Von der Grønligrotta über den Polarkreis nach Norden

Wie angekündigt zeigt sich das Wetter am Vormittag noch von seiner trockenen Seite, sodass ich mir Gedanken darüber mache, was ich mit dem halben Tag denn noch anfangen könnte, bevor es wieder nass wird. Wirklich interessante Straßen gibt es in der Umgebung keine. Vielmehr spielt sich das Leben in dieser Region Norwegens ausschließlich entlang der E6 ab. Die Straße nach Narvik ist auch für mich die einzige mögliche Route, die mich weiter in Richtung Norden führt.

Als ich am Morgen darauf warte, dass die (einzige) Dusche auf dem Campingplatz frei wird, fällt mein Blick auf ein Plakat, das an der Wand hängt und für eine unterirdische Höhle wirbt. Die Grønligrotta liegt auf dem Weg zum Svartisen-Gletscher. Ein Hinweisschild ist mir gestern bereits aufgefallen. Der Blick auf die Webseite der Höhle offenbart dann ein durchwegs interessantes Bild des insgesamt rund vier Kilometer langen Höhlensystems, was mich dazu bewegt, doch noch einmal den Weg zum Svartisen einzuschlagen. Andere Optionen habe ich ohnehin keine. Und wenn man schon mal da ist.

Spontaner Ausflug zur Grønligrotta

Nach etwa einem Drittel der Straße Richtung Svartisen biege ich rechts auf eine geschotterte und steile Straße ab, die mich über einige Serpentinen zum Eingang der Höhle führt. Die Grotte ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich. Diese startet jeweils zur vollen Stunde am Parkplatz vor der Höhle. Neben diesem Parkplatz befindet sich eine Unterkunft mit Restaurant und Kiosk, an dem auch die Tickets für die Führung verkauft werden. Für 165 NOK erhalte ich ein Billett für die 11-Uhr-Führung und muss mich noch rund 20 Minuten gedulden, bis es los geht.

Wasserfall in der Grønligrotta

Ein gigantisches Höhlensystem

Neben mir finden sich an diesem grauen Vormittag nur vier weitere Personen ein. Zwei Norweger und zwei Schweizer, sowie natürlich unsere Reiseleitung durch das Höhlensystem. Etwa 400 Meter, also rund zehn Prozent, der Höhle sind begehbar und durchgängig beleuchtet. Die Gänge sind größtenteils recht breit und hoch. So ist im Gegensatz beispielsweise zu der Höhle in Te Anau in Neuseeland genügend Platz, um aufrecht zu gehen. Interessant ist auch ein unterirdischer Fluss, der durch die Höhle fließt und wohl irgendwo unterhalb des Berges ans Tageslicht führt.

Wirklich spektakulär ist die ganze Sache aber doch nicht unbedingt. Dafür weiß unsere Führerin allerlei kuriose Dinge zu berichten. Unter anderen soll in einer der Gänge einmal ein Bär gehaust haben. Zumindest einer Sage nach, denn wissenschaftliche Befunde dafür gibt es keine. Als gesichert gilt dagegen, dass hier unter Tage tatsächlich einmal eine Hochzeit stattgefunden hat. Nämlich vor nicht allzu langer Zeit. Naja, kann man machen.

Grønligrotta

Grønligrotta

Immer weiter Richtung Norden

Nach etwa einer Stunde verlassen wir das Höhlensystem wieder und kommen wieder ans Tageslicht, wo sich unsere kleine Gruppe auflöst und der nächsten Führung Platz macht. Noch immer ist der Himmel zwar grau, aber es regnet nicht. Das bewegt mich dazu, nochmals einen Blick auf die Wetterprognose zu werfen. Am frühen Nachmittag soll es von Westen nun definitiv eine große Menge an Regen geben. In ganz Nordnorwegen. Daher hat es wenig Sinn, noch länger hier in Mo i Rana zu bleiben.

Stattdessen will ich den Tag dann eben dazu nutzen, möglichst weit nach Norden zu kommen, um dort in den nächsten Tagen vielleicht trotz Regen die eine oder andere Aktivität zu unternehmen. Mit Narvik und Tromsø gibt es noch zwei Seilbahnen in Norwegen, die ich gerne fahren möchte. Und Abisko auf schwedischer Seite ist ohnehin geplant. Wie es derzeit aussieht, ergibt sich unter Umständen morgen Abend ein trockenes, vielleicht sogar sonniges Fenster in Tromsø, das ich für eine Fahrt mit der Fjellheisen-Seilbahn nutzen könnte. Diese fährt während der Polartage im Sommer bis um ein Uhr nachts. Und wenn schon sonst nichts klappt, die Mitternachtssonne einmal zu erleben wäre natürlich schon nett.

Mittagspause am Polarkreis

Bis nach Tromsø sind es allerdings noch rund 600 Kilometer zu fahren, und da man auf den norwegischen Landstraßen ja nun nicht gerade mit Lichtgeschwindigkeit vorwärts kommt, mache ich mich zügig auf den Weg nach Norden. Meine Mittagspause lege ich heute an einem besonderen Ort ein. Nämlich genau auf dem nördlichen Polarkreis. Hier, wo die Sonne genau einmal im Jahr nicht unter- und einmal nicht aufgeht, mache ich einen kleinen Spaziergang zu einem Denkmal, bevor der Regen einsetzt und in der Folge auch nicht mehr aufhört.

Polarkreis an der E6 in Norwegen

Polarkreis an der E6 in Norwegen

Polarkreis an der E6 in Norwegen

Im Gegenteil, je weiter ich über die E6 nach Norden vorstoße, desto mehr Regen erwartet mich auf der Straße und macht das Fahren anstrengender als in den letzten Tagen. Aus diesem Grund beschließe ich nach mehreren Erholungspausen gegen 18.30 Uhr und rund 90 Kilometer vor Narvik, es für heute gut sein zu lassen. Ich suche mir einen kleinen Platz im Wald an der E6, wo ich die Nacht verbringen will. Kurz vorher komme ich noch an der wohl originellsten Tankstelle vorbei, die ich je angetroffen habe. Zapfsäule Modelljahrgang 1930. Ob die noch in Betrieb ist? Jedenfalls fahre ich extra noch einmal zurück, um mein Gefährt vor der Tankstelle abzulichten. Zwei Oldtimer am Straßenrand ;-) .

Straße nach Narvik

Funny old service station (from 1946!) in Ulvsvåg

Schreibe einen Kommentar

Sicherheitsabfrage *