenführung anderweitig zu begeistern. Erste Anlage, die in luftiger Höhe gekreuzt wird, ist die Sesselbahn Tannenboden-Chrüz. Diese soll beim Neubau der Kabinenbahn ebenfalls stillgelegt werden. Stattdessen soll die neue Bahn am Chrüz eine Zwischenstation erhalten.

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Giovanola-typisch besitzt die Bahn eine sehr hohe Trassierung. Leider wurden die Kabinen ersetzt, daher kommt die Bahn nicht mehr ganz original daher. Nichtsdestotrotz ist das Fahrterlebnis aber nach wie vor typisch Giovanola.

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Kurz nach der Streckenmitte kreuzt die Anlage die Sesselbahn Chrüz-Stelli. Wer genau hinsieht, der erkennt eine Besonderheit bei den beiden folgenden Stützen der Kabinenbahn. Bei der Sanierung wurde die Förderleistung durch zusätzliche Kabinen erhöht. Um das zusätzliche Gewicht auf den langen Spannfeldern zu kompensieren, wurden die Stützen durch zusätzliche Verstrebungen zwischen Schaft und Joch sowie am Anhebebock verstärkt.

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Im oberen Streckendrittel kommt die steile Sesselbahn Arve-Maschgenkamm ins Blickfeld. Hier befindet sich auch der einzige Streckenniederhalter der Kabinenbahn. Alles in allem stellt sich schon hier heraus – der Flumserberg ist im Hochwinter eine schattige Angelegenheit!

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Angekommen nach einer guten Viertelstunde Fahrt auf dem Maschgenkamm.

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In der Bergstation mit ihrem Giovanola-typisch lauten Antrieb. Nur noch vier halbwegs original erhaltene Anlagen gibt es in der Schweiz :( .

Unerwartete Abfahrtsvielfalt

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Ein Blick auf das obere, steile Streckendrittel von der zugehörigen Hauptabfahrt. Die Anlagen sind zu dieser frühen Zeit bereits recht gut ausgelastet, die Leute verteilen sich auf den zahlreichen Abfahrtsvarianten aber noch recht gut.

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Auch gegen die Churfirsten gibt die Kabinenbahn eine gute Figur ab.

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Die erste Abfahrt führt mich wieder zurück zur Tannenbodenalp. Das Gebäude der Kabinenbahn könnte die 60er nicht stilechter verkörpern. Damals modern, dann lange Zeit verhasst und heute retro. Mir gefällt’s und in gewisser Weise erinnert die Infrastruktur hier an ein französisches Retortenskigebiet aus der gleichen Zeit.

Drei Mal Garaventa als Alternative

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Als nächstes führt mich der Weg zur Sesselbahn Tannenboden-Chrüz. Nun will ich mit den drei Sesselbahnen den Maschgenkamm erklimmen.

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Auf dem gleichen Weg wie ihr Vorgänger verläuft die Sesselbahn zum Chrüz. Der Gurtenschlepplift aus den 40ern hatte dagegen einen etwas anderen Verlauf.

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Einzig kurz vor der Bergstation wird die Strecke etwas steiler. Links oben grüsst die Sesselbahn Prodkamm.

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Wenn schon Anlagen ersetzen, dann bitte wenigstens ein paar Andenken stehen lassen. Am Flumserberg hat man das beherzigt. Links die Talstation des Städeli-Schlepplifts Chrüz-Stelli, rechts dahinter die Talstation der Müller-Sesselbahn auf den Maschgenkamm. Letztere wurde seit der Stilllegung 1966 zu einem Restaurant umfunktioniert.

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Die Sesselbahn Chrüz-Stelli ist mit Baujahr 1995 die neueste der drei Garaventa-Sesselbahnen am Maschgenkamm und besitzt einen anderen Verlauf als ihr Vorgänger.

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Nicht zuletzt ist sie auch deutlich länger und durchfährt diesen hier sichtbaren Taleinschnitt mit saftigem Gefälle.

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Kurz vor der Bergstation kann ich die ersten Sonnenstrahlen des Tages erhaschen.

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Von hier fällt der Blick auch auf die Sesselbahn Leist, die zum höchsten Punkt des Skigebiets führt. Die Pisten sind hier deutlich anspruchsvoller als jene am Maschgenkamm.

Seeben – das Schattenloch am Flumserberg

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Diese hebe ich mir aber für später auf und tauche stattdessen zunächst einmal ins nächste Schattenloch ein. Über eine harte Piste erreiche ich die Sesselbahn Seeben. Im Talgrund versteckt sich der Walensee noch immer unter einer zähen Hochnebelschicht.

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Die Sesselbahn Seeben ist kurz, hat dafür aber eine stattliche Förderleistung. Selbst bei dem heutigen moderaten Andrang ist die Piste gut gefüllt. Wie das bei voller Auslastung aussieht, will ich mir lieber nicht vorstellen.

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Talstation der Sesselbahn Seeben im Winterkleid. Mir gefällt die Architektur dieser Leitner-Anlage gut. Schade ist dagegen, dass die Sesselbahn Zigerboden vor einigen Jahren ersatzlos abgebaut wurde. Diese stellte eine Direktverbindung von Seeben zum Maschgenkamm und zum Leist her. Jetzt muss man für diese Routenwahl die Sesselbahnen Seeben und Arve in Kombination nutzen.

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Das Berghotel Seeben. Traumhafte Lage, aber im Winter eine ganztägig schattige Angelegenheit.

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Ähnlich sieht es auch an der Sesselbahn Arve-Maschgenkamm aus. Sie ersetzte 1992 einen steilen und gefürchteten Schlepplift auf gleicher Trasse. Die Talstation des Vorgängers ist noch immer vorhanden.

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Diesmal geht es unter der Kabinenbahn hindurch.

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Einflugschneise Maschgenkamm.

Kuriosum am Twärchamm

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Nun habe ich endgültig genug vom Schatten und mache mich mit der Sesselbahn Twärchamm auf in den Sektor Prodalp. Diese Anlage ist nicht nur aufgrund ihrer Länge von weniger als 500 Metern ein Kuriosum. Die Technik stammt aus dem Hause Baco-Poma, aufgestellt wurde die Bahn von Bartholet.

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Nach nur sechs Stützen ist der Spuk bereits vorbei und ich kann wieder die Aussicht auf die majestätischen Churfirsten geniessen.

Prodkamm – der erste Achter der Schweiz

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Auf der Prodalp erwartet mich die Sesselbahn Prodkamm. 4000 Personen vermag diese Anlage in der Stunde Richtung Bergstation zu befördern und ist damit die leistungsfähigste der Schweiz. Ursprünglich schon seit 2003 projektiert konnte sie letztlich erst 2006 gebaut werden, weil für eine Achtersesselbahn seinerzeit in der Schweiz noch die Genehmigung fehlte.

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Neben der Anlage in Les Crosets ist es bis heute auch die einzige ihrer Art in der Schweiz geblieben. Mir würde auch kein anderer Hang einfallen, der eine derartige Förderleistung verträgt. Wobei ich das auch beim Prodkamm trotz der zahlreichen Abfahrtsvarianten bezweifle …

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Die Ausmasse dieser Sesselbahn sind überaus monströs. Länge und Höhendifferenz wirken daher viel geringer, als sie es in Wirklichkeit sind. Eine Besonderheit fällt übrigens bei den Sesseln auf. Nur jeder zweite ist mit Hauben bestückt, um bei Sturm mit den weniger windanfälligen, offenen Exemplaren den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Eine Strategie, die man am Flumserberg noch öfter antrifft.

Panorama auf Churfirsten, Walensee und Säntis

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Vom Prodkamm bietet sich ein etwas unerwartet geniales Panorama bis weit ins Mittelland, aber auch eine gute Aussicht auf die Skihänge am Maschgenkamm.

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Eigentlich sollte es eine Teleaufnahme des Restaurants auf dem Chäserrugg am rechten Bildrand werden. Dass man im Hintergrund auch den Säntis mit seiner Luftseilbahn erkennt, ist mir erst zu Hause aufgefallen.

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Unermüdlich schaufelt die Sesselbahnen Skifahrer auf den Prodkamm. Glücklicherweise fährt die Bahn bei weitem nicht unter Volllast. So ist genügend Platz auf der Piste.

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Panorama vom Prodkamm.

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Als nächstes geht es zum tiefsten Punkt des Pistenskigebiets, dem Tannenheim. Von dort werde ich mit der sichtbaren Baco-Kabinenbahn wieder die Prodalp erklimmen.

Tannenheim – der tiefste Punkt am Flumserberg

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Mit ihren Stehkabinen ist die Anlage aus dem Jahr 1992 ein echtes Unikat in der Ostschweiz.

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Auch wenn die Pisten ähnlich wie am Prodkamm flach sind, kommen sie unerwartet abwechslungsreich daher. Von den mainstream-typischen, eintönigen Abfahrten mit konstanter Hangneigung trifft man hier erstaunlich wenige an.

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Zurück in Richtung Tannenbodenalp geht es mit dem Schlepplift Mittenwald. Die aus dem Hause Bartholet stammende Anlage ist in erster Linie ein Übungslift und bedient einen schattigen Hang unterhalb der Tannenbodenalp.

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Weiter geht es mit einem Ponylift von Städeli. Schätzungsweise 30 Höhenmeter überwindet die Anlage, dann ist die Bergstation und mit ihr die Tannenbodenalp erreicht. Hier befindet sich auch ein grösseres Langlaufzentrum.

Das Übungsgelände auf der Tannenbodenalp

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Zwei Übungslifte bedienen noch heute das ideale flache Gelände auf der Tannenbodenalp. Einer von ihnen ist der gleichnamige Schlepplift von Bartholet, der ein Exemplar von Städeli ersetzte.

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Mit seinen formschönen Fachwerkstützen weitaus schöner anzusehen ist dagegen der Schlepplift Schwammkopf. Auch er stammt aus dem Hause Städeli, wurde aber im Gegensatz zu seinem Pendant nur sanft durch Bartholet modernisiert. Seine Kurzbügel besitzt er bis heute.

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Und natürlich darf auch die im Städeli-Chalet-Stil gehaltene Talstation nicht fehlen. Neben seiner Funktion als Übungslift dient der Schlepplift Schwammkopf auch unübersehbar als Zubringer vom unteren Teil des Parkplatzes zu den restlichen Anlagen.

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Ein kurzes Steilstück vor der Bergstation ist zu überwinden, um den urigen Ausstieg mitten im dichten Nadelwald zu erreichen.

Über Maschgenkamm und Leist nach Panüöl

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Mich führt der Weg wieder zurück zum Maschgenkamm. Nun will ich auch den Leist und den 2013 neu erschlossenen Sektor Panüöl erkunden.

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Unterwegs fällt der Blick auf die Bergstation der 2015 ersatzlos abgebauten Sesselbahn Zigerboden. Dahinter wird deutlich, dass der Tag im Mittelland eine graue Angelegenheit ist.

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Die Sesselbahn Leist in ihrer ganzen Pracht. Der Hang und auch die steilen Abfahrtsvarianten sehen genial aus – die kuppelbare 6er-Sesselbahn will dagegen nicht so ganz an diesen Hang passen. Sie ersetzte ein fix geklemmtes Exemplar mit Zweiersesseln.

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Mit den unsäglichen Stummel-Fussrastern wird der Wald- und Wiesenfraktion maximale Sicherheit suggeriert. An der Bergstation gibt es dann ein böses Erwachen. Die befindet sich doch tatsächlich im Hochgebirge und nicht auf dem Kinderspielplatz!

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Die Aussicht ist dagegen phänomenal. Hier hat man eine Höhe erreicht, um auch über die Churfirsten hinweg sehen zu können.

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In der Ferne grüssen Amden und das Skigebiet Bärenfall.

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Die Abfahrten sind anspruchsvoll und ein echter Genuss. Aber auch hier dürfte sich ein anderes Bild bieten, wenn die Sesselbahn voll ausgelastet ist.

Genuss auf weitläufigen und abgelegenen Pisten

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Nach einer weiteren Wiederholungsfahrt stürze ich mich auf der Rückseite des Leist in Richtung Plattis und zur Alp Panüöl. Dieser Sektor war schon zuvor über eine Abfahrtsroute erreichbar, ist aber erst seit 2013 pistentechnisch erschlossen.

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Die Abfahrten in diesem Bereich sind weitläufig und abgelegen – genau nach meinem Geschmack. Weit und breit ist keine Anlage zu sehen, bis schliesslich der Schlepplift Plattis auftaucht. Dieser ist ein reiner Rückbringerlift ohne eigene Abfahrt.

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In seinem ersten Betriebsjahr war er noch als Tellerlift unterwegs, mittlerweile setzt man zur Kapazitätssteigerung Bügel ein.

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Ein Blick zurück auf das geniale Skigelände. Leider ist der Schnee hier wegen der Südhanglage schon sehr weich.

Von der Realität eingeholt

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Auf der Alp Panüöl werde ich wieder ein wenig von der Realität eingeholt. Wieder geht es mit den unkomfortablen Sesseln und ihren komischen Fussrastern nach oben. Alle schreien nach Komfort, aber dann wird dieser Käse eingesetzt? Werde ich nie verstehen. Aber immerhin, auf bunte Hauben hat man verzichtet. Ein kleiner Lichtblick.

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Ganz im Gegensatz zur Talstation ist das Pendant am Berg architektonisch interessant gestaltet. Der viele Sichtbeton erinnert an die 70er Jahre und fügt sich aus meiner Sicht gut in das Gesamtbild am Maschgenkamm ein. Auf dem Dach befindet sich ein Ausläufer der Terrasse des Bergrestaurants.

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Eine Wiederholungsfahrt lege ich hier noch ein, aber der Schnee ist mir in diesem Bereich einfach schon zu sulzig.

Schweizer Ingenieurskunst vor Traumkulisse

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Daher mache ich einen kleinen Abstecher um das Bergrestaurant am Maschgenkamm herum, um die altehrwürdige Kabinenbahn aus neuen Perspektiven abzulichten.

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Dabei fällt mir ein unscheinbares Relikt auf. Ein Fundament der alten Müller-Sesselbahn von 1952!

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Langsam aber sicher wird es Zeit, dass ich mich vom letzten klassischen Giovanola-Drilling verabschiede. Neben den Niederhaltern war diese Bauweise eines der wesentlichen Charakteristika der Anlagen aus Monthey.

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Die 60er-Jahre-Architektur auf dem Maschgenkamm soll beim Neubau erhalten bleiben. Die neue Station soll vor die alte Bergstation gepflanzt werden.

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Ich kann mich einfach nicht satt sehen!

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Natürlich lege ich im Anschluss auch noch eine weitere Wiederholungsfahrt an der Bahn ein. Dabei fällt der Blick auf den inzwischen nebelfreien Walensee.

Genussvoller Ausklang am Nachmittag

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Eine der verstärkten Stützen in der oberen Streckenhälfte.

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Über eine (fast) menschenleere und abgelegene Piste geht es hinab nach Seeben. Solche Perlen habe ich im Vorfeld wahrlich nicht erwartet!

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Am späteren Nachmittag führt mich der Weg nochmals auf den Prodkamm. Inzwischen sind scheinbar die meisten auf dem Weg in die Kirche und das Gebiet menschenleer. So macht’s Spass!

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Gegen 15.30 Uhr verabschiede auch ich mich langsam vom Flumserberg und beschliesse den Tag mit einer letzten Runde zum Maschgenkamm.

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Über die abgelegene Piste durch das Stellitälli führt mich der Weg zurück zur Tannenbodenalp. Unterwegs geniesse ich nochmals den genialen Tiefblick auf den Walensee.

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Gleiches tue ich auch während der Talfahrt nach Oberterzen. Bis dorthin hätte ich auch über die geöffnete Terza-Abfahrtsroute fahren können. Diese führt vom Leist über 1500 Höhenmeter hinab und zählt sicher zu den Höhepunkten eines Skitags am Flumserberg. Da ich aber noch keine guten Aufnahmen der interessanten Seilbahn habe, verzichte ich zugunsten von Film und Foto auf eine Fahrt über die Abfahrtsroute.

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Langsam bildet sich auch über dem Walensee wieder Nebel. Ende eines gelungenen Skitags!

Fazit

Zu meiner Überraschung kann ich an der Talstation in Unterterzen meine KeyCard wieder zurückgeben und erhalte im Gegenzug das Depot in Höhe von CHF 5,-. Das freut mich ungemein, denn am Morgen habe ich mich noch geärgert, dass ich meine eigene Karte nicht verwenden durfte und stattdessen schon wieder eine neue kaufen musste. Wenn doch nur mehr Skigebiete auf die Idee kämen, die Depot-Variante wieder einzuführen. Oder zumindest die Karten aus anderen Skigebieten akzeptieren würden. Denn unterdessen nimmt mein Bestand an KeyCards aus x Skigebieten immer weiter zu.

Doch nicht nur aufgrund der KeyCard, sondern auch sonst hat mich der Flumserberg positiv überrascht. Im Vorfeld habe ich keine allzu grossen Erwartungen an das Gebiet gehabt und lediglich wegen der Giovanola-Anlage mit einem Besuch geliebäugelt. Doch anders als viele vergleichbar modernisierten Skigebiete bietet der Flumserberg eine Fülle an interessanten Abfahrtsvarianten und -kombinationen ohne die sonst übliche künstliche Remodellierung. Gepaart mit der einmaligen Aussicht auf die Churfirsten und das See-Panorama ist der Flumserberg definitiv einen Besuch wert. Wenngleich es definitiv ratsam sein dürfte, in der Randsaison den Weg zur Tannenbodenalp zu wählen. Denn dass das Fazit bei voller Auslastung der Seilbahnen mit ihrer Überkapazität in der Hochsaison gleich ausgefallen wäre, wage ich zu bezweifeln.

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